IHKplus 11/2022

Zurück im Spiel - oder schon wieder off?

Ganz langsam erholt sich die Messe- und Veranstaltungsbranche in der Region von den Folgen der Pandemie. Für den kommenden Winter drohen aber wieder Einschränkungen, die kaum noch zu verkraften wären.
Text: Werner Grosch
Die Messe- und Veranstaltungsbranche in der Region kann aktuell stolze Zahlen verkünden. Rund 25.000 Besucherinnen und Besucher bei der Gartenlifestyle-Messe spoga+gafa, 265.000 bei der Gamescom, ausverkaufte Konzerte von Weltstars wie Billie Eilish oder Harry Styles in der Lanxessarena, 28.000 Feiernde beim Summerjam am Fühlinger See – um nur einige Beispiele zu nennen. Zwei Corona-Jahre lang konnten die Veranstalter von einer solchen Bilanz nur träumen.
„Es droht erneut und wie so oft in Deutschland ein Flickenteppich aus Maßnahmen.”
Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung Koelnmesse
Und doch brauen sich wieder dunkle Wolken über der Event- und Messebranche zusammen. Denn das neue nationale Infektionsschutzgesetz, das eine extreme Corona-Welle im Winter verhindern soll, sieht unter anderem die Möglichkeit vor, die Personenzahl bei Veranstaltungen in Innenräumen erneut zu begrenzen. In welchem Umfang und unter welchen Voraussetzungen, ist Sache der Bundesländer. Für Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Koelnmesse, sind das Maßnahmen, die „nicht bundesweit greifen und aus unserer Veranstaltersicht weder verständlich noch gerechtfertigt sind“. Und das in einer Situation, in der die Messe gerade wieder Fahrt aufgenommen habe und eine neue Aufbruchsstimmung entstanden sei.

Forderung nach Planungssicherheit

Henriette Reker, Oberbürgermeisterin der Stadt Köln und Vorsitzende des Aufsichtsrats der Koelnmesse
Henriette Reker © Stadt Koeln
Auch die Politik in der Region fordert klare, einheitliche und vor allem langfristig verlässliche Regeln. Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker sagte bei der Eröffnung der Gamescom: „Messen mit ihren langen Vorlaufzeiten brauchen Planungssicherheit, beziehungsweise sie brauchen die Möglichkeit, sich auf verschiedene Szenarien ganz genau vorzubereiten. Und sie brauchen deutschlandweit vergleichbare und einheitliche Rahmenbedingungen.“

„Wenn wir auch in Zukunft auf Messen als Impulsgeber für die Wirtschaft setzen wollen, dann sollten wir heute schon deren Bedarfe mitdenken.“
Henriette Reker, Oberbürgermeisterin der Stadt Köln
Auch Stefan Löcher, Geschäftsführer der Lanxessarena, warnt vor neuen Beschränkungen. Denn trotz der vielen ausverkauften Veranstaltungen kämpfe die größte Kölner Veranstaltungshalle weiter mit großen Problemen wie Personalmangel und natürlich auch den stark gestiegenen Energiekosten. „Außerdem laufen die neuen Vorverkäufe für den Herbst und das kommende Jahr bei weitem nicht so, wie wir es aus präpandemischen Zeiten gewohnt waren“, berichtet Löcher. Mit Blick auf den kommenden Winter ist er zwar zuversichtlich, weil man im Hinblick auf Corona-sichere Großveranstaltungen viel dazugelernt habe.
Aber in möglichen Kapazitätsbeschränkungen sieht Löcher eine große Gefahr: „Dies hätte dramatische Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft, für die die Kultur- und Eventbranche einen der größten Zweige darstellt. Diese Auswirkungen würden die pandemischen Folgen im kommenden Herbst bei weitem in den Schatten stellen. Wir brauchen Selbstbestimmung und -verantwortung als entscheidende Richtlinie, wie es zum Beispiel in Dänemark, Großbritannien oder Frankreich auch gut funktioniert.“ Der Arena-Chef hat aber zugleich „großes Vertrauen in die Politik, dass wir hier fortan auf Basis wissenschaftlicher Daten handeln.“
„Einen weiteren Lockdown oder Kapazitätsbeschränkungen darf es aus meiner Sicht nicht mehr geben.”
Stefan Löcher, Geschäftsführer der Lanxessarena
Eine Hoffnung, die Ministerpräsident Hendrik Wüst für Nordrhein-Westfalen durchaus nährt. Er versprach bei einem Besuch auf der Gamescom der Messebranche Planungssicherheit für Präsenzveranstaltungen, damit Köln Messeplatz Nr. 3 in Deutschland bleibt (siehe auch Kasten). Ob Köln seine Stellung weiterhin hält, bleibt offen. Arena-Chef Stefan Löcher lässt sich die Vorfreude auf Highlights wie Sting im November oder Bryan Adams im Dezember jedenfalls nicht nehmen: „Wenn ich jetzt in tausende lachende Gesichter im Publikum blicke, dann weiß ich: Das ist der Lohn einer über zwei Jahre andauernden harten Arbeit. Live-Entertainment ist und bleibt ein ganz entscheidender sozialer Faktor aus kultureller und emotionaler Sicht. Dies gilt es zu bewahren und daran setzen wir an für die kommende Zeit.“
Einschränkungen sind Gift für die Branche
Wie groß die wirtschaftlichen Folgen durch neue Einschränkungen für die Messe- und Eventwirtschaft werden könnten, lässt ein Rückblick auf die vergangenen Jahre ermessen: Nach einer Bilanz des Branchenverbandes AUMA aus dem Juli betrug der Schaden allein für die Messewirtschaft seit März 2020 rund 55,4 Milliarden Euro. In den Jahren 2020 und 2021 seien jeweils mehr als zwei Drittel der geplanten Messen pandemiebedingt abgesagt worden, und auch im ersten Halbjahr 2022 wurden deutschlandweit bereits 164 Messen aus denselben Gründen abgesagt oder verschoben.
Die IHK Köln setzt sich deshalb auf politischer Ebene dafür ein, dass die Unternehmen der Branche Planungssicherheit bekommen. Denn die Branche ist gerade für Köln und die Region enorm wichtig. Auch hier seien Daten von Koelnmesse und Lanxessarena stellvertretend für eine Vielzahl von Veranstaltern und Eventlocations genannt: Messeplatz Nr. 3 in Deutschland und in den Top Ten weltweit, 2.000 Kongresse im Jahr in der Koelnmesse; Lanxessarena unter den Top Drei der profitabelsten Multifunktionshallen weltweit, allein im Jahr 2019 mehr als eine Million Tickets für die Arena allein für Konzerte verkauft. 

Kontakt

Detlef Kürten
Innovation und Technologie
Timo Knauthe
Tourismus und Gesundheitswirtschaft