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„Geht nicht, gibt es nicht“
Hinter der historischen Backsteinfassade am Hafenweg in Münster öffnet sich eine farbenfrohe Textilwelt. Licht fällt durch große Fenster auf Stoffballen, Skizzen und Schnitte. Pink zu Grün, Seide zu Fransen, Rüschen zu klaren Schnitten: Siggi Spiegelburg kombiniert Stoffe und Stile mit einer Leichtigkeit, die elegant und spielerisch zugleich wirkt – und die sich andere oft nicht trauen.
Seit fast 40 Jahren lebt die Münsteranerin ihren Traum und hat es vom Ein-Frau-Schuhgeschäft in der Königsstraße bis zum 18-köpfigen Atelier am Kreativkai gebracht. Die Unternehmerin berichtet, was Verantwortung für sie bedeutet, warum Intuition besser ist als jeder Business-Ratgeber – und warum „langweilig“ bei ihr niemand sein muss.
Siggi Spiegelburg: Einen klassischen Wendepunkt gab es bei mir eigentlich nie – es war immer eine Weiterentwicklung. Ich habe schon sehr früh davon geträumt, das zu tun, was ich heute mache: hochwertige Schneiderei, Couture, Einzelstücke wie Abend- oder Hochzeitskleider. Angefangen habe ich aber mit Schuhen, Anfang zwanzig war ich da. Nicht, weil mich jemand überredet hat, sondern weil ich Schuhe immer schon geliebt habe. Ein Freund aus Zürich sagte damals zu mir: Wenn du mit Schuhen anfängst, ist das wie eine Bank. Frauen kaufen immer schöne Schuhe. Und genau so war es.
Wovon waren Sie überzeugt – denken heute aber anders?
Spiegelburg: Früher dachte ich, Verantwortung wird schon übernommen. Heute sehe ich, dass dieses Verantwortungsgefühl bei vielen Menschen gar nicht ausgeprägt ist. Ich merke das im Alltag immer wieder. Verantwortung muss man heute viel stärker einfordern und auch vorleben.
Welche Entscheidung war besonders mutig – und warum war sie notwendig?
Spiegelburg: Der räumliche Wechsel vom Oerschen Hof in der Königsstraße in Münster hin zum Hafen war auf jeden Fall mutig. Früher mussten Kunden in die zweite Etage, alles war mühsam. Jetzt ist alles auf einer Ebene. Der Hafen ist inspirierend, hier ist Bewegung, Wasser, kreative Energie. Das hat viel verändert, auch für mich persönlich.
- Siggi Spiegelburg
Name: Siggi SpiegelburgUnternehmen: Siggi Spiegelburg Couture, MünsterTätigkeit: Gründerin und GeschäftsführerinMitarbeiter: 18Werdegang: Siggi Spiegelburg wuchs in Wuppertal auf. Ihre Mutter stammt aus der niederländischen Familie Brenninkmeyer, die das Textilunternehmen C&A führt, ihr Vater brachte den Namen Spiegelburg aus Osnabrück mit und war als Geschäftsführer im Familienunternehmen. Über ihre Anfänge sagt sie selbst: „Nach dem Abitur wollte ich praktisch arbeiten. Ich hatte keine Ausbildung, keine richtige Ahnung. Ich hatte nur meine große Leidenschaft.“Mit gerade einmal 21 Jahren eröffnete sie 1979 ihr erstes eigenes Geschäft auf der Königsstraße in Münster. Fast 15 Jahre lang verkaufte sie dort vor allem Schuhe – mit großem Erfolg. Parallel dazu betrieb sie eine über dem Geschäft. Unter dem Motto „Dinge kombinieren, die sonst keiner kombinieren würde“ wuchs das Unternehmen. Ihre Kunden kommen aus ganz Deutschland sowie aus dem deutschsprachigen Ausland im Umkreis von rund 300 Kilometer.Auszeichnung: Unternehmerinnenpreis Nord Westfalen 2025 vom Netzwerk Frauen u(U)nternehmen
Siggi Spiegelburg hat im Alter von 21 Jahren ihr erstes eigenes Geschäft eröffnet. „Nach dem Abitur wollte ich praktisch arbeiten. Ich hatte keine Ausbildung, keine richtige Ahnung. Ich hatte nur meine große Leidenschaft“, erklärt sie. © Morsey/IHK Nord Westfalen Privat: Siggi Spiegelburg ist mit Wolfgang Hölker verheiratet. Hölker gründete 1972 den auf Kochbücher spezialisierten Hölker Verlag und übernahm 1977 den 1768 gegründeten Coppenrath Verlag in Münster, bekannt für Kinderbuch-Klassiker wie der Hase Felix und Prinzessin Lillifee 1991 gründeten Wolfgang Hölker und Siggi Spiegelburg die Edition „Die Spiegelburg“, eine hochwertige Plüsch- und Geschenkartikelkollektion.
Was hat Sie beruflich geprägt, obwohl es gar nicht zur Karriereplanung gehörte?
Farben wohin man schaut: Atelier und Boutique der Siggi Spiegelburg Couture befinden sich in einem restaurierten Kornspeicher am Hafenweg in Münster.
Was können andere von Ihnen lernen, was in keinem Business-Ratgeber steht?
Spiegelburg: Wenn man etwas verkauft oder anbietet, muss man selbst dahinterstehen. Man darf sich nicht überreden lassen, sonst fällt man auf die Nase. Mein Motto ist „Geht nicht, gibt es nicht“. Wenn jemand sagt: Das kann man nicht so nähen, dann sage ich, ich zeige Ihnen, dass es geht. Und man muss bereit sein, viel zu geben. Selbstständigkeit ist kein Acht-Stunden-Job.
Gibt es eine Regel in Ihrer Führungsarbeit, von der Sie nie abweichen?
Spiegelburg: Ich bin sehr harmoniebedürftig. Außerdem verteile ich gerne Verantwortung und wünsche mir Mitdenken auf allen Ebenen. Alle hier sind verantwortlich. Dieses Verantwortungsgefühl ist mir extrem wichtig – im Unternehmen, aber auch gesellschaftlich.
Siggi Spiegelburgs Mode kombiniert Stoffe und Stile, die elegant und spielerisch zugleich wirken.
Unternehmerin Siggi Spiegelburg in ihrem Atelier.
Maßgefertigte Knöpfe für Siggi Spiegelburg Couture: Farbvielfalt und feine Details im Überblick.
Bänder, Kordeln und textile Ornamente: Liebe zum Detail prägt jedes Stück.
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