IHKplus 02/2022

„Die Venloer könnte Boulevardcharakter bekommen.“

Tobias Mintert ist Gastronom aus Leidenschaft. Er betreibt im Belgischen Viertel die „Barracuda Bar“ und die Kneipe „Forelle Blau“. Außerdem ist er Inhaber der Cocktailbar „BAR ZWEI“ an der Venloer Straße 437, die er im Frühjahr zum Restaurant erweitern möchte.
Text: Lothar Schmitz
Tobias Mintert, Bar Zwei
© IHK Köln / Michael Claushallmann

Wie hat sich Ihre Filiale an der Venloer Straße bis März 2020 entwickelt – und wie seit Beginn der Corona-Pandemie?

Vor Ausbruch der Pandemie lief es wirklich ausgesprochen gut. Wir profitieren in Ehrenfeld von einer sehr dynamischen Umgebung, denn die Straße hat sich hier „im hinteren Teil“, also ab dem Gürtel stadtauswärts, in den letzten Jahren äußerst positiv entwickelt. Die Nachbarschaft zeichnet sich durch eine lebendige, interessante Vielfalt an neuen und alten Konzepten in Gastronomie und Einzelhandel aus. Corona hat natürlich auch hier bei uns deutlichen Schaden angerichtet, und die Umsätze sind zwangsläufig eingebrochen. Wirtschaftlich überleben konnte ich persönlich nur durch meine beiden Geschäfte im Belgischen Viertel, denn anders als auf der hinteren Venloer Straße erteilte die Stadt dort großzügige Sondergenehmigungen für Außengastronomieflächen auf Bürgersteigen und Parkplätzen. Ein entscheidender Vorteil in diesen Zeiten!

Welche Vorteile bietet Ihnen die dortige Lage?

Die Ehrenfelder:innen lieben ihre „Venloer“. Durch die Strahlkraft des Viertels fühlen sich erfreulicherweise aber auch viele Gäste aus anderen Vierteln angezogen. Hier profitieren wir natürlich von der günstigen Lage und der hervorragenden Anbindung mit dem ÖPNV. 

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie an Ihrem Standort?

Der Autoverkehr ist eine enorme Belastung. Die Lage ist insgesamt unübersichtlich und im Grunde schlecht für alle Verkehrsteilnehmenden. Ständig kommt es zu gefährlichen Situationen und so zu einer Vielzahl von Unfällen. Als Anwohner und als Gastronom wünsche ich mir schon seit langem, dass hier endlich etwas geschieht. Die Venloer Straße wird meinem Eindruck nach weitestgehend als Ein- und Ausfallstraße für den Durchgangsverkehr genutzt. Die ansässige Gastronomie und der hiesige Einzelhandel profitieren von dieser theoretischen Erreichbarkeit mit dem Pkw kaum. Unsere Gäste kommen mit dem Rad, zu Fuß oder per U-Bahn.

Wie beurteilen Sie die Verkehrspläne der Stadt Köln für die Venloer Straße (Einbahnstraße, 20 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit u.a.)?

Diese Entscheidung ist längst überfällig, aber geht nicht weit genug. Die Einbahnstraßenregelung muss mutig und zeitnah auf den hinteren Teil der Venloer Straße vom Gürtel bis mindestens zur Leyendecker Straße ausgeweitet und in ein umfassenderes Verkehrskonzept für Ehrenfeld eingebettet werden. Dadurch gewinnen alle Verkehrsteilnehmenden: Der Autoverkehr kann ungehinderter und mit mehr Platz fließen, Fahrradfahrende haben eine sicherere Radspur auf der Straße, und auch die vielen Fußgänger:innen können endlich angemessen breite Bürgersteige nutzen. So bekäme die Venloer Straße einen Boulevardcharakter, und das wäre doch großartig.

Wenn Ihnen eine gute Fee einen Wunsch für Ihren Standort erfüllen würde: Was sollte das sein?

Ich wünsche mir die sofortige Erweiterung der Einbahnstraßenregelung auf der Venloer Straße vom Gürtel bis mindestens zur Leyendecker Straße. Die derzeitige Verkehrssituation hat die gastronomische Nutzung erweiterter Außenflächen und von Parkplätzen leider bislang verhindert. Das ist eine deutliche Benachteiligung gegenüber vielen anderen Standorten in Köln. Ich hoffe diesbezüglich auf flexible Zugeständnisse von Seiten der Stadt, denn diese werden in den kommenden Jahren für unsere Branche von allergrößter Bedeutung sein. Das geht Hand in Hand mit den angestrebten verkehrspolitischen Veränderungen, die die Aufenthaltsqualität und Verkehrssicherheit für alle Anwohnenden und Verkehrsteilnehmenden hoffentlich schon bald spürbar verbessern werden.
 

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