08.06.2026

Steuerschätzung Mai 2026: Geringes Wachstum begrenzt finanzpolitische Spielräume – jetzt Wachstum stärken

Zwar steigen die Steuereinnahmen insgesamt weiter an – von rund 999 Mrd. Euro im Jahr 2026 auf gut 1.034 Mrd. Euro im Jahr 2027 und über 1.140 Mrd. Euro bis 2030 – doch das Wachstum fällt deutlich schwächer aus als bislang erwartet.
Für 2026 rechnen Bund, Länder und Gemeinden mit rund 998,7 Mrd. Euro und damit etwa 18 Mrd. Euro weniger Steuereinnahmen als noch im Oktober 2025 angenommen.
Die Einzelheiten sowie das entsprechende Diagramm finden Sie auf der Homepage des Bundesministeriums der Finanzen.

Schwache Dynamik drückt auf die Einnahmenbasis

Ursache der gedämpften Einnahmeentwicklung ist die anhaltend schwache wirtschaftliche Dynamik. Die Steuereinnahmen entwickeln sich eng entlang der Konjunktur – und diese bleibt hinter den Erwartungen zurück.
Besonders deutlich zeigt sich dies bei den Unternehmenssteuern: Die Einnahmen aus der Körperschaftsteuer gehen bis 2030 zurück, ab 2028 ist darin auch eine Aufkommensminderung durch die schrittweise Senkung des Körperschaftsteuersatzes enthalten. Die Gewerbesteuer entwickelt sich schwach und bleibt volatil.
Diese Entwicklung spiegelt die verhaltene Gewinnsituation der Unternehmen wider, die sich aufgrund der geringen Investitions- und Wachstumsdynamik nur zögerlich verbessert.

Stabilisierende Effekte – aber ohne neue Impulse

Für Stabilität im Steueraufkommen sorgen vor allem Lohnsteuer und Umsatzsteuer, die zusammen rund 60 % des Gesamtaufkommens ausmachen und auf (Lohn-)Einkommen sowie Konsum basieren. Diese beiden Steuerarten verhindern einen stärkeren Rückgang der Einnahmen, können aber die fehlende Dynamik bei den Unternehmenssteuern nicht kompensieren.

Mehr Aufgaben, weniger Spielräume

Parallel zur schwächeren Einnahmeentwicklung steigen die staatlichen Ausgabenanforderungen deutlich: die Priorisierung von Sicherheit und Verteidigung, die Herausforderungen des demografischen Wandels und die notwendigen Investitionen in Infrastruktur und Transformation. Gleichzeitig wächst im Bundeshaushalt die Belastung durch Zinszahlungen, die bis 2030 einen deutlich größeren Anteil der Einnahmen binden werden. Ohne grundlegende Reformen und eine andere Struktur der staatlichen Ausgaben droht damit ein zunehmender Verteilungskonflikt um knappe Haushaltsmittel.

Wirtschaftspolitischer Handlungsbedarf wird dringlicher

Die Ergebnisse verdeutlichen: Ohne eine stärkere wirtschaftliche Dynamik lässt sich auch die Einnahmebasis des Staates nicht nachhaltig stabilisieren. Entscheidend ist daher ein Fokus auf bessere Investitionsbedingungen, eine höhere Wettbewerbsfähigkeit des Standorts und folgend daraus eine Belebung der Investitionstätigkeit der Unternehmen.
DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov bringt in ihrem Statement die Lage auf den Punkt: „Ohne Wachstum bleiben dem Staat die Hände gebunden. Die angespannte Lage der deutschen Wirtschaft spiegelt sich unmittelbar in den Ergebnissen der aktuellen Steuerschätzung wider.“
Quelle: Aus dem Steuer-Newsletter der DIHK (Ausgabe Nr. 5/2026)