IHK-Wahl 2022

Brandenburg mehr als Potsdam

Als IHK-Präsident hat Dr. Ulrich Müller zehn Jahre lang die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg geführt. Für die Wahl der ehrenamtlichen IHK-Vertreter im kommenden Jahr leitet er den Wahlausschuss. Im Interview spricht er über die Vorteile des freiwilligen Engagements.

Trotz leitender und zeitintensiver Position bei der EWE AG haben Sie sich lange ehrenamtlich in der Vollversammlung und als IHK-Präsident engagiert. Warum war Ihnen das wichtig?
Ich finde schon, dass gerade in der Region Ostbrandenburg das Engagement der Wirtschaft unheimlich wichtig ist. Da geht es nicht darum, welcher Belastung man selbst ausgesetzt ist, sondern wie man tatsächlich in der Region auch eine Stimme für die Wirtschaft darstellen kann. Und ich hatte das dann bei mir im Hause so organisiert, dass ich die Freiräume hatte, genau diese gesellschaftliche Tätigkeit wahrzunehmen.
Sie betonen, gerade in Ostbrandenburg sei es wichtig, sich für die Wirtschaft stark zu machen. Warum?
Man muss den Landespolitikern eines immer mal wieder ins Gedächtnis rufen: ‚Brandenburg ist nicht nur Potsdam. Ihr habt auch eine Verantwortung in der Uckermark und in der Lausitz.‘ Insofern glaube ich, ist es außerordentlich wichtig, darauf hinzuweisen. Wir in Ostbrandenburg sind zwar weit weg von Potsdam, aber Wertschöpfung findet in Brandenburg auch bei uns statt.
Seit 2017 sind Sie nicht mehr Mitglied der Vollversammlung und auch nicht mehr Präsident der IHK Ostbrandenburg. Jetzt leiten Sie den Wahlausschuss für die anstehende IHK-Wahl. Wie kam es dazu und warum ist Ihnen die Wahl trotzdem noch wichtig?
Ich bin angesprochen worden, den Wahlausschuss zu leiten. Das freut mich, denn so eine Wahl ist ja eine ganz besondere Sache für eine Industrie- und Handelskammer. Mit der Wahl geht es auch darum, die IHK bekannt zu machen und potenzielle Wähler zu ermutigen, dass sie tatsächlich auch ihr aktives Wahlrecht ausüben. Und ich muss sagen, das ist eine wirklich schwere Arbeit. Ein Unternehmer denkt in der Regel an sein Unternehmen, schimpft gelegentlich aber auch, weil seine Belange von der Politik nicht ausreichend wahrgenommen werden. Mit der Wahl geben wir unseren Mitgliedern die Chance etwas zu tun. Am besten, indem sie selbst kandidieren. Oder aber wenigstens indem wir sie überzeugen, ihr Wahlrecht in Anspruch zu nehmen und die Leute zu wählen, die für sie die Stimme in ihrer Region, in Potsdam und darüber hinaus erheben.
Der Tenor ist häufig: ‚Aber die IHK kann ja eh nichts ausrichten‘. Was würden Sie entgegnen?
Das ist ein alter Spruch, der seit dem frühen Mittelalter immer Thema ist. Ich kann immer was ausrichten, ich muss bloß etwas tun. Sich zurückzulehnen und zu sagen, es passiert ja eh nichts, das ist eigentlich keine unternehmertypische Eigenschaft. Der Unternehmer ist ja gerade jemand, der unternimmt. Der Punkt ist nur, dass man letzten Endes nicht nur in seinem Kosmos etwas unternimmt, sondern darüber hinaus. Wer sich öffentliches Gehör verschaffen möchte: Eine bessere Chance als über die IHK-Wahl gibt es eigentlich kaum.
Was haben Sie in Ihrer Amtszeit erreicht, was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Ich glaube in unserer Zeit haben wir es geschafft, dass Brandenburg als Gesamtbrandenburg deutlicher wahrgenommen worden ist.
War der persönliche Kontakt zu einzelnen Politikern in dieser Zeit für Sie gewinnbringend?
Ja, wir hatten beispielsweise ein sehr gutes Verhältnis zu den Ministerpräsidenten. Was viele vergessen, ein Ministerpräsident ist natürlich auch darauf angewiesen und in unserem Falle sehr interessiert, mit der Wirtschaft im Dialog zu sein. Einen professionellen und sehr persönlichen Umgang gab es natürlich mit dem Wirtschaftsministerium. Ich kann mich entsinnen, dass wir auch mit dem Umweltministerium über wichtige Dinge besprochen haben. Wenn man Wirtschaft und Umwelt- und Naturschutz überein bekommt, dann hat man eine Menge gekonnt. Damit sind wir in Brandenburg gar nicht so schlecht gefahren.
Wovon profitieren die Unternehmer noch, wenn sie sich in der Vollversammlung engagieren?
Die Vollversammlung war immer so ein Diskussionspool von verschiedensten Unternehmern, ob das selbstständige Unternehmer, angestellte Manager oder Gründer von Start-ups waren. Einer hat vom anderen profitiert. IHK-Arbeit ist nichts anderes als Netzwerkarbeit. Aber eine erfolgreiche: Für das eigene Unternehmen und für die Region. Das habe ich als Vertreter eines Energieversorgungsunternehmens immer auf den Punkt gebracht: Wir als Energieversorger sind nur erfolgreich, wenn die Region erfolgreich ist. Und das trifft für jeden anderen Unternehmer auch zu. Ein Tiefbau-Unternehmen kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Kommune das Geld und den Willen hat, etwas zu bauen. Das trifft für den Bäcker genauso zu. Wenn die Leute abwandern, kann er seine Schrippen nicht mehr verkaufen.
Warum empfehlen Sie eine Kandidatur?
Ganz klar, um beim Netzwerk dabei zu sein. Beeindruckt hat mich immer wieder der Sinneswandel von Unternehmern von anfänglicher Skepsis bzw. Ablehnung hin zu Anerkennung und Lob der Arbeit der IHK. Das ist wie bei anderen Dingen auch. Die größte Kritik kommt von denen, die nicht Bescheid wissen, die sich nicht interessieren, die nicht mitmachen wollen. Insofern ist immer dann, wenn man interessiert war und mitgemacht hat, der Blick auf die IHK ein ganz anderer, als wenn man nur von draußen reingeschaut hat.
Was wünschen Sie sich für die nächste Legislatur?
Wir haben in Ostbrandenburg jetzt die Chance mit einem großen Unternehmen wie Tesla, das in der Ansiedlungspolitik noch weitere Unternehmen nach sich zieht, an die Erfolge der anderen Brandenburger Kammern anzuschließen. Bislang waren wirtschaftliche Schwerpunkte Potsdam und Umgebung und die Lausitz mit dem Bergbau. Das Interesse wird sich jetzt sehr viel stärker nach Ostbrandenburg verlagern. Momentan ist der Superdrive bei uns und in der Tat hat die zukünftige Vollversammlung recht gute Karten, erfolgreiche Politik zu machen. In der Region, wo die meiste Musik gemacht wird, da wird auch am meisten getanzt.
Es fragte Luise Frahm


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Katharina Wieske
Katharina Wieske
Redakteurin
Öffentlichkeitsarbeit / Mitgliederkommunikation