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Ein Standbein, das stark macht
Gute „Anlagen“ für das Defence-Geschäft hatte die Aumann-Gruppe schon immer in der Unternehmens-DNA. Kein Wunder also, dass der weltweit tätige Maschinen- und Anlagenbauer dem Ruf der Branche nach neuen Fertigungskapazitäten folgt und seine Technologie auch in diesen Sektor transferiert.
„Wir erleben seit einiger Zeit im Automotive-Sektor eine Phase großer Veränderungen – Elektromobilität, neue Plattformstrategien, Kostendruck und Investitionszurückhaltung führen zu deutlich stärkeren Zyklen als in früheren Jahren“, berichtet Sebastian Roll, CEO der Aumann AG, die ihren Hauptsitz in Beelen hat. „Genau deshalb übertragen wir unsere langjährige technologische Exzellenz gezielt in weitere Industrien“, fügt er hinzu. Das Unternehmen zählt zu den weltweit führenden Anbietern von Spezialmaschinen und automatisierten Fertigungslinien, insbesondere im Bereich E-Mobility. Keinesfalls aber will Roll der Automotive-Branche, die tief im Strukturwandel steckt, ade sagen. „Dieser Sektor bleibt für uns ein wichtiger Markt“, betont er. Doch setzt er auf Diversifikation, um das Unternehmen auf eine noch breitere Basis an Geschäftsfeldern zu stellen. „Unsere Kompetenzen in Automatisierung, Prüftechnik und Digitalisierung sind universell einsetzbar“, erklärt er. Entsprechend werde das Segment „Next Automation“ über mehrere attraktive Zukunftsmärkte hinweg weiterentwickelt. In diesem Geschäftsbereich bündelt Aumann seine Automatisierungskompetenz für industrielle Anwendungen außerhalb des klassischen Automotive-E-Antriebs, und zwar mit großem Erfolg: Die Sparten Clean Tech, Aerospace and Life Sciences, KI und Robotik sowie Dual-Use und Defence verzeichnen für das Jahr 2025 eine Steigerung des Auftragseingangs um mehr als 30 Prozent.
Sebastian Roll, CEO der Aumann AG
Sebastian Roll, CEO der Aumann AG
Spezialist für Serienfertigung
Auch und besonders im Aerospace- und Defence-Bereich zeichnen sich erhebliche Zukunftspotenziale ab. Roll sieht in Europa in diesem Markt einen strukturell wachsenden Bedarf an industrieller Skalierung, höchster Präzision und verlässlicher Qualitätssicherung. „Genau diese Anforderungen decken wir mit bewährten Prozessen ab, die wir für hochkomplexe Serienproduktionen entwickelt haben“, sagt der CEO. Zwischen einem funktionsfähigen Prototyp und einer stabilen Serienproduktion nämlich liege oft ein großer Schritt. „Gerade aus der Automobilindustrie bringen wir Erfahrung mit sehr hohen Anforderungen an Qualität, Prozesssicherheit, Rückverfolgbarkeit und Kosteneffizienz mit“, sagt Roll. Diese Fähigkeiten seien im Defence- und Sicherheitsumfeld unmittelbar relevant, sobald Produkte in größeren Stückzahlen, mit hoher Zuverlässigkeit und mit belastbarer Dokumentation gefertigt werden müssten. Dabei sieht sich das Unternehmen für jede Position in der Lieferkette gut aufgestellt: „Unser Kundenkreis reicht von OEMs und Tier-1-Lieferanten über spezialisierte Komponentenhersteller bis hin zu innovativen Technologieunternehmen, die den Schritt von der Entwicklung in die industrielle Serienfertigung vollziehen“, berichtet Roll. Frank Hilbk-Kortenbruck, Director Technology, nennt konkrete Beispiele aus dem Portfolio: automatisierte End-of-Line-Prüfzellen für unbemannte Systeme wie beispielsweise Drohnen, Montage- und Prüftechnik für elektrische Antriebe, Aktuatoren, Batterie- und Energiesysteme, Leistungselektronik, Sensorik, Kommunikationsbaugruppen oder robuste mechatronische Subsysteme. Auch die hochpräzise Beschichtung von technischen Textilien ist bei Aumann ein Thema. „Hier zeigt sich, dass wir bewährte Prozesse aus dem zivilen Bereich nahtlos auf militärische Anwendungen übertragen können“, berichtet Hilbk-Kortenbruck. Ziel der Beschichtung ist die Signaturminderung, die unter anderem helfe, Objekte effektiv vor Radar-, Infrarot- und Kameraaufklärung abzuschirmen. Es gehe also um Anwendungen, die zur Einsatzfähigkeit, Resilienz und Sicherheit beitragen. „Dazu gehören beispielsweise Zivilschutz, Katastrophenschutz, der Schutz für kritische Infrastruktur, Behörden- und Sicherheitsorganisationen sowie für mobile Energieversorgung, Logistik, Überwachungstechnik, aber auch für unbemannte Systeme und Kommunikationstechnik“, zählt der Physiker mögliche Szenarien auf, um dann auf die Schnittmenge der beiden Branchen Automotive und Defence einzugehen.
- Steckbrief Aumann-Gruppe
Hauptsitz: Beelen
Gründungsjahr: 1936
Branche/Geschäftsfelder: Die Aumann-Gruppe ist ein weltweit führender Hersteller von innovativen Spezialmaschinen und hochautomatisierten Produktionslinien mit Fokus auf Elektromobilität, Clean Tech, Aerospace, Life Science und weiteren Zukunftsmärkten. Das Spektrum reicht dabei von modularen Produktionszellen über komplexe Prozesslösungen bis hin zu schlüsselfertigen und kundenindividuellen Großserienproduktionsanlagen.
Räumliche Absatzmärkte: international, mit Schwerpunkt Europa und Präsenz in den drei Kernmärkten Europa, China und Nordamerika/USA
Standorte: Aumann verfügt über Standorte in Deutschland (Beelen, Espelkamp, Lauchheim und Limbach-Oberfrohna), China und USA
Anzahl Mitarbeiter: circa 860 bei Aumann tätige Personen zum 31. Dezember 2025, einschließlich circa 90 Auszubildende und Dualen Studenten
Jahresumsatz: circa 204 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2025
Aumann-Anlage für die Serienfertigung kompakter elektrischer Antriebe, wie sie in zivilen Anwendungen aber auch in militärischen Anwendungen, beispielsweise für Drohnen, zum Einsatz kommen können.
Aumann-Anlage für die Serienfertigung kompakter elektrischer Antriebe, wie sie in zivilen Anwendungen aber auch in militärischen Anwendungen, beispielsweise für Drohnen, zum Einsatz kommen können.
Land und Unternehmen stärken
Denn auch ein alltägliches mechatronisches Produkt, wie etwa ein Fensterheber im Pkw, bestehe aus elektrischem Antrieb, Getriebe- und Führungsmechanik, Sensorik, Elektronik, Kabeln, Steckverbindern, Gehäuseteilen und Softwarefunktionen. In der Serienproduktion müssten all diese Elemente präzise montiert, elektrisch geprüft, funktional abgesichert und vollständig rückverfolgbar dokumentiert werden. „Übertragen auf Defence- oder Dual-Use-nahe Anwendungen findet man ähnliche Grundprinzipien bei Drohnen, Aktuatoren, mobilen Energieversorgungen, elektrischen Antriebssystemen, Sensor- oder Kommunikationsmodulen“, erläutert Hilbk-Kortenbruck, warum aus der Perspektive der Aumann-Gruppe zwischen beiden Branchen keine Welten liegen. „Defence ergänzt unsere bestehenden industriellen Märkte perfekt und stabilisiert das Gesamtgeschäft gegen zyklische Schwankungen“, resümiert Sebastian Roll. Der Stabilisierungseffekt reiche im Übrigen noch weiter: Europa und Deutschland müssten jetzt ihre industrielle Resilienz und technologische Eigenständigkeit ausbauen, erklärt der Unternehmer. Dieser Ausbau der Verteidigungsfähigkeit könne nur auf einer leistungsfähigen industriellen Basis entstehen.
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Redaktion Wirtschaftsspiegel
