IHKLW-Umfrage zu Bürokratiebelastungen

Die Bürokratiebelastung wird für Unternehmen in Nordostniedersachsen zunehmend zum Wachstumshemmnis. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW), an der sich 216 Unternehmen verschiedener Branchen und Größen beteiligt haben.
Mehr als 93 Prozent der befragten Betriebe empfinden die bürokratische Belastung als stark oder sehr stark. 69 Prozent geben an, dass der Aufwand in den vergangenen fünf Jahren stark zugenommen hat. „Die Belastungsgrenze vieler Unternehmen ist erreicht. Bürokratie bindet Ressourcen, die Unternehmen für Innovationen, Wachstum und Investitionen benötigen“, sagt Medina Gaidus, IHKLW-Beraterin für Bürokratieabbau und Rechtspolitik. „Politik und Verwaltung müssen den Bürokratieabbau deutlich beschleunigen.“
85 Prozent der befragten Unternehmen wenden monatlich über zehn Stunden für Dokumentations-, Melde- und Nachweispflichten auf. Fast jeder dritte Betrieb (32 Prozent) investiert sogar mehr als 30 Stunden im Monat in bürokratische Aufgaben. Auch die finanziellen Belastungen sind hoch: 87 Prozent der Unternehmen schätzen ihre jährlichen Bürokratiekosten auf mehr als 5.000 Euro. Jeder sechste Betrieb gibt sogar Kosten von über 50.000 Euro pro Jahr an.
Besonders belastend sind aus Sicht der Unternehmen Vorgaben im Steuer- und Finanzwesen (20 Prozent), Statistik- und Meldepflichten sowie Regelungen im Arbeits- und Sozialrecht (jeweils 19 Prozent). Es folgen Datenschutzanforderungen (16 Prozent) und Umwelt- und Energieauflagen (12 Prozent). Kritisiert werden außerdem langwierige Genehmigungsverfahren und neue europäische Berichtspflichten.
Die Auswirkungen reichen weit über den Verwaltungsaufwand hinaus: Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen hat wegen bürokratischer Hürden bereits Investitionen oder Projekte verschoben oder ganz aufgegeben. Weitere 25 Prozent berichten von zumindest teilweisen Auswirkungen. „Wenn Unternehmen Investitionen zurückstellen, weil Verfahren zu kompliziert oder langwierig sind, schadet das der Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandorts“, sagt Gaidus.
Die befragten Unternehmen wünschen sich vor allem weniger Berichtspflichten, einfachere Verfahren, schnellere Genehmigungen und eine konsequente Digitalisierung der Verwaltung. Hier sehen die Betriebe erheblichen Nachholbedarf: 83 Prozent bewerten den Digitalisierungsgrad der öffentlichen Verwaltung als schlecht oder sehr schlecht.
Die IHKLW fordert deshalb unter anderem ein Belastungsmoratorium für neue Berichtspflichten, schnellere Genehmigungsverfahren, eine flächendeckende Verwaltungsdigitalisierung und die Umsetzung des Once-Only-Prinzips, nach dem Unternehmen Daten und Nachweise möglichst nur einmal übermitteln müssen. Auch verbindliche Bürokratieabbauziele mit regelmäßiger Erfolgskontrolle sind aus Sicht der IHKLW notwendig. „Entscheidend ist, dass die Entlastung tatsächlich in den Betrieben ankommt“, sagt Medina Gaidus: „Unternehmen brauchen wieder mehr Freiräume für unternehmerisches Handeln.“
Mehr Informationen: www.ihklw.de/buerokratie-umfrage
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Lüneburg, 22. Oktober 2026