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Kleines Produkt – große Wirkung

In Innovationen investieren: Das haben sich nur etwa ein Drittel der Ostbrandenburger Unternehmen für das kommende Geschäftsjahr vorgenommen – so jedenfalls ein Ergebnis der jüngsten IHK-Konjunkturumfrage. Wo im nationalen und internationalen Vergleich Nachholbedarf besteht, hat Birgit Dürsch bereits etwas vorzuweisen. 2015 hat die Unternehmerin einer Idee eine Chance gegeben und verzeichnet inzwischen Erfolge mit der silvertex® aqua GmbH – auch wenn der Weg dorthin herausfordernd war und ist.
Birgit Dürsch zeigt ein unscheinbares handtellergroßes Geflecht aus Kunststoff. Struktur und Farbe erinnern an Rattan. „Eine solche Matte kann dreieinhalbtausend Liter Wasser sauber halten“, sagt die Unternehmerin. Neben Polyester und Polyamid enthält das dreidimensionale Gewirk auch Silberfäden. „Dass Silber beziehungsweise die Silberionen einen antibakteriellen Effekt haben, weiß man schon lange.“ Sobald die Matte in Kontakt mit Wasser kommt, lösen sich Silberionen. Positiv geladene Silberionen verbinden sich mit den Bakterienzellen, hindern sie so am Wachsen und die Bakterien sterben ab. Diesen Effekt hat sich die silvertex aqua GmbH zu Nutze gemacht.
Obwohl die Wasserqualität in Deutschland sehr gut ist, können sich gesundheitsschädliche Keime schnell vermehren. Sobald Wasser stagniert, zum Beispiel im Leitungssystem oder in Vorratsbehältern, kommt es zu einer Wiederverkeimung des Wassers und es bilden sich Biofilme.

Birgit Dürsch


Mit den Silbermatten von silvertex® kann das Wasser auch in geschlossenen Systemen über mehrere Jahre keimarm gehalten und als Trinkwasser genutzt werden.

Frisches Wasser für unterwegs

Die Silbermatten gibt es in verschiedenen Größen. Die kleinsten werden vor allem von Privatleuten für Wassertanks in Wohnmobilen genutzt. „Reisemobilbesitzer können die Matte rausnehmen, bewahren sie trocken und dunkel auf und beim nächsten Start ins verlängerte Wochenende legen sie sie halt wieder rein“, erklärt Birgit Dürsch. So ist auch unterwegs für frisches Wasser ohne gesundheitsgefährdende Keime gesorgt. Ein Kanister mit 20 Liter Fassungsvermögen und einer kleinen Silbermatte kann über einhundertmal neu befüllt werden, ohne dass das Wasser umkippt oder dass Biofilme stark wachsen. Seit einiger Zeit ist silvertex® über Amazon und im eigenen goowaco-Onlineshop erhältlich, im nächsten Jahr werden die Produkte für den Hausgebrauch in die Listen verschiedener Großhändler und Baumärkte aufgenommen.

Silberionen statt chlorbasierter Biozide

Spezialisiert hat sich das Unternehmen außerdem auf die Reinhaltung von Wasser in Luftbefeuchtern und großen Kühlanlagen. „Wir haben eine immer größer werdende Anzahl zufriedener Industriekunden, auch hier in Brandenburg. Unsere größte Anlage ist ein Rückkühlwerk in einem großen Industrieunternehmen. Da hängen 130 Quadratmeter silvertex®“, sagt die Unternehmerin stolz. „Für Betreiber von großen Verdunstungskühlanlagen gibt es Auflagen, ihr Kühlwasser regelmäßig auf die Keimkonzentration zu untersuchen, damit Keime, insbesondere Legionellen nicht über die aufsteigenden Aerosole in die Umwelt geraten. Wenn die Keimzahl zu hoch ist, müssen die Anlagen desinfiziert und dafür im Zweifel sogar runtergefahren werden und das möchte man ja vermeiden. Mit unserem Produkt hat man einen effektiven Langzeitschutz und kann den Einsatz von chlorbasierten Bioziden reduzieren.“

In patentierte Forschung investiert

Entwickelt wurde silvertex® seit 2006 über mehrere Jahre im Rahmen einer Forschungskooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. „Irgendwann habe ich dann in die Idee investiert. 2015 habe ich die exklusiven Rechte zur Verwertung des EU-weit patentierten Systems vom Erfinder übernommen und die silvertex® aqua GmbH gegründet“, berichtet Birgit Dürsch. Die Silbermatten werden seitdem von der silvertex® aqua GmbH hergestellt und vertrieben. Alle Zulieferer haben ihren Sitz in Deutschland, Made in Germany. Bereits vor der Gründung von silvertex® war die Diplom-Ökonomin selbstständig: „Bei PepComm haben wir viele Forschungsentwicklungsprojekte als Projektmanager begleitet. Mich hat es gereizt, auch mal selbst so etwas zu machen. Und das Produkt hat mich einfach überzeugt. Es wird so viel Wasser verschwendet, weil dieses Wasser einfach nicht ordentlich gelagert wird.
Ich war viel in Afrika unterwegs und habe gesehen, wie problematisch die Wasserversorgung dort ist. Wenn Wasser da ist, ist die Qualität des Wassers schlecht, weil es einfach auf den langen Transportwegen wieder verkeimt ist.

Birgit Dürsch


Aktuell baut das inzwischen achtköpfige Team um Birgit Dürsch das internationale Geschäft auf. Eine große Herausforderung sei dabei, dass die Silberionen aufgrund ihrer keimhemmenden und keimtötenden Wirkung zu den Bioziden zählen, sagt die Unternehmerin: „Das europäische Biozidrecht ist nicht nur aus meiner Sicht völlig überreguliert und vor allem noch nicht harmonisiert. In jedem europäischen Land, in dem wir silvertex® in Verkehr bringen wollen, haben wir immer noch individuelle Landesregelungen. Das ist gerade für ein kleines Unternehmen ausgesprochen schwierig. Bevor unser Produkt im Ausland überhaupt zugelassen wird, vergeht sehr viel Zeit und es muss sehr viel Geld investiert werden.“
Trotzdem ist die Chefin zuversichtlich: „Wir wollen aus einer sehr guten Erfindung auch gute Märkte erschließen. Und darum geht es doch eigentlich: Es wird so viel Forschung und Entwicklungsarbeit geleistet und ich will nicht wissen, wie viele gute Projekte in den Schubladen liegen, für die es einfach nicht die Kapazität gibt, um daraus gute Produkte zu machen, die am Markt dann auch ihre Käufer finden.“ 
FORUM/LF

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Katharina Wieske
Katharina Wieske
Redakteurin
Öffentlichkeitsarbeit / Mitgliederkommunikation