Position

Wachsende und lebendige Stadt

Wohnraum schaffen – Gewerbe- und Industrieflächen sichern

Berlins Zentren, Gewerbe- und Industriegebiete und der Wohnungsmarkt stehen unter erheblichem Transformationsdruck: Kaufzurückhaltung, Onlinehandel und steigender Leerstand schwächen zentrale Lagen, während Gewerbe- und Industrieflächen durch Umnutzung und fehlende strategische Steuerung verloren gehen. Zugleich brechen im Wohnungsbau die Genehmigungen ein, und Unternehmen finden immer schwerer Wohnraum für Fachkräfte und Auszubildende. Die Stadt braucht deshalb eine koordinierte Weiterentwicklung ihrer Zentren, eine aktive Sicherung wirtschaftsrelevanter Flächen und deutlich beschleunigte Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau.

IHK-Forderung

  • Zentren im Wandel – Kooperation als Schlüssel: Berlins Zentren stehen unter Druck. Leerstand braucht professionelles Management und einen vielfältigen Nutzungsmix. (Immobilien-)Eigentümer und Wirtschaft müssen strategisch in die Entwicklungen eingebunden werden. Instrumente wie Immobilien- und Standortgemeinschaften, die in Berlin zwar noch kaum genutzt wurden, sich aber in anderen Städten vielfach bewährt haben, oder „MittendrIn Berlin!“ zeigen: Zentrenentwicklung gelingt nur gemeinsam – langfristig gestützt durch eine dauerhafte, ressortübergreifende Koordination, z.B. durch einen Beirat Zentren. Zusätzlich braucht es mehr verkaufsoffene Sonntage, um den stationären Handel zu stärken.
  • Gewerbe- und Industrieflächen sichern und entwickeln – für Wachstum und Resilienz: Berlin braucht eine kluge Flächenpolitik für wirtschaftliches Wachstum und Krisenfestigkeit: Keine weiteren Gewerbe- und Industrieflächenverluste ohne Ausgleich, stattdessen bedarfsorientiert neue Gewerbe- und Mischgebiete ausweisen. Große Potenzialflächen wie die Urban Tech Republic oder der CleanTech Businesspark sowie bestehende Gewerbe- und Industriegebiete müssen geschützt bzw. konsequent weiterentwickelt werden. Zudem braucht es mehr landeseigene Gewerbehöfe für Handwerk und kleinteilige Produktion. Nutzungsmischungen wie in Urbanen Gebieten müssen die Anforderungen des Gewerbes konsequent mitdenken. Dafür braucht es eine Gewerbebauleitstelle, die Potenzialflächen identifiziert, konzeptionell erschließt und die Projektentwicklung steuert.
  • Wohnungsbau beschleunigen, Hürden abbauen: Berlin braucht dringend mehr Wohnungen. Genehmigungen brechen ein, Fertigstellungen stagnieren und Unternehmen haben zunehmend Schwierigkeiten, Fachkräfte und Auszubildende unterzubringen. Zusätzliche Flächen müssen aktiviert werden, einschließlich einer verantwortungsvollen Randbebauung des Tempelhofer Feldes, da sich die Rahmenbedingungen seit 2014 deutlich verändert haben. Zudem müssen Natur‑ und Artenschutzregelungen praxistauglicher gestaltet werden, damit Bauvorhaben nicht durch komplexe und langwierige Verfahren verzögert werden. Wir brauchen klare Leitlinien im Artenschutz, damit alle Bezirke denselben Standard anwenden. Damit einhergehend ist eine Novellierung des Berliner Naturschutzgesetzes erforderlich, um Rechtssicherheit zu schaffen und Verfahren zu vereinfachen.
  • Investitionen schützen: Eine in Teilen der Stadtgesellschaft geforderte Enteignung großer Wohnungsunternehmen würde die Eigentumssicherung untergraben, schreckt Investitionen ab und hemmt den dringend notwendigen Wohnungsneubau. Zudem ist absehbar, dass eine Vergesellschaftung eine Bankenkrise auslösen könnte und eine untragbare Belastung für Landeshaushalt darstellen würde. Im Bereich der mietenpolitischen Regulierung braucht es ein bundesweit einheitliches Mietrecht und verlässliche Rahmenbedingungen, um Investitionen in den Wohnungsneubau zu stärken, statt zusätzliche staatliche Eingriffe einzuführen.
  • Messe- und Tourismusstandort stärken und Großveranstaltungen ermöglichen: Berlin muss seinen Messestandort strategisch ausbauen, Leitmessen sichern, neues Messegeschäft gewinnen und die Infrastruktur modernisieren. Gleichzeitig sollte sich die Stadt klar zu Großereignissen wie Olympia, EXPO 2035 oder einer Internationalen Bauausstellung bekennen und diese frühzeitig mit starken Partnern vorbereiten. Schlüsselprojekte wie ICC und Tempelhofer Feld können nur mit privatem Kapital erfolgreich weiterentwickelt werden. Angesichts stagnierender Tourismuszahlen sollte Visit Berlin sein Destinationsmarketing stärker fokussieren.