Elbbrücke ist Standortfrage

Vor der Entscheidung des Kreistags des Landkreises Lüneburg zur geplanten Elbbrücke zwischen Darchau und Neu Darchau spricht sich die Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW) erneut klar für eine feste Elbquerung aus. Anlass sind die angekündigte Klage des BUND Niedersachsen sowie die Entscheidung des Rats der Gemeinde Neu Darchau, rechtlich gegen den Planfeststellungsbeschluss vorzugehen. Aus Sicht der regionalen Wirtschaft geht es bei der Brücke nicht allein um ein Verkehrsprojekt, sondern um Erreichbarkeit, Planungssicherheit und damit um eine zusätzliche Entwicklungsperspektive für die Region.
„Die Elbbrücke ist kein Luxusprojekt, sondern eine Frage der wirtschaftlichen Handlungsfähigkeit unserer Region“, sagt IHKLW-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert. „Für viele Betriebe bedeutet die fehlende Querung längere Fahrzeiten, unsichere Tourenplanung und eingeschränkte Kunden- und Arbeitsmärkte. Mobilität darf nicht dauerhaft vom Pegelstand der Elbe, von Wartezeiten oder von technischen Ausfällen abhängig sein.“
Zwischen Lauenburg und Dömitz gibt es auf rund 70 Kilometern keine feste Elbquerung. Diese Lücke belastet Unternehmen und Beschäftigte beiderseits der Elbe: Arbeitswege werden länger, Lieferungen schwerer planbar, Kundentermine unsicherer und touristische Angebote schlechter erreichbar. Besonders für kleine und mittlere Unternehmen, Handel, Handwerk, Gastronomie, Dienstleistungen und Tourismus sind verlässliche Verbindungen ein wichtiger Wettbewerbsfaktor. Mit der neuen Elbbrücke können Unternehmen in der ländlichen Region zum Beispiel ihren Aktionsradius ausweiten und so auch weiter entfernte Auftraggeber und Kunden bedienen.
Die IHKLW nimmt die naturschutzrechtlichen Einwände gegen das Vorhaben ernst, mahnt aber zugleich an, Planungs- und Genehmigungsverfahren nicht auf unbestimmte Zeit zu verlängern. Die gerichtliche Überprüfung des Planfeststellungsbeschlusses ist Teil des rechtsstaatlichen Verfahrens. Gleichzeitig dürfe nicht ausgeblendet werden, dass dem Beschluss ein langes Planungs-, Beteiligungs- und Abwägungsverfahren vorausgegangen ist. Aus Sicht der IHKLW muss es deshalb jetzt darum gehen, Natur- und Klimaschutz, wirtschaftliche Entwicklung und verlässliche Infrastruktur zusammenzudenken – statt die Region weiter auf unbestimmte Zeit in einer provisorischen Verkehrssituation zu halten.
„Natürlich müssen Eingriffe sorgfältig geprüft, begrenzt und ausgeglichen werden“, sagt Zeinert. „Aber eine Region braucht auch Perspektiven. Eine feste Elbquerung kann Wege verkürzen, Unternehmen auf beiden Seiten der Elbe enger verbinden und neue Chancen für den ländlichen Raum schaffen.“
Ein neues Fährkonzept, das Niedersachsens Staatssekretär Matthias Wunderling-Weilbier im Mai in Lüneburg vorgestellt hatte, kann die Erreichbarkeit kurzfristig verbessern. Es bleibt aus Sicht der IHKLW aber eine Übergangslösung. Denn Fähren sind abhängig von Wasserständen, Wetter, Betriebszeiten und technischer Verfügbarkeit. Dass Fährverbindungen an der Elbe immer wieder ausfallen können, haben die vergangenen Monate erneut gezeigt. Für Unternehmen, Pendlerinnen und Pendler sowie den Tourismus brauche es dagegen eine Verbindung, auf die dauerhaft Verlass ist. „Wer heute über die Elbbrücke entscheidet, entscheidet auch über die Entwicklungschancen der Region von morgen“, sagt Zeinert. „Eine leistungsfähige Fähre ist wichtig – aber die feste Elbquerung bleibt notwendig.“
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Lüneburg, 24. Juni 2026