Wenn aus Ideen Wirklichkeit wird

Die Neue Materialien Bayreuth GmbH arbeitet an der Schnittstelle zwischen Industrie und Forschung. Gemeinsam mit Unternehmen werden hier in Bayreuth innovative Werkstoffe und Verfahren für die industrielle Praxis entwickelt.

Wie können Gewebe-Schaum-Verbunde, die man heute zum Beispiel als Sonnenblenden oder Dachhimmel im Inneren eines Autos findet, effizienter verarbeitet und in neuen Anwendungsbereichen eingesetzt werden?

Wie kann Hochleistungskunststoffen ein zweites Mal Leben eingehaucht werden – und zwar mit ebenso guten Materialeigenschaften, als handelte es sich um Neuware?

Wie können Werkzeuge, z. B. für das Spritzgießen, kostengünstig mit oberflächennahen Temperierkanälen versehen und somit effizient gekühlt werden – ein entscheidender Faktor für die Produktqualität und die Prozessproduktivität?

Zur Person
Holger Ruckdäschel promovierte 2008 nach seinem Studium der Materialwissenschaften an der Universität Bayreuth. Anschließend war er 13 Jahre bei der BASF beschäftigt und leitete zuletzt die digitale Strategie des Kunststoffbereichs. Zu seinen weiteren Stationen bei der BASF zählen die Polymerforschung sowie leitende globale Funktionen bei der Windenergieforschung und den Kunststoffadditiven. Seit 2021 leitet er den Lehrstuhl für Polymere Werkstoffe an der Universität Bayreuth und ist seit 2022 Geschäftsführer der Neue Materialien Bayreuth GmbH.

Drei Beispiele für Fragen, auf die die Neue Materialien Bayreuth GmbH kürzlich Antworten gefunden hat. Als außeruniversitäre Forschungseinrichtung fungiert sie als Schnittstelle zwischen den Ideen, die aus Unternehmen und Hochschulen kommen, und deren industrieller Anwendung. „Wir entwickeln neuartige Materialvarianten im Themenfeld Kunststoffe, Metalle sowie Verbundwerkstoffe und die damit verbundenen energieeffizienten Verarbeitungsverfahren“, erklärt Geschäftsführer Professor Holger Ruckdäschel. „Wenn eine Idee technologisch noch nicht ausgereift ist, dann entwickeln wir sie so weiter, dass ein Industrieunternehmen sie in Serie bringen kann.“

Berührungsängste mit der NMB brauchen Unternehmen nicht zu haben: „Wer sich für unsere Arbeit interessiert und glaubt, dass es Anknüpfungspunkte geben könnte, kann uns einfach kennenlernen.“ Manche Firmen hätten schon konkrete Projektvorstellungen und suchten nach Unterstützung bei der Umsetzung. Und wieder andere hätten erste Ideen, wollten Meinungen einholen und gemeinsam etwas entwickeln. „Die Projekte sind kein Selbstzweck“, so Ruckdäschel. „Letztlich soll es für die Unternehmen einen Wert haben. Das Beste, was uns passieren kann, ist, dass wir ein Produkt entwickelt haben, mit dem das Unternehmen am Markt erfolgreich ist.“
Alles, was menschengemacht ist, besteht aus Materialien. Die Welt, die wir bauen, besteht aus dem, was wir erforschen. Das ist für mich die Triebkraft für eine Laufbahn in den Materialwissenschaften gewesen.

Holger Ruckdäschel

Nachhaltigkeit und Digitalisierung
OLYMPUS DIGITAL CAMERA © Oliver Heinl
Schwerpunkte will Ruckdäschel unter anderem auf den Gebieten Nachhaltigkeit und Digitalisierung setzen. Ein Beispiel: „Im Bereich der technischen Schaumstoffe haben mehrere Firmen bei uns angefragt, wie man dieses Material zurück in eine Kreislaufwirtschaft bekommen kann. Da geht es nicht nur um Thermoboxen, in denen zum Beispiel Pizzen ausgeliefert werden, sondern auch um Automotive. In einem der Projekte haben wir ein Konsortium aufgebaut, in dem wir diese Materialien auf Herz und Nieren prüfen, deren Lebenszyklus analysieren, den CO2-Fußabdruck messen.“ Stichwort Digitalisierung: „Wir sind dabei, eine große ‚Fabrik‘ für die additive Fertigung aus pulverbasierten Polymeren aufzubauen. Der ganze Prozess soll automatisiert und die Daten für maschinelles Lernen nutzbar gemacht werden.“

Seit der Gründung im Jahr 2000 hat die Neue Materialien Bayreuth GmbH mit Unternehmen aus vielen Branchen zusammengearbeitet: Automobil, Luftfahrt, Medizin-, Energie-, Werkzeug- und Oberflächentechnik, zählt Ruckdäschel auf. Viele Firmen kommen aus der Region, aber auch aus dem nationalen und internationalen Umfeld.

60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt die Neue Materialien Bayreuth GmbH. „Fachkräfte zu bekommen ist nicht einfach, aber es gelingt uns noch gut“, sagt Ruckdäschel. Viele Nachwuchskräfte würden über ein Studium an der Universität Bayreuth hier Fuß fassen und dann sowohl in der Region als auch bei der NMB bleiben.
Neue Materialien Bayreuth GmbH
Die Neue Materialien Bayreuth GmbH ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung am Standort Bayreuth, die sich seit dem Jahr 2000 mit anwendungsnaher Werkstoff- und Verfahrensentwicklung beschäftigt. Arbeitsschwerpunkte sind Kunststoffe, Metalle und Verbundwerkstoffe sowie Additive Fertigung und materialbezogene Ökobilanzierung. Die NMB ist eine Landesforschungseinrichtung des Freistaats Bayern. Zu den weiteren Gesellschaftern zählen die Stadt Bayreuth, die Universität Bayreuth oder die regionalen Wirtschaftskammern, darunter auch die IHK für Oberfranken Bayreuth.
IHK für Oberfranken Bayreuth
Bahnhofstraße 25
95444 Bayreuth
Tel.: 0921 886-0
E-Mail: info@bayreuth.ihk.de
Internet: bayreuth.ihk.de