Ehrenamt

Voller Einsatz für den Barnim

Unternehmerin Sybille Bach versteht Verantwortung gesamtheitlich - für ihren Betrieb, ihre Mitmenschen und für die Gesellschaft.

“Wir tragen nicht nur für uns selbst Verantwortung, wir tragen für uns selbst und diese Welt Verantwortung", ein Leitspruch, der für Sybille Bach das wahrhaftige Sinnbild für ihr berufliches und ehrenamtliches Engagement ist. Ihr Unternehmen „Zaunanlagen Bach“ ist der Mittelpunkt ihres Lebens. Eng verwoben damit ist ihr ehrenamtliches Engagement, das sie fest auf ihren Heimatort Joachimsthal und die Gütegemeinschaft Metallzauntechnik fokussiert.
Es ist früh am Morgen. Langsam schiebt sich die Sonne hinter dem Horizont hervor und erstrahlt in einem erfrischenden Orange. Sybille Bach ist bereits wach und trinkt ihren ersten Kaffee. Ganz nach dem Motto: Der frühe Vogel fängt den Wurm. Sie ist eine umtriebige Frau mit großen Idealen. Die 52-jährige Geschäftsführerin der Zaunanlagen Bach GmbH mit dem Standort in Finowfurt, brennt für ihr Unternehmen, das sie seit Ende der 90er Jahre eigenverantwortlich führt. Die Tradition von Zaunanlagen Bach reicht bis in die 60er Jahre zurück.

„Mein Vater fing an, mit einer selbst gebauten Maschine die ersten Rollen Maschendraht - ursprünglich für den Eigenbedarf – zu flechten. Er hat dann aber gemerkt, dass es eine große Nachfrage an Maschendrahtzäunen gibt. Mit den ersten Abnehmern wurde das schließlich zum Selbstläufer“, erzählt Bach stolz die Geschichte des Familienunternehmens. Mit der Wiedervereinigung 1990 konnte nach der Zwangsenteignung 1972 wieder an die Tradition angeknüpft werden. Für Sybille Bach stand jedoch nicht von Anfang an fest, dass sie das Unternehmen fortführen wird. „Ich komme eigentlich aus einer ganz anderen Richtung. Ursprünglich wollte ich Lehrerin werden. Das Studium habe ich dann aber, zum Leidwesen meiner Professoren, abgebrochen, weil ich das Angebot bekam, die Firma zu übernehmen.“ Gesagt getan. Seit 1998 ist sie eigenverantwortliche Geschäftsführerin des väterlichen Betriebs und voller Tatendrang. Nicht nur im Unternehmen, seit einem Jahr ist sie ehrenamtlich im Vorstand der Gütegemeinschaft Metallzauntechnik – ein kleiner Fachverband, der in Brandenburg fünf Mitglieder der Zaunbau-Branche fasst. Schon vorher war sie aktiv im Güteausschuss, wo über fachliche Angelegenheiten diskutiert wurde. „Mein erster Gedanke nach der Anfrage war: Brauchen die jetzt eine Quotenfrau?“, erzählt die zu DDR-Zeit gelernte Holzverarbeitungsfacharbeiterin scherzhaft. Doch der Fachverband meint es ernst mit ihr. Der Grund: Sybille Bach ist eine Frau der Direktheit. Sie sagt, was sie denkt. „Die anderen Vorstandsmitglieder meinten zu mir, du bist eine derjenigen, die den Mund aufmacht, vorausschauend denkt und frische Ideen in den Verband bringt.“ Dass sie die einzige Frau im Vorstand ist, störe sie nicht: „Ich bin es über lange Zeit gewohnt gewesen, überall die einzige Frau zu sein.“

Ein Beruf für die Branche

Den Antrieb für ihre Arbeit im Verband erhält sie aus dem deutschlandweiten Austausch mit Kolleginnen und Kollegen durch die Möglichkeit, ihre Stimme für eine gute Sache zu erheben. Dazu fahre sie regelmäßig nach Frankfurt a. M., wo die Vorstandssitzungen stattfinden. „Wenn man mit Firmen aus der ganzen Bundesrepublik zu tun hat, kann man sich viel besser austauschen und Probleme diskutieren“, berichtet das Vorstandsmitglied. Außerdem bleibe sie so auf dem Laufenden, was die neuesten technischen Entwicklungen oder Richtlinien angeht, die für die Branche wichtig sind. Sybille Bach stellt ein Ziel vor, dass sie mit dem Verband unbedingt erreichen möchte: Die Etablierung eines eigenen Ausbildungsberufs zum Metallzaunbauer. „Den Beruf des Zaunbauers gibt es nicht. Es ist eine Mischung aus Stahlbau, Betonbau und Landschaftsbau. Das Fächerübergreifende ist das, was wir versuchen wollen auf die Beine zu stellen“, beschreibt Bach ihre ehrenamtliche Aufgabe im Fachverband.
Wir sind zwar nur ein kleiner Fachverband, aber ich habe gemerkt, wenn du etwas bewegen kannst, dann treibt dich das noch mehr an.

