IHK & Region | 02.02.2024

Ganz oder gar nicht

Vinkona soll die sich in Gründung befindliche Firma Marla Schützendübels voraussichtlich heißen und eine KI-basierte Organ-Begutachtung auf Krankheitsbilder in der industriellen Großschlachtung bieten. Die passionierte Jägerin will mit ihrem Komplettsystem nicht weniger, als die Schlachthofarbeit revolutionieren und für eine höhere Qualität und mehr Tierwohl sorgen. Mit dieser Geschäftsidee konnte die 28-Jährige den regionalen Vorentscheid des Elevator Pitch von IHK Heilbronn-Franken und den Campus Founders im Heilbronner Haus der Wirtschaft für sich entscheiden. Von Matthias Marquart
Besonders wichtig war Marla Schützendübel dabei, ihr Produkt gemeinsam mit den Kunden (Großschlachtereien) und Anwendern (Tierärzte) auf deren Bedürfnisse ausgerichtet zu entwickeln. Und so kam ihr während des Masterstudiums, das sie in Zusammenarbeit mit der Firma IDS Imaging Development Systems (IDS) in Obersulm, einem weltweit agierenden Industriekamerahersteller und führenden Bildverarbeitungsunternehmen, absolviert, auch die Idee zu Vinkona. Ihr Masterprojekt bei IDS: Anwendungsgebiete für die IDS NXT Kamera in der Landwirtschaft. „Die Begutachtung erlegter Tiere ist mir ja schon aus der Jagd bestens bekannt und wird auch bei der industriellen Schlachtung durch Tierärzte durchgeführt. Bei zahlreichen Besuchen von Großschlachtereien fiel mir auf, dass die rein visuelle Organ-Begutachtung nach Krankheitsbildern bei geschlachteten Schweinen, die beispielsweise durch Verfärbungen, Entzündungen oder Punkte zu erkennen sind, von Veterinären durchgeführt wurden, die in Schichten bis zu acht Stunden arbeiten.
Klar, dass schon allein durch die Ermüdung der Augen, bei der Begutachtung zwangsläufig Fehler auftreten.

Marla Schützendübel

(Anm. d. Red.: Bei der Begutachtung beurteilt der Veterinär den Zustand der Organe der geschlachteten Tiere und sortiert Organe aus, die nicht in einwandfreiem gesundheitlichem Zustand sind oder waren und insofern nicht in den Handel gelangen dürfen. Dies geschieht bisher ausschließlich durch die rein optische Wahrnehmung des Veterinärs). Klar, dass schon allein durch die Ermüdung der Augen, dabei zwangsläufig Fehler auftreten.“ So kam Marla Schützendübel auf die Idee, dass IDS-Kameras, mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz und den entsprechenden Algorithmen, hier sinnvoll und unterstützend eingesetzt werden könnten. „Der Vorteil an meinem System ist, dass die IDS-Kameras klein und entsprechend problemlos installiert werden und sie ihre Informationen in Echtzeit sofort an die Terminals der Tierärzte weitergeben können. So habe ich begonnen, einen entsprechenden Algorithmus zu schreiben und die KI trainiert, verschiedene Krankheitsbilder zu erkennen.“

Standardisiertes Verfahren

Je nach Befund gibt die Kamera dem Arzt ein „ok“ bezüglich der begutachteten Organe oder zeigt ein gefundenes Krankheitsbild an. Der Veterinär prüft diese Befunde und gibt seinerseits Rückmeldung an die in der Kamera verarbeitete KI, wodurch diese auch im laufenden Betrieb ständig hinzulernt. Doch wie wird dadurch das Tierwohl gefördert? Marla Schützendübel: „Es ist so, dass Landwirte in den Großschlachtereien, die wöchentlich über 20.000 Schweine verarbeiten, immer große Margen anliefern. Sollte sich nun herausstellen, dass bei den Tieren eines bestimmten Landwirts zum Beispiel vermehrt Lungenerkrankungen festgestellt werden, kann dieser, in Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt, dann nach den Ursachen forschen und beispielsweise die Belüftung in seinen Ställen überprüfen und verbessern. Letztendlich profitieren also auch Landwirte von dem System, da sie weniger finanzielle Abzüge aufgrund mangelhafter ‚Ware‘ hinnehmen müssen und sie durch das standardisierte Verfahren auch einen völlig unvoreingenommenen Befund erhalten. Vor allem aber kann so auch den Tieren geholfen werden, ein möglichst gesundes Leben zu führen.“

Immer konsequent

Ein starker Bezug zur Praxis war Marla Schützendübel schon immer wichtig. So wechselte sie schon als Schülerin nach einem einjährigen Aufenthalt im Ausland von ihrem „normalen“ auf ein berufliches Gymnasium, wo es ihr möglich war, mehr Einblicke in die Berufswelt zu bekommen. Und auch das anschließende Studium der Agrarwissenschaft in Hohenheim war ihr zu theoretisch angelegt, so dass sie dieses nach zwei Jahren abbrach, um an die Fachhochschule Triesdorf zu wechseln, nach einem Auslandsaufenthalt in den USA, schließlich in Finnland ihre Bachelorarbeit zum Thema „Traktorenprogrammierung“ anzufertigen und ihren Abschluss in Agrartechnik zu machen. „Wenn ich etwas mache, dann will ich es auch richtig machen, und da muss ich dann auch voll und ganz dahinterstehen“, berichtet Marla Schützendübel, die derzeit mit ihrer Masterarbeit kurz vor dem Abschluss steht. Anschließend will sie mit Vinkona durchstarten, denn bereits mehrere Schlachtereien haben ihr Interesse an ihrem Produkt bekundet. Derzeit testet sie noch den IDS-Prototypen und arbeitet an der Verfeinerung des Algorithmus. „Die Zusammenarbeit mit IDS ist dabei super. Ich hätte keinen besseren Partner finden können, der mich so kompetent und umfassend unterstützt.“ Nach Abschluss ihrer Masterarbeit wird der Prototyp in einer industriellen Schlachtanlage eingesetzt, getestet und der Algorithmus weiter verbessert. Anschließend will Marla Schützendübel ihr Komplettsystem zunächst in Deutschland, zukünftig aber europa- und langfristig auch weltweit vermarkten – entsprechend ihres Mottos: ganz oder gar nicht.

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Matthias Marquart
Matthias Marquart
Redakteur | Pressearbeit