Branchentrends International

Deutsch-französische Vernetzung in den Bereichen Industrie 4.0 und Künstliche Intelligenz

Ein Beitrag von Lisa Petit, Projektmanagerin Internationale Vernetzung und Startups, Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg, VDMA Baden-Württemberg.

Frankreich und Deutschland im Bereich Industrie und Digitalisierung

Der Maschinenbau ist mit 80.000 Unternehmen und knapp drei Millionen Beschäftigten in der EU einer der größten Industriezweige der EU-Wirtschaft. Laut Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) steht der EU-Binnenmarkt für verkaufte Maschinen und Anlagen im Gesamtwert von 586 Milliarden Euro.
Im EU27-Ländervergleich belegt Deutschland als eines der wichtigsten Länder im Maschinen- und Anlagenbau fast durchweg den ersten Platz. So kommen 36 Prozent des EU-Maschinenabsatzes aus Deutschland. Im Bereich der Beschäftigten liegt Deutschland im Ländervergleich mit 43 Prozent Beschäftigtenanzahl im Maschinen- und Anlagenbau an der Gesamtbeschäftigung ebenfalls weit vorne. Frankreich belegt im EU27-Ländervergleich Platz drei mit 8 Prozent Maschinenabsatz, hinter Italien mit 14 Prozent. Der Prozentsatz der Beschäftigten am Gesamtbeschäftigungsanteil liegt in Frankreich bei 7 Prozent ebenfalls auf Platz drei im europäischen Vergleich (Italien belegt Platz zwei mit 16 Prozent).
Die Corona-Krise hat auch den Maschinenbau in Deutschland und Frankreich stark getroffen. Laut VDMA erlebte der deutsche Maschinen- und Anlagenbau im Jahr 2020 den stärksten Produktionsrückgang seit der Finanzkrise 2009. Aufgrund der aktuellen Krise schrumpfte die Produktionsentwicklung von Januar bis Dezember 2020 im Maschinenbau in Deutschland real um 12 Prozent. In Frankreich sank die Produktionsentwicklung real um 13 Prozent – konnte im Anfang 2021 aber bereits den Abwärtstrend schon stoppen: Im Januar übertraf die Produktion das Vorjahresergebnis um gut drei Prozent.
Der Ausblick auf das Jahr 2021 ist trotz der einhergehenden Unsicherheit durch die Pandemie zuversichtlich. Zu Jahresbeginn hat sich der Maschinenbau in Frankreich stark erholt. Grund dafür kann das 100 Milliarden schwere Corona-Konjunkturpaket sein, das eine Bandbreite an Maßnahmen für viele Wirtschaftszweige – auch für die Modernisierung der Industrie – umfasst. Im Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland fällt die Produktionsprognose des VDMA mit plus vier Prozent für das Jahr 2021 dagegen vorsichtiger aus.
Deutschland und Frankreich zählen zu den weltweit führenden Industrienationen. Im Bereich der Digitalisierung und Industrie 4.0 gibt es in beiden Ländern Bemühungen die Digitalisierung voranzutreiben, wenn auch mit unterschiedlichen Fokusthemen. Deutschland treibt beispielsweise maßgeblich den Ausbau des 5G Netzes und der Industrie 4.0 im Allgemeinen voran. Frankreich setzt mit der erstmals 2018 präsentierten Strategie AI for Humanity vermehrt auf Künstliche Intelligenz.

Deutsch-französische Zusammenarbeit im Bereich Industrie 4.0 und Künstliche Intelligenz

Die enge Kooperation zwischen Deutschland und Frankreich ist über Jahrzehnte gewachsen und erstreckt sich insbesondere in der Grenzregion auf alle Lebensbereiche. In beiden Ländern gibt es bereits zahlreiche Initiativen zu Themen rund um Industrie 4.0 und Künstlicher Intelligenz (KI). Bisher fehlte noch die konkrete Vernetzung zwischen den Initiativen in Frankreich und Baden-Württemberg. Seit Ende Dezember 2020 fördert das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg die grenzübergreifende Vernetzung in den Bereichen KI und Industrie 4.0.
Die Förderung basiert auf der Partnerschafts-Konzeption Baden-Württemberg und Frankreich, einer Gesamtstrategie für die Kooperation mit Frankreich in unterschiedlichen Bereichen. Damit werden bestehende Maßnahmen und Aktivitäten zu Frankreich gestärkt und weiterentwickelt. Die Zusammenarbeit wird so gezielt vorangetrieben.
Nun erhält die Wirtschaft einen gezielten Schub in den Bereichen KI und Industrie 4.0: Ziel ist es, entlang beider Zukunftsthemenfelder Innovationspartnerschaften von baden-württembergischen und französischen Unternehmen zu initiieren und diese bei der Markterschließung zu unterstützen. Langfristig soll mit den Aktivitäten der Grundstein für ein deutsch-französisches KI-Ökosystem gelegt werden. So soll die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft in Baden-Württemberg und Europa gestärkt werden.
Im Fokus stehen dabei die grenzüberschreitende Vernetzung von Unternehmen, Start-ups und Forschungseinrichtungen, die Erhöhung der Sichtbarkeit und Vermarktung von Wissens- und Technologiepotenzialen sowie die Unterstützung der Wirtschaft bei der Markterschließung auf beiden Seiten des Rheins in den Themenfeldern KI und Industrie 4.0.

Kooperationsmöglichkeiten für baden-württembergische Unternehmen im Rahmen der Partnerschaftskonzeption

Zusammen mit dem DIZ (Digitales Innovationszentrum), dem Digital Hub Karlsruhe für Angewandte Künstliche Intelligenz, der  Steinbeis 2i GmbH, Baden-Württemberg International und der Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg wurden im Jahr 2021 umfangreiche Vernetzungs- und Matchmaking-Aktivitäten angeregt.
Alle Veranstaltungen und Aktivitäten im Rahmen der deutsch-französischen Kooperation werden auf der Website des DIZ und der Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg sowie  der Steinbeis 2i GmbH fortlaufend hinzugefügt und aktualisiert.

Beispiele für KI-Lösungen im Bereich Industrie 4.0

Durch die Digitalisierung in der Produktion werden immer mehr Daten erfasst und ausgewertet. Anwendungen von KI bieten hier enorme Potenziale in der Industrie.
Einsatzbereiche von KI sind zum Beispiel in der Instandhaltung, Logistik, Qualitätssicherung und -kontrolle, Prozessoptimierung und -steuerung, im Bereich der digitalen Assistenzsysteme, Ressourcenplanung oder in der Automatisierungstechnik.
Im Bereich der Instandhaltung hilft KI beispielsweise durch die Anwendung vorausschauender Wartung und Zustandsüberwachung, Wartungen der Maschinen im Voraus zu planen und somit Stillstandzeiten auf ein Minimum zu reduzieren.
Die Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg hat im Rahmen der Kurzstudie Einsatzfelder von Künstlicher Intelligenz im Produktionsumfeld Anwendungsfelder von KI mit Best Practice Beispielen aufgezeigt.
Bei Fragen zu deutsch-französischen Kooperationen im Bereich Industrie 4.0 und Künstliche Intelligenz sowie rund um das Netzwerk Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg können Sie Lisa Petit, Projektmanagerin für Internationale Vernetzung und Startups beim VDMA Baden-Württemberg, kontaktieren, per E-Mail an  lisa.petit@vdma.org oder telefonisch 0711 22801-28.