Sybille Bach

Verbandsarbeit ist Lobbyarbeit

Verbandsarbeit ist in gewisser Weise auch Lobbyarbeit. Der Unterschied zwischen Konzernen und ihrem Verband ist, dass sie diese Arbeit ehrenamtlich und mit großer Hingabe betreibt. „Ich bin nicht nur mir gegenüber verantwortlich, sondern auch für die Menschen in meinem direkten Umfeld“, betont Bach mit ernster Stimme. Aus diesem Grund erfährt auch ihr Geburtsort Joachimsthal etwas von ihrem großen Engagement. Sie selbst sagt, sie wohne dort, wo andere Urlaub machen. Ist aber gleichzeitig davon überzeugt, dass die Region nicht nur allein vom Tourismus leben kann: „Ich bin ein absoluter Verfechter davon, dass diese Region zusätzlich noch Industriestandort wird und die Möglichkeit zum Arbeiten gibt.“ Sie wisse gut genug, wenn Mitarbeiter für Aufträge mehrere Stunden im Auto sitzen und nach Berlin fahren. „Nur allein mit Tourismus gibt es kein Brot und keine Tische“, verteidigt die Joachimsthalerin ihre Einstellung. „Ich bin eine Anhängerin der Lebensart: Denke regional und kaufe regional.“

Diese Einstellung überträgt sie auf ihr Ehrenamt. In ihrem Geburtsort Joachimsthal engagiert sich die leidenschaftliche Geschäftsführerin stark vor Ort. Ein Projekt, das Sybille Bach besonders am Herzen liegt, ist die Sanierung der Schinkelkirche: „Erstmal habe ich eine große Faszination für das Objekt an sich und als Denkmal. Es ist nämlich eine Kreuzkirche und von denen gibt es in Deutschland nicht so viele.“ Außerdem sei die Kirche durch die DDR-Zeit kaum bis gar nicht instandgesetzt worden. Das Dach, die ganze Fassade, die Außenhülle sowie die Kirchenfenster seien durch die Witterung marode gewesen. Doch durch die Initiative der Pfarrerin Beatrix Spreng sei ein Sanierungsprojekt angeschoben worden, das noch lange nicht abgeschlossen sei. An dieser Stelle hat Sybille Bach ihren regionalen Beitrag geleistet: „Zu unserer 50-Jahr-Feier haben wir für das Projekt Geld gesammelt und somit auch einen Stein ins Rollen gebracht, an dem sich viele angeschlossen haben“, berichtet die Unternehmerin stolz.
Im Endeffekt ist es so, dass Besucher, die noch nie im Barnim gewesen sind, immer total begeistert waren, wie schön diese Region doch ist.

Sybille Bach

Selbst internationale Künstler zieht es dorthin. Sybille Bach berichtet von einem Musikerpaar, das in Joachimsthal lebt und für dessen Projekte sie schwärmt. „In der Kirche soll es eine Aufführung der Rockoper Jesusv Christ Superstar mit einem Arrangement des britischen Dirigenten David Coleman geben“, erzählt Bach begeistert. Seine Frau ist Sopranistin und Chorleiterin im Ort. Die Geschäftsführerin der Zaunbaufirma erzählt, die Idee zum Event sei aus den Veranstaltungen des Schorfheider Musiksalons entstanden. „David Colemann hat regelmäßig sein Wohnzimmer leergeräumt, zu einem Musikzimmer umfunktioniert, den Leuten Zugang zu seiner Wohnung gewährt und mit Freunden musiziert. Dass man dabei sein darf, ist wunderschön“, schwärmt Bach vom Engagement des Dirigenten in ihrer Heimat, dessen Projekte sie gerne finanziell unterstützen will.

Ehrenamtliches Engagement ist für Sybille Bach ein „Grundding“, wie sie es selbst in einfachen Worten bezeichnet. „Ich bin ganz ehrlich: Ich möchte nur mit Leuten arbeiten, die eine positive Atmosphäre versprühen und mit denen die Zusammenarbeit Spaß macht.“ Sie ist der Meinung, wenn sich jeder darum kümmern würde, dass es den Menschen in der direkten Umgebung gut geht, wäre die Welt eine bessere. „Mir ist es wichtig, dass wir in der Firma, im Verband und im Ort einen respektvollen Umgang miteina nder pflegen, dass wir Bitte und Danke sagen, was leider irgendwie immer mehr in Vergessenheit gerät. Für mich ist das normal, aber für andere Menschen nicht mehr.“ Sie ist zudem der Ansicht, dass sie als Unternehmerin auch ein Stück weit eine Vorbildfunktion gegenüber anderen hat. „Man kann alle Probleme dieser Welt haben, aber man muss diese konstruktiv und mit offenem Visier angehen. Solange ich mit anderen über alles reden kann, lässt sich jeder Konflikt lösen.“ Ihre Einstellung sei auch der Grund, weshalb sie unter Kollegen in der Gütegemeinschaft so geschätzt wird. „Mit Ehrlichkeit kommt man am weitesten, denn jeder weiß woran er bei mir ist, wenn ich etwas sage.“

Das Ehrenamt ist wichtig

Gerne würde sie sich noch mehr für ihr direktes Umfeld engagieren. Beispielsweise im Segelverein, in dem sie langjähriges Mitglied ist und den Sport als Ausgleich von der Arbeit im Büro nutzt. „Ich ziehe den Hut vor Leuten, die mehr machen als es ihre Zeit erlaubt“, gibt Sybille Bach demütig zu. „Das Ehrenamt ist für mich ein wahnsinnig wichtiger Beitrag für die Gesellschaft, weil so vieles sonst gar nicht funktionieren würde. Ich werde immer dabei sein, wenn es darum geht, andere zu unterstützen.“
 FORUM/Valentin Franze

Kontakt

Jörn Klitzing
Jörn Klitzing
Leiter
Regionalcenter Barnim Uckermark