Wohnraum sichert Fachkräfte
Bezahlbarer und passender Wohnraum wird für Unternehmen in der Region zunehmend zur Standortfrage. Die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW) hat am Donnerstag, 25. Juni, im Hotel Courtyard by Marriott Wolfsburg das Impulspapier „Mehr Wohnungsbau in unserer Region“ beschlossen. Darin fordert die regionale Wirtschaft Bund, Land und Kommunen auf, Wohnungsbau stärker als Voraussetzung für Fachkräftesicherung, Unternehmensentwicklung und Wettbewerbsfähigkeit zu behandeln.
„Wohnraum ist längst kein reines Sozial- oder Stadtentwicklungsthema mehr. Wenn Beschäftigte, Auszubildende oder internationale Fachkräfte keine passende Wohnung finden, wird das für Unternehmen zum echten Wettbewerbsnachteil“, sagte IHKLW-Vizepräsident Dominic Frentzel, Inhaber der Allianz Generalvertretung in Celle, der das Impulspapier vorstellte. „Wir brauchen mehr Tempo, mehr Verlässlichkeit und einen realistischen Blick darauf, was sich im Wohnungsbau wirtschaftlich tatsächlich umsetzen lässt.“
Dem Beschluss war eine intensive Diskussion vorausgegangen. Der Regionalpolitische Ausschuss hatte den Entwurf Anfang Mai in Celle vorbereitet. Anschließend brachten Mitglieder der Vollversammlung weitere Akzente ein: Klaus Grothaus, geschäftsführender Gesellschafter der TPA Trusted Project Advisors GmbH aus Gifhorn, warb dafür, Wohnungsbau stärker mit neuen Arbeitswelten, Klimaschutz, Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und einer langfristigen regionalen Standortstrategie zu verknüpfen. Alexander Gerdes, Geschäftsführer der CLAGE GmbH in Lüneburg, legte den Fokus auf mehr Standardisierung, kostengünstigere Bauweisen, vereinfachte Verfahren und praxistaugliche Anforderungen.
Das Impulspapier richtet sich an drei Ebenen: Der Bund soll Investitionen in Neubau und Bestand erleichtern, regulatorische Anforderungen überprüfen, Baufinanzierungen praktikabler gestalten und bei Markteingriffen die Investitionsfähigkeit der Wohnungswirtschaft stärker berücksichtigen. Das Land Niedersachsen soll Wohnungsbau ausdrücklich als Standort- und Fachkräftepolitik begreifen, Genehmigungsverfahren mit verbindlichen Fristen hinterlegen, Förderprogramme stärker an realen Wirtschaftlichkeitslücken ausrichten und Kommunen bei Baulandmobilisierung, Infrastruktur und Bestandsentwicklung besser unterstützen.
Von den Kommunen fordert die IHKLW eine aktive Bodenpolitik. Dazu gehören mehr baureife Grundstücke, schnellere Bauleitplanung, die Nutzung des sogenannten Bau-Turbos, eine strategische Steuerung von Flächenkonkurrenz zwischen Wohnen und Gewerbe sowie mehr Nachverdichtung, Aufstockung, Umnutzung und Revitalisierung brachliegender Flächen. Wohnungsbau und Gewerbeflächen dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden, heißt es in dem Papier. Beides sei notwendig, damit Standorte attraktiv und wettbewerbsfähig bleiben.
Hintergrund ist die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt. Nach Einschätzung der IHKLW betrifft der Mangel an bezahlbarem und passendem Wohnraum längst nicht mehr nur Ballungsräume, sondern auch Mittel- und Oberzentren sowie ländlich geprägte Kommunen. Besonders in wirtschaftsstarken Teilregionen, im Umfeld der Metropolregion Hamburg sowie in Städten mit Hochschul-, Industrie- oder Behördenstandorten treffen hohe Nachfrage, niedriger Leerstand, steigende Preise und rückläufige Neubautätigkeit zusammen. Für Unternehmen wird das zunehmend zum Rekrutierungshemmnis.
Das Unternehmerparlament fordert daher mehr Flächen, schnellere Verfahren und wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen für Investitionen. Politische Entscheidungen müssen stärker an Praktikabilität und Umsetzbarkeit ausgerichtet werden, damit Wohnungsbau als Teil integrierter Stadt- und Regionalentwicklung vorankommt – gleichrangig mit Gewerbeflächen, Mobilität und Klimaschutz.
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Lüneburg, 30. Juni 2026
