Position

Fachkräfte und Arbeitsmarkt

Fachkräfte sichern – Arbeitsmarkt für Wachstum öffnen

Die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte ist entscheidend für die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit Berlins. Trotz hoher Arbeitslosigkeit gibt es weiterhin massiven Bedarf an Fachkräften, unbesetzte Ausbildungsplätze und lange Vakanzen. Demografischer Wandel, Veränderungen in der Arbeitswelt und starre Strukturen verschärfen die Lage. Nach dem IHK-Fachkräftemonitor gehen bis 2035 rund 500.000 Erwerbstätige in Ruhestand, mehr als 160.000 Stellen bleiben unbesetzt – mit einem Wertschöpfungsverlust von über 50 Mrd. Euro. Ohne gezielte Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften aus dem Ausland und einer vorausschauenden Fachkräftestrategie wird diese Lücke nicht geschlossen werden.

IHK-Forderung

  • Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern und Sprachförderung ausbauen: Anerkennungsverfahren ausländischer Abschlüsse müssen digitalisiert, zentrale Stellen eingerichtet und englischsprachige Unterlagen akzeptiert werden. AHK-Zertifikate der Kategorie A sind automatisch gleichzustellen, damit Fachkräfte schneller arbeiten können. Berufsbezogene Sprachkurse sind flächendeckend, flexibel und digital zugänglich anzubieten und gesetzlich als Teil der Fachkräfteeinwanderung zu verankern. Der Senat muss auf Bundesebene den Druck erhöhen, um Gleichstellung, verlässliche Förderung und Rücknahme von Kürzungen sicherzustellen.
  • Alle Potenziale am Arbeitsmarkt ausschöpfen: Kinder- und Pflegebetreuung in Randzeiten müssen ausgebaut werden. Der Senat muss sich auf Bundesebene dafür einsetzen, dass flexible Arbeitszeitmodelle durch politische Rahmenbedingungen erleichtert werden. Unternehmen sollen durch niedrigschwellige Beratung zur Gesundheitsförderung unterstützt werden. Bürokratische Hürden wie Wohnsitzauflagen, Beschäftigungsverbote und lange Genehmigungsverfahren sind abzubauen. Integrations- und Sprachkurse sowie schnelle Vermittlung in Arbeit müssen zugänglich sein. Um den Fachkräftemangel als zentrales Wachstumshemmnis für die Berliner Wirtschaft zu bekämpfen, müssen Matching zwischen Unternehmen und Bewerbenden durch die Arbeitsagentur optimiert, flexible Arbeitszeitmodelle unterstützt und Betreuungsangebote ausgebaut werden.
  • Weiterbildung für MINT-, Green- und digitale Kompetenzen priorisieren: Moderne Weiterbildungsstrukturen sollen gezielt diese Fähigkeiten fördern. Die Zusammenarbeit von KMU mit Hochschulen muss über duale Studiengänge und niedrigschwellige, aufsuchende Formate nach dem Vorbild des KMU-Büros intensiviert werden.
  • Beschäftigten- und Azubiwohnen stärken: Um Fachkräfte zu gewinnen und zu binden, müssen passgenaue Wohnangebote – vom möblierten Beschäftigtenwohnen bis zu Azubiwohnheimen und gefördertem Wohneigentum – ausgebaut werden. Wohnen in Gewerbe- und Industriegebieten – insbesondere auf dem Betriebsgelände – muss leichter möglich werden. Insbesondere die Zahl der Azubiwohnplätze muss steigen, und im Programm „Junges Wohnen“ muss ein verbindlicher Anteil der Mittel speziell für Azubiwohnen reserviert werden. Zusätzlich müssen zinsgünstige Kredite bereitgestellt, Genehmigungen beschleunigt und innovative Wohnformen wie Nachverdichtung und Co‑Living ermöglicht werden.