Energiewendebarometer zeigt Betroffenheit in Brandenburg

Mit Blick auf die regionalen Zahlen aus dem aktuellen DIHK-Energiewendebarometer zeigt sich, dass die Brandenburger Wirtschaft stark von der derzeitigen Energiekrise betroffen ist. Insbesondere die hohen Strom- und/oder Gaspreise treffen die regionalen Unternehmen härter als im bundesdeutschen Durchschnitt. So gaben nur 18 Prozent der brandenburgischen Unternehmen an, dass die hohen Ausgaben für sie keine Auswirkungen haben (deutschlandweit 30 Prozent). Mehr als die Hälfte der Brandenburger Unternehmen befürchtet den Verlust der Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland. Vor allem Investitionen in Kernprozesse werden aktuell zurückgestellt, ebenso wie die Budgets für Klimaschutzmaßnahmen und Forschung/Innovation.
Die Umfrage, an der im Juni und Juli Unternehmen aus den Branchen Industrie, Bau, Handel und Dienstleistungen teilnahmen, stand bereits deutlich unter dem Einfluss der aktuellen Energiekrise. Durch die Zuspitzung seit dem Sommer muss davon ausgegangen werden, dass eine Bewertung derzeit noch schlechter ausfallen würde.
Während im Vorjahr nur acht Prozent der brandenburgischen Unternehmen die Auswirkungen der Energiewende auf ihre Wettbewerbsfähigkeit als „sehr negativ“ bewerteten, waren es in diesem Jahr bereits 18 Prozent der Unternehmen. Insbesondere der Anteil der neutralen Bewertungen hat deutlich abgenommen und liegt jetzt bei 23 Prozent, während er im Vorjahr 39 Prozent betrug.
Balkendiagramm mit den Auswirkungen Brandenburg und Deutschland im Vergleich

97 Prozent der Betriebe leiden unter den Energiepreisen


Mit Blick auf eine mögliche Gasmangellage im kommenden Winter sind auch die Preise für Strom unklar. Bereits im Jahr 2021 berichteten ca. zwei Drittel der befragten Brandenburger Unternehmen von hohen Strompreisen, ein Jahr sind es bereits 84 Prozent. Steigende Energiepreise (alles außer Strom) lasten mittlerweile auf 97 Prozent der Unternehmen, im Vorjahr waren es 78 Prozent. Die Krise hat die Breite der Wirtschaft erreicht. Geschwindigkeit und Höhe der Preissteigerungen haben dabei bislang unerreichte Ausmaße angenommen. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass der Anteil der Energiekosten am Umsatz bei 60 Prozent der Unternehmen über vier Prozent liegt. Noch im Vorjahr bestätigten dies lediglich 46 Prozent.
Auch die Weitergabe der erhöhten Energiekosten spielt eine größere Rolle. Im Energiewende-Barometer 2021 äußerten 50 Prozent der Unternehmen, dass sie keine Kostenweitergabe planen. Nur zehn Prozent der befragten Betriebe hatte Kosten damals weitergereicht. In diesem Jahr liegen die Anteile deutlich über dem Vorjahr.
Nach Einschätzung der Umfrageteilnehmer aus Brandenburger Betrieben wären diese kurzfristigen politischen Maßnahmen am besten geeignet, um Energiewende und Klimaschutz sicher, bezahlbar und umweltverträglich zu gestalten: Steuern und Abgaben auf den Strompreis senken (75 Prozent), Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigen (70 Prozent) sowie gemeinschaftliche Eigenversorgung und Direktlieferverträge entbürokratisieren und für weite Teile der Wirtschaft vereinfachen (51 Prozent).
FORUM/Rusch/Mahler
“Wir müssen der Politik und Verwaltung auf allen Ebenen klar machen, dass wir aus dem Nordosten Deutschlands heraus Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg mit Kerosin, Benzin und Diesel und vielen chemischen Zusatzstoffen versorgen. Unsere Unternehmen tragen maßgeblich zur sicheren Mobilität in diesem Landesteil bei. Deshalb verlangen wir in der Resolution, dass die Auswirkungen des Ölembargos ab 2023 möglichst gering gehalten und die Raffineriestandorte gesichert werden.”

Carsten Christ, Präsident der IHK Ostbrandenburg