Wirtschaftsspiegel
Nr. 6954816
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Ysabelle Fritsch
Unternehmen & Märkte

Mut macht den Unterschied

Ysabelle Fritsch übernahm vor drei Jahren das Familienunternehmen, als ihr Vater aus gesundheitlichen Gründen ausfiel. Ein Gespräch über Mut und Lernen im Tun.
Wirtschaftsspiegel: Was war der Wendepunkt Ihrer beruflichen Laufbahn – und was haben Sie daraus gelernt?
Ysabelle Fritsch: Der Wendepunkt kam Ende 2023. Mein Vater konnte das Unternehmen nicht mehr weiterführen. Im Alter von 22 Jahren habe ich die Nachfolge angetreten. Ich wagte es, ohne perfekt zu sein, aber mit Vertrauen in meine Fähigkeiten. Heute bin ich sehr dankbar für diesen Schritt, weil ich jeden Tag daran wachse.
Wirtschaftsspiegel: Welche Entscheidung war besonders mutig, und warum war sie notwendig?
Fritsch: Die Nachfolge direkt nach der Ausbildung zur Kauffrau für Versicherungen und Finanzen anzutreten, war die mutigste Entscheidung meines Lebens. Doch die Entscheidung war notwendig, um das Unternehmen meines Vaters weiterzuführen und das Vertrauen der Kundinnen und Kunden zu bewahren. Ich habe gespürt, dass ich es schaffen kann.
Wirtschaftsspiegel: Was hat Sie beruflich geprägt, obwohl es nicht zur Karriereplanung gehörte?
Fritsch: Die gesundheitliche Situation meines Vaters hat mich stark geprägt. Sie hat mir sehr persönlich gezeigt, wie wichtig Absicherung ist – nicht theoretisch, sondern am direkten Beispiel meines Vaters. Deshalb ist mir meine Arbeit so wichtig: Es geht darum, Menschen zu helfen und ihnen Sicherheit zu geben. Das prägt auch meine Art der Beratung.
Wirtschaftsspiegel: Was können andere von Ihnen lernen, was in keinem Businessratgeber steht?
Fritsch: Dass Perfektion kein Startkriterium ist. Gerade junge Menschen warten oft zu lange, weil sie glauben, noch nicht bereit zu sein. Meine Erfahrung ist: Man wächst mit den Aufgaben. Wenn man ehrlich und authentisch bleibt, ergibt sich vieles unterwegs.
Und ein praktischer Rat – weil ich es selbst erlebt habe: Setzt euch frühzeitig mit Absicherung auseinander. Nicht aus Angst, sondern um Handlungsspielraum zu haben. Gute Vorsorge schafft Freiheit – beruflich, privat und finanziell – und macht es leichter, sich später Träume zu erfüllen.
Wirtschaftsspiegel: Gibt es eine Regel in Ihrer Führungsarbeit, von der Sie nie abweichen?
Fritsch: Vertrauen zahlt sich aus. Mir sind langfristige Beziehungen wichtiger als schnelle Abschlüsse. Zu den meisten Kunden habe ich eine freundschaftliche Basis, wir duzen uns. Viele laden mich zu Geburtstagen ein. Mein Vater sagte immer: Man lebt ein Stück weit mit den Kunden, begleitet sie auf ihrem Lebensweg. Teil davon zu sein, bedeutet mir viel und bereitet mir große Freude.