Ehrenamt

Keiner soll vergessen werden

Ehrenamtliches Engagement von Unternehmen ist eine der Voraussetzungen für den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolg unserer Region. In Zusammenarbeit mit der Märkischen Oderzeitung stellen wir Unternehmen und Handelnde vor. Als Unternehmerpersönlichkeiten leisten sie einen wichtigen Beitrag für Menschen und das gesellschaftliche Leben am Wirtschaftsstandort Ostbrandenburg.
In Seelow steht ein grünes Haus, „FRIZZ“ steht in roten Lettern an dessen Fassade. Durch die früheinsetzende Dämmerung zur herbstlichen Jahreszeit, strahlt durch die Fenster bereits ab Nachmittag die Beleuchtung und setzt die Bastelarbeiten, die die Fenster schmücken, in Szene. Dem Betrachter lachen Kürbisse und in Großbuchstaben das Wort „KUNTERBUNT“ entgegen. Kunterbunt ist das Haus nicht nur nach außen, sondern auch in seinem Inneren.Das FRIZZ in Seelow (Märkisch-Oderland) gehört zur Kindervereinigung Seelow, die 1992 gegründet wurde. Mitbegründer und heute auch Vorstandsvorsitzender ist Uwe Hädicke. Hauptberuflich hat es ihn direkt nach seinem Politikwissenschaftsstudium in die Wirtschaft verschlagen. Erste Station war die Messe Frankfurt (Oder), danach ging es 2009 an den Airport Neuhardenberg, an dem der 51-Jährige nun Geschäftsführer ist. Aber wie passt das zusammen: ein erfolgreicher Unternehmer und eine soziale Einrichtung? Hädicke habe bereits in seiner Jugend die Freude an der freiwilligen Arbeit entdeckt und in der 11. Klasse ein Ferienlager in Bad Saarow als Betreuer begleitet. „Und da ist es eben entscheidend für Kinder heute auch, ob es jemand mal vorlebt. Und da hatte ich eben den Lehrer Lothar Böttcher aus Letschin, das ist heute noch ein begnadeter Chorleiter mit Gitarre. Der ist über 70 mittlerweile und hatte mich begeistert, dass so etwas cool ist. Ich war auch als Kind schon immer im Ferienlager“, erzählt er. Doch Uwe Hädicke bekam derartige Einflüsse nicht nur von externer Seite, sie wurden ihm bereits in seinem engsten Umfeld mitgegeben:
Meine Eltern haben sich auch immer um andere Kinder gekümmert, wenn es denen schlecht ging. Und da liegt das halt so in den Genen.

Uwe Hädicke


Der Ehrenamtler ist heute selbst Familienvater und gibt nach eigenen Angaben seinen Kindern diese Werte mit auf den Weg.

Klare Position gegen rechts

Durch Hädickes Hand und einiger Freunde wurde 1990 schließlich das erste Ferienlager organisiert. Dabei wollte er die „guten Dinge“ aus der DDR-Zeit mitnehmen. Stück für Stück entwickelte sich darauf die Kindervereinigung Seelow. Seit Dezember 1993 ist der gemeinnützige Verein als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt, im März 1996 kam der anerkannte Ferienservice dazu. Seit 1995 ist der Verein zudem Träger des Kinder- und Jugendfreizeitzentrums „FRIZZ-Seelow“.

Heute umfasst der Verein 24 Mitglieder, die teilweise hauptamtlich dort tätig sind, wie zum Beispiel Jens Lawrenz. Gemeinsam mit diesem zeigt sich das politische Engagement des Vereins. Besonders die Erinnerungskultur und die klare Positionierung gegen rechts stehen dabei im Mittelpunkt. Ein wichtiger Bestandteil des Vereins seien darüber hinaus die Begegnungen mit Kindern und Jugendlichen aus den Partnerstädten von Seelow – aus Polen und Frankreich, die bereits seit 1992 organisiert werden, betont Hädicke. Uwe Hädicke und seinen Kollegen geht es besonders um sozial benachteiligte Kinder. Diesen wollen sie die Möglichkeit für bezahlbare Ferien bieten: Für 50 Euro pro Woche kommen Kinder aus ihrem gewohnten Umfeld und haben die Chance, an Ausflügen teilzunehmen und Erfahrungen zu sammeln, die ihnen durch die Situation ihrer Familie sonst oftmals verwehrt geblieben wären.
Neben den Ferienfreizeiten können die Kinder jeden Tag von 14 bis 18 Uhr die offenen Angebote im FRIZZ nutzen. Hier stehen ihnen Computer, ein Billard- und ein Kickertisch sowie eine Vielzahl an Spielen zur Verfügung. Laut Jens Lawrenz nutzen zwischen zehn und 20 Kinder täglich diese Angebote. Zusätzlich gibt es verschiedene Kreativ-Arbeitsgemeinschaften (AGs) wie Tanzen und Jonglieren oder Selbstverteidigungskurse, die 30 bis 35 weitere Kinder wöchentlich in die Einrichtung locken.

Engagement im Verkehrsausschuss

Uwe Hädicke könne bei derartigen AGs allerdings nicht mehr aktiv mitwirken. Seine berufliche Verantwortung und Auslastung seien dafür inzwischen zu groß. Neben seinem Wirken als Geschäftsführer der Airport-Berlin Neuhardenberg GmbH und seiner ehrenamtlichen Tätigkeit im FRIZZ sowie seinem politischen Engagement als langjähriger Stadtverbandsvorsitzender der Seelower Linken, engagiert sich Hädicke seit nunmehr vier Jahren im Verkehrsausschuss der IHK und auch als Aufsichtsratsvorsitzender der Energiegenossenschaft Oderland e.G., als Mitglied im Polizeibeirat und als Vorstand im flyBB-Verein zur Stärkung des Luftfahrt-Standortes Berlin-Brandenburg.

Dennoch schaue er zwei bis dreimal im Monat im FRIZZ vorbei. Zusätzlich sei er im stetigen Kontakt mit seinen Mitstreitern vor Ort. Und auch bei großen Festivitäten und Aktionen nehme er sich die Zeit. Manchmal schaffe er es sogar, die Arbeit und das Ehrenamt zusammenzuführen. „Der Job und die Location bieten viele Möglichkeiten, auch für die Kinder und Jugendarbeitenden. Wir machen das auch in den Ferien, dass sie mal rauskommen und mit der Feuerwehr fahren und eine leichte Berufsorientierung haben. Das Sinnvolle mit dem Nützlichen verbinden“, so beschreibt es Hädicke. Ihr gemeinsames Ziel sei es dabei, jungen Menschen Chancen und Perspektiven zu schaffen, indem man ihnen Möglichkeiten eröffnet. Kürzlich habe er einem Jungen aus dem Kamerun, dessen Traum es ist Pilot zu werden, bei seiner Bewerbung geholfen, berichtet der Flugplatz-Chef. Ohne Kenntnisse sei eine solche Ausbildung sonst sehr teuer.

Angebot Integrationskita

Neben den offenen Angeboten im Haus betreibt das FRIZZ eine Integrationskita mit 15 Kindern aus Flüchtlingsfamilien. Hierfür brennt besonders Jens Lawrenz‘ Herz. Die Kinder bekommen in der Einrichtung Hilfe beim Erlernen der fremden Sprache, damit ihnen der Einstieg in die erste Klasse leichter fällt. Laut Hauptamtler Lawrenz leiden diese sehr unter der Unsicherheit, mit der sie und ihre Eltern leben müssen. Die Angst vor einer Abschiebung wegen bürokratischer Probleme stehe ständig im Raum. Lawrenz wünsche sich daher einen konsequenteren Umgang mit dem Thema von Seiten der Politik. „Integration sollte honoriert werden.“ „Wir sind im Prinzip auch Reparaturwerkstatt für die Gesellschaft. Wenn die Kinderarmut in Brandenburg geringer wäre, würde es uns das auch einfacher machen“, fasst Hädicke zusammen.

Freude am Ehrenamt trotz Hürden

Die ehrenamtliche Arbeit bringt darüber hinaus weitere Herausforderungen mit sich. Durch die Bürokratie und Administration, die hinter solchen Projekten und Einrichtungen stecken, bestehe laut Uwe Hädicke die Gefahr, den eigentlichen Zweck aus den Augen zu verlieren. Doch auch neben finanziellen Fragen und rechtlichen Problematiken behalte der 51-Jährige die Freude an dem Ehrenamt. Vor allem das Lächeln der Kinder und Jugendlichen sei es, dass Hädicke und Lawrenz ermutigt, weiterzumachen. Schon bald geht es darum, den Staffelstab abzugeben und Nachfolger für ihre Arbeit zu finden. Hädicke sieht die Verantwortung allerdings auch in der Politik:
Wenn alle, die in der Gesellschaft verdienen, auch alle gerechter Abgaben leisten würden, wäre das für das gesamte System besser und dann wäre es auch in den sozialen Bereichen angenehmer zu arbeiten.

Uwe Hädicke

Zusammenhalt spielt für ihn in der Gemeinschaft und im Zusammenleben eine entscheidende Rolle. „Es kann nur besser werden, wenn man zusammenarbeitet.“ So ist Uwe Hädicke der Ansicht, dass sowohl Eltern als auch Bildungseinrichtungen Kindern bereits in jungen Jahren nahebringen sollten, dass man nicht nur auf sich und seinen eigenen Profit schaut. Kinder sollten lernen, aufeinander zu achten und sich auch für andere stark zu machen. Schlussendlich fasst Jens Lawrenz das Thema ganz einfach zusammen: „Das Leben ist ohne das Ehrenamt ein ganzes Stück ärmer.“
FORUM/Nadine Postler

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Katharina Wieske
Katharina Wieske
Redakteurin
Öffentlichkeitsarbeit / Mitgliederkommunikation