Unser Startup im März

Der Stoff aus dem die Träume sind

Auch in Zeiten des Onlinehandels träumen viele Menschen von einem eigenen Laden, in dem sie genau die Dinge ­kuratieren können, die ihnen wirklich gefallen. So wie Cornelia Kinne und Sarah Schmidt. Letzten November haben sie sich diesen Traum erfüllt und das Stoffgeschäft Cosa eröffnet.
Kennen gelernt haben sich die beiden Frauen im Waiblinger Traditionsgeschäft Eisele, das mehr als 100 Jahre an fast demselben Standort Nähbedarf und Bettwaren anbot. Cornelia Kinne hatte dort acht Jahre im Verkauf gearbeitet, Sarah Schmidt war eifrige Kundin. Als gelernte Damenmaßschneiderin und ­Modedesignerin mit eigener Nähschule ist sie immer auf der Suche nach tollen Stoffen und passenden Kurzwaren. Bei einem der Verkaufsgespräche stellte sich heraus, dass beide denselben Traum hatten: ein eigenes Geschäft.
Aus einem Satz wurde eine Idee, und die hat dann relativ zügig Form angenommen

Cornelia Kinne über die Gründungsidee

Als klar war, dass Eisele schließen würde, trafen sich die beiden Frauen privat: „Aus einem Satz wurde eine Idee, und die hat dann relativ zügig Form angenommen“, erinnert sich Kinne. Ein Businessplan wurde erstellt, wobei Kinne ihre Ausbildung zur Bürokauffrau sehr zugute kam. Dann wurde ein ­Kredit aufgenommen und der Stoff eingekauft. Kontakte zu Lieferanten hat ­Cornelia Kinne genügend aus der Eisele- Zeit. Gekauft wird aber auch auf Messen, denn die beiden ­Frauen wollen Stoffe aus aller Welt anbieten und immer „das Aktuellste im Sortiment ­haben“, erzählt Schmidt.

Fröhliche Kinderstoffe aus den USA oder Fernöstliches aus Japan

Tatsächlich gibt es gewachste Baumwolle aus England genauso wie fröhliche Kinderstoffe aus den USA oder Fernöstliches aus Japan. Die Kunden sind ­jedenfalls begeistert: „Es geht hier kaum jemand wieder raus, der nicht sagt, wie toll er das Angebot findet und wie froh er ist, dass es in Waiblingen wieder Stoff zu kaufen gibt“, erzählt Kinne. Auch ihr ­ehemaliger Chef, der jetzt ihr Vermieter ist, „hat sich riesig gefreut, dass wir in seine Fußstapfen treten“, berichtet sie.
Ist das Nähen nicht aus der Mode ­ge- kommen? „Nein gar nicht“, sagt Sarah Schmidt, „das Nähen ist eindeutig auf dem aufsteigenden Ast.“ Sie muss es wissen, denn ihre Kurse sind immer auf ein halbes Jahr im Voraus ausgebucht. „Wir könnten 24 Stunden am Tag Kurse anbieten“, lacht sie. Gerade junge Leute hätten Freude daran, sich etwas Individuelles zu schaffen, und sei es durch „Upcycling“ vorhandener Kleidungsstücke oder Taschen. Auch in vielen Waiblinger Schulen gebe es noch Näh- und Designunterricht. Wer keine Nähmaschine zur Verfügung hat, kann sich bei Cosa übrigens halbstundenweise einmieten. „Nähen to go“, nennen die ­Chefinnen das.

Der Bedarf an einem Stoffgeschäft ist da

Der Bedarf für ein Stoffgeschäft ist in der Kreisstadt also vorhanden. „Eisele musste ja nicht aus wirtschaftlichen Gründen schließen, sondern weil es keinen Nachfolger in der Familie gab“, erzählt Cornelia Kinne. Das eingeführte Doppelgeschäft wäre jedoch zu groß gewesen für ein Start-up. Deswegen kam es den beiden Frauen sehr zupass, dass die benachbarte Bäckerei dort einziehen wollte, dafür aber ihre, mit 170 Quadratmetern deutlich kleinere ­Fläche frei machte.
Konkurrenz durch Onlineshops fürchten die beiden Gründerinnen nicht. „Die ­Farbe, das Material, der Fall, das kann man alles am Bildschirm gar nicht richtig erkennen“, weiß Kinne. Die Kunden kommen also ­quasi von allein – auch weil sie es gewohnt sind, hier Nähbedarf zu finden. Überhaupt sind die großen und liebevoll dekorierten Schaufenster und die Lage in der Waiblinger Bahnhofstraße die perfekte Werbung. Ganz auf das Internet mögen die Cosa- Frauen aber nicht verzichten. Deshalb sind sie auf Instagram und Facebook präsent, sie ­werben aber auch in der lokalen Presse.
Was sagen die Familien der beiden zur neuen Rolle ihrer Frau beziehungsweise Mutter? „Super finden sie es“, erzählt ­Cornelia Kinne. Für sie sei der Zeitpunkt „genial“ gewesen. „Meine Drei sind aus dem Gröbsten raus, so dass ich wieder durchstarten kann“, erzählt die 51-Jährige und ergänzt: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Die Öffnungszeiten sind eine Herausforderung

Auch Sarah Schmidt hat Nachwuchs, ­allerdings ist der Sohn erst 11. Die Öffnungszeiten – sechs Tage pro Woche von 9.30 bis 18.00 Uhr beziehungsweise bis 13 Uhr am Samstag sind da eine Herausforderung. Dank dreier Aushilfskräfte und einer kollegialen Zeiteinteilung passt das aber gut, so dass sie auch ihre Fellbacher Nähschule weiterführen kann.
Bei Cosa denkt man gleich an „Cosa ­Nostra“. Eine Anspielung an die Waffen der Frau? „Das sind unsere beiden Anfangsbuchstaben COrnelia und SArah“, erklärt Kinne. Und überhaupt: Auch Männer gehören zu ihren Kunden.
 
Dr. Annja Maga für  Magazin Wirtschaft 3.2020, Rubrik Startup