Wirtschaftsspiegel
Nr. 7167106
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Patrick Kammann in Uniform vor einem Militärhubschrauber.
Verteidigung verstärken

Technologie-Talent trifft Business-Erfahrung

Im DefenseTech-Inkubator.NRW wird per Matchmaking der Innovationsturbo für die Branche angeworfen. Co-Leiter, Ex-Bundeswehroffizier und Drohnenexperte Patrick Kammann erklärt das Konzept der Initiative.

Wirtschaftsspiegel: Herr Kammann, wer sind die Adressaten des Angebots DefenseTech-Inkubator.NRW?
Patrick Kammann: Wir wenden uns zum einen an Hochschulausgründungen und Start-ups, um sie in einer frühen Phase ihrer Entwicklung zu unterstützen und in den Markt zu bringen. Die andere Ebene sind unsere Partnerunternehmen. Einige sind seit Jahrzehnten international am Defence-Markt aktiv. Der IT-Dienstleister CGI zum Beispiel arbeitet inzwischen mit mehreren jungen Unternehmen aus unserem Netzwerk zusammen.
Wirtschaftsspiegel: Aus welchen Motiven engagieren sich die etablierten Firmen im DefenseTech-Inkubator.NRW ?
Kammann: Sie wollen Zugang zu unserem regionalen Netzwerk, denn sie sind auf der Suche nach Innovationen und nach den neuen Talenten, die diese Technologien entwickeln. Sie wollen ganz gezielt in bestimmte Marktbereiche und entscheiden in Kooperation mit unserem Kuratoren-Team, welche Technologien und Start-ups wir fördern. Auch aus dem Kreis der Partner-Unternehmen sind übrigens manche, die gerade erst in die Defence-Branche einsteigen. Ihnen bieten wir einen geschützten Raum, um sich mit den Etablierten auszutauschen und vielleicht gemeinsam eine Geschäftsidee zu entwickeln.
Wirtschaftsspiegel: Welche Branchen und Technologiebereiche haben die Etablierten denn im Blick, wenn sie nach frischen Firmen mit Innovationspotenzial suchen?
Kammann: Der Defence-Markt hat sich im Laufe des russischen Angriffskrieges stark verändert. Es gibt neue Technologien, kürzere Innovationszyklen. Vor diesem Hintergrund hat die NATO neun Schlüsseltechnologien als Prioritätsfelder definiert: KI, autonome Systeme, Quantentechnologien, Biotechnologien, Weltraumtechnologien, Hyperschallsysteme, neue Materialien sowie neue Fertigung, Energie und Antriebe sowie Next-Generation-Kommunikationssysteme. Eine Ebene darunter gibt es viele dynamische Branchen, die diese Technologien überhaupt erst möglich machen – etwa Elektrotechnik, Datenverarbeitung, Software-Entwicklung, Sensorik, Luft- und Raumfahrt, zudem Querschnittsfelder wie Energiesysteme, Logistik und Mobilität. Außerdem gibt es eine Riesenlücke in den Fertigungskapazitäten. Wir wollen tausende Panzer und hunderttausende Drohnen bauen, das muss ja alles irgendwo produziert werden. Zulieferer werden also dringend gesucht, und es ist Potenzial für viele Start-ups und mittelständische Unternehmen aus NRW vorhanden.
Wirtschaftsspiegel: Und wie helfen Sie den Spin-offs und Start-ups auf die Sprünge?
Kammann: Bei Bedarf geben wir zunächst Pitch-Coaching für eine stärkere Präsentation vor Kunden und Investoren. Dann öffnen wir ihnen die Tür zu Events und Meet-ups und stellen in der Unterstützungsphase, also ein halbes Jahr lang, Co-Working-Spaces zur Verfügung. Wir sondieren Finanzierungsmöglichkeiten, vermitteln Wissen über das Beschaffungswesen der Bundeswehr und beraten zu Regularien. Eine zentrale Unterstützung kommt aus dem Netzwerk selbst: die Technologie-Expertise unserer Partner-Unternehmen, darunter auch Forschungseinrichtungen wie diverse Fraunhofer-Institute und das Bochumer Institut für Technologie. Deren Fachbereiche sind top aufgestellt und bieten den Start-ups sehr gute Testmöglichkeiten. Unser Ziel ist es, ein komplettes Defence-Ökosystem abzubilden, dazu gehört auch die Forschung. Wo will ein Start-up hin, und was braucht es, um das Ziel zu erreichen? Das sind die Ausgangsfragen für unsere individuellen Workshops. Dabei verknüpfen wir die jungen Firmen mit unseren Partnern, mit weiteren Unternehmen und auch mit unserem Fachbeirat. Das ist ein deutschlandweites Netzwerk, in dem auch die Bundeswehr und Systemhäuser, also große Rüstungsunternehmen, vertreten sind. Diese Experten analysieren den Status der Unternehmensentwicklung und helfen bei der Marktvalidierung. Danach geben sie Empfehlungen zu weiteren Schritten und nennen passende Ansprech- und potenzielle Kooperationspartner. Wir bringen die Start-ups also direkt dahin, wo sie hinwollen.
Wirtschaftsspiegel: Dafür müssen die Start-ups aber erstmal hineinkommen in den Inkubator. Wie sieht der Bewerbungsprozess aus?
Kammann: Mehrstufig: Online-Formular ausfüllen, Pitchdeck einreichen, dann prüfen wir Technologie, Team und Marktchancen. Im Erfolgsfall werden die Unternehmen zum Online-Pitch eingeladen und gegebenenfalls ins Programm aufgenommen.
Wirtschaftsspiegel: Wer trägt die Kosten fürs Programm? Sind öffentliche Fördermittel im Spiel?
Kammann: Die Initiative kommt aus der Privatwirtschaft. Der DefenseTech-Inkubator.NRW ist von den Geschäftsführern des Beratungsunternehmens 1stMover Management Consulting, Dr. Klemens Gaida und Peter Hornik, ins Leben gerufen worden – einem Beratungsunternehmen, das sich auf Open Innovation und Startup-Ökosysteme spezialisiert hat. Finanziert wird das Angebot von den Partnerunternehmen. Das Land NRW, die NRW.BANK und die IHK NRW unterstützen uns ideell – die IHK etwa als Gastgeber von Veranstaltungen. Für die Start-ups und Spin-offs ist die Teilnahme kostenlos. Die Initiative kommt aus der Privatwirtschaft. Finanziert wird das Angebot von den Partner-Unternehmen. Das Land NRW, die NRW.BANK und die IHK NRW unterstützen uns. Für die Start-ups und Spin-offs ist die Teilnahme kostenlos.