Wirtschaftsspiegel
Nr. 7167142
3 min Lesezeit
Neuer Inhalt (1)
Verteidigung verstärken

Taschen für die Truppe

Die Bundeswehr muss vieles packen. Für die Funkgeräte der neuesten Generation hat die Rudolf Böckenholt GmbH eigens eine Spezialtasche entwickelt.
Ein Stoff in Flecktarn wird auf einer Nähmaschine bearbeitet.
Die Firma Böckenholt produziert Taschen für Funkgeräte der Bundeswehr. © Morsey/IHK Nord Westfalen
Die Geräte stecken in einem Case aus hochwertigem Tarndruckgewebe, das gering an Gewicht, aber zugleich von großer Robustheit ist. Die Tasche kann, dank Schnellverschluss, in jeder Einsatzsituation direkt am Körper bedient werden. Gut verstaut werden müssen bei der Bundeswehr übrigens auch die Zurrketten, denn an ihnen hängt viel, wenn Panzer verladen werden. Die Lösung sieht auf den ersten Blick wie eine kleine Sporttasche aus, ist aber viel belastbarer und leichter. Schließlich ist die Kette mit einem Gewicht von rund 20 kg schon schwer genug. Hergestellt werden beide Hightechhüllen von der
Rudolf Böckenholt GmbH, die in Ostbevern ansässig ist. Das 1922 gegründete Familienunternehmen wird, in vierter Generation, von Katharina Böckenholt geleitet. „Wir entwickeln und fertigen mit einem Team von 120 Mitarbeitenden Taschen, Gurte und Gürtel in Groß- und Kleinserien für unterschiedlichste Anwendungen, insbesondere für Industriekunden“, beschreibt die geschäftsführende Gesellschafterin das Produktportfolio und fügt an: „Wir glauben, dass das produzierende Gewerbe in Deutschland nach wie vor eine Daseinsberechtigung und eine Zukunft hat.“ Ihr Vater Rudolf Böckenholt hat in den frühen 1990ern den guten Draht zu Beschaffungsbehörden aufgebaut. Aktuell liefert das Unternehmen ausschließlich an Zwischenhändler, um den administrativen Aufwand, der zu diesem Geschäft gehört, etwas abzumildern. Natürlich muss die Firma nach wie vor die strengen Militärstandards erfüllen, die in den Ausschreibungsunterlagen eingefordert werden. Die Anforderungskataloge allerdings werden immer dicker, berichtet Verkaufsleiter Tim Hornung.

Chancen überwiegen Risiken

Neuer Inhalt (1)
Katharina Böckenholt und ihr Verkaufsleiter Tim Hornung liefern die Funkgerätetaschen an Zwischenhändler, um den administrativen Aufwand etwas abzumildern. © Morsey/IHK Nord Westfalen
„Technische Leistungsbeschreibungen zum Stoff in einem Umfang von 15 Seiten sind inzwischen üblich – darunter allein zwei, die sich auf DIN-Normen beziehen“, berichtet er. Die Gesamtmenge der Ausschreibungsunterlagen