Digitalisierungsentwicklung der Berliner Wirtschaft 2025
Der KI-Einsatz und Digitale Souveränität in der Berliner Wirtschaft standen im Fokus der diesjährigen Digitalisierungsumfrage der IHK Berlin. Die Umfrage ist Teil einer deutschlandweiten Erhebung der DIHK und erfasst den Digitalisierungsstand sowie aktuelle Herausforderungen und Technologietrends bei Berliner Unternehmen. Im Zeitraum vom 10. November bis 28. November 2025 beteiligten sich daran 252 Berliner Unternehmen (bundesweit insgesamt 4.686 Unternehmen).
Die Ergebnisse der IHK-Digitalisierungsumfragen aus den Vorjahren sind in der Rubrik „Weitere Informationen“ einsehbar. Die Auswertung der bundesweiten Ergebnisse finden Sie auf den Seiten der DIHK.
Note 2,6 für Unternehmen - Lob und Kritik für die Berliner Verwaltung
Gefragt nach einer Selbsteinschätzung zur Digitalisierung im eigenen Betrieb, geben sich die meisten Berliner Unternehmen die Note „gut“ bis „befriedigend“. Mit einer Durchschnittsnote von 2,6 liegen sie damit wie schon in den Vorjahren leicht über dem Bundesschnitt von 2,8. Auch im Vergleich zur Umfrage von 2024 fällt die berlinweite Digitalisierungsnote um 0,2 Prozentpunkte besser aus.
Lob und Kritik beim Thema Digitalisierung gab es aus der Wirtschaft für die Landesregierung. Während die Berliner Unternehmen den Digitalisierungsstand in der öffentlichen Verwaltung lediglich mit der Durchschnittsnote „ausreichend“ (4,2) bewerten, zeigen sich mittlerweile 80% der Betriebe zufrieden mit der Verfügbarkeit von schnellem, bedarfsgerechtem Internet an ihrem Standort. Die Fortschritte beim Gigabitausbau in Berlin kommen also immer mehr bei den Unternehmen an.
Mobiles Arbeiten bleibt wesentlicher Digitalisierungstreiber
Konstant bleiben seit drei Jahren die Hauptmotive der Berliner Unternehmen, ihre Prozesse weiter zu digitalisieren. Mit weiterhin großem Abstand ist auch im Jahr 2025 die Flexibilisierung von Arbeitsmodellen, Stichwort Home-Office und mobiles Arbeiten, der wichtigste Digitalisierungstreiber (74 Prozent). Auf den Plätzen zwei und drei folgen Qualitätsverbesserungen (62 Prozent) und Kosteneinsparungen (60 Prozent). Gut 40 Prozent der Unternehmen geben an, dass die Entwicklung innovativer Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle die Digitalisierung im Betrieb vorantreibt.
KI-Nutzung in Berlin über dem Bundesdurchschnitt
Der Trend zu KI-Nutzung in der Berliner Wirtschaft setzt sich fort, verliert im Vergleich zu den letzten Jahren jedoch leicht an Dynamik. 40 Prozent der Unternehmen setzen bereits heute auf KI-Tools. Berlin liegt damit mit einem Plus von 5 Prozent leicht über dem Bundesdurchschnitt. Dazu gibt gut ein Viertel der Berliner Betriebe an, dass weitere KI-Projekte derzeit in Planung sind. Allerdings fällt diese Zahl von Unternehmen mit neuen KI-Vorhaben in der Pipeline im Vergleich zu 2025 um 9 Prozent. Nach den großen Entwicklungsschüben der letzten Jahre bei der KI-Implementierung zeichnet sich in Berlin erstmals eine leichte Plateaubildung ab: Unternehmen scheinen sich mit Ihren aktuellen KI-Tools gut aufgestellt zu sehen und gehen in etwas geringerem Maße neue Projekte an.
Diese These wird auch mit Blick auf die konkreten KI-Einsatzfelder gestützt: 80 Prozent der Berliner Unternehmen sind mittlerweile mit generativen KI-Tools wie Copilot, ChatGPT oder Mistral zur Erzeugung von Texten, Bildern oder auch Code ausgestattet. Erst mit großem Abstand folgen weitere KI-Einsatzbereiche. Das heißt jedoch nicht, dass Berliner Unternehmen weniger innovativ wären. Im Gegenteil. Über die Hälfte der Unternehmen nutzt KI bei der Produktentwicklung oder -optimierung – ein deutlicher Anstieg zu den 37 Prozent aus dem Vorjahr. Auch die KI-Nutzung für Qualitätssicherung und Prozessüberwachung nimmt weiter zu und ist neben Marketing und Kundensupport eines der wesentlichen KI-Einsatzgebiete.
Rechtsunsicherheit bremst Digitalisierung und Datennutzung
Bei den von den Berliner Unternehmen genannten Herausforderungen in Digitalisierungsfragen sind leichte Verschiebungen zu beobachten. Zwar stellen Zeit- und Kostenaufwand sowie die Komplexität wie schon in den letzten Jahren die drei größten Hürden für Betriebe dar. Doch der Stimmenanteil bei all diese Faktoren fällt um jeweils gut 5%. Zudem geben weniger Unternehmen an, dass fehlende IT-Fachkräfte eine der großen Herausforderungen bei der Digitalisierung seien (22,3 Prozent; -4,3 Prozent). Im Gegensatz dazu steigt der Anteil der Berliner Unternehmen, die rechtliche Unsicherheiten oder Sicherheitsrisiken als wesentliche Digitalisierungshürden nennen, auf mittlerweile je gut ein Drittel (beide +4,3 Prozent).
Genau diese Rechtsunsicherheit ist es auch, die Unternehmen bei der Datennutzung ausbremst. Knapp 60 Prozent der Unternehmen geben Rechts- und Datenschutzfragen als zentrale Herausforderungen an. Doch es gibt auch eine erfreuliche Entwicklung bei der Datennutzung: Auch wenn Technische Hemmnisse weiterhin sehr häufig angeführt werden, haben diese gegenüber 2024 um knapp 6 Prozent abgenommen. Zudem sieht nur noch ein Viertel der Berliner Betriebe fehlendes Know-How als Problem an – eine Verbesserung um 10% zum Vorjahr. Der Boom bei der KI-Nutzung scheint also auch dazu geführt zu haben, dass sich mehr Unternehmen mit ihren Daten und der Dateninfrastruktur auseinandersetzen und sich neue Kenntnisse aneignen.
Digitale Souveränität und technologische Abhängigkeiten im Fokus
Anknüpfend an die Sonderumfrage der IHK Berlin zur Verbreitung von Open Source Software in der Wirtschaft aus dem Frühjahr 2025 wurden die Betriebe noch einmal zur Einschätzung von konkreten Abhängigkeiten im Soft- und Hardwarebereich von Nicht-EU-Ländern befragt. Besonders deutlich wird diese Abhängigkeit bei Hardware wie Chips oder Endgeräten sowie bei Betriebssystemen wie bspw. Microsoft Windows. Bei letzterem sehen knapp die Hälfte der Berliner Unternehmen eine vollkommene Abhängigkeit, weitere 22 Prozent eine weitestgehende Abhängigkeit Europas. Ähnlich besorgniserregend schätzen die Berliner Unternehmen die Abhängigkeitsverhältnisse bei KI-Anwendungen, Office-Software oder Online-Plattformen ein. Einzig bei Maschinen- und Anlagesoftware sowie mit Abstrichen bei Cloud-Angeboten fällt das Urteil weniger drastisch aus.
Um diese technologischen Abhängigkeiten zu mindern und die Digitale Souveränität zu stärken, sprechen sich die Berliner Unternehmen gegenüber der Politik für eine umfassende Förderung von Open Source-Lösungen sowie von Schlüsseltechnologien und Sprunginnovationen wie bspw. im Bereich von KI und Quantentechnologien aus. Open Source bedeutet, dass Quellcode öffentlich zugänglich ist. Um die Nutzung und Entwicklung souveräner Lösungen zu fördern, sollte die Politik aus Sicht der Wirtschaft zudem auf Kompetenzvermittlung an Schulen und Universitäten sowie auf die Unterstützung offener Standards und Schnittstellen setzen.
IT Sicherheit: Backups regelmäßig testen!
Die Schäden, die Wirtschaft, Gesellschaft und Verwaltung durch Cyberangriffe erleiden, belaufen sich jährlich auf einen dreistelligen Milliardenbetrag. Angriffs- und Bedrohungsformen entwickeln sich dynamisch weiter. Wichtige Sicherheitsmaßnahmen wie Back-Ups (90 Prozent), laufende Aktualisierungen und Sicherheitsupdates (79 Prozent) gehören daher bei den meisten Berliner Unternehmen zum Standardrepertoire.
Bemerkenswert ist jedoch, dass im Vergleich zum letzten Jahr deutlich weniger Unternehmen angeben, ein klares Identitätsmanagement etabliert zu haben. Zwar haben 60 Prozent der Betriebe solche Vorkehrungen wie Rollen- und Rechteverwaltung getroffen, der Anteil fällt jedoch um 14 Prozent. Ebenso problematisch ist, dass weniger Unternehmen ihre Sicherheitskopien auch regelmäßig testen (-10 Prozent). Nicht zuletzt angesichts der stark verbreiteten Ransomware-Attacken, sprich die Verschlüsselung von Dateien und Systemen, sollten Unternehmen ihre Backups jedoch regelmäßig auf Vollständigkeit, Funktionsfähigkeit oder Kompromittierung prüfen.
Rund um Best-Practices und Erfahrungsberichte zu Digitalisierung, digitaler Souveränität und KI-Einsatz geht es am 10.02.26 bei der DIGITAL+ Konferenz, die die IHK Berlin gemeinsam mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW Berlin) ausrichtet. Weitere Informationen zu der Veranstaltung finden Sie hier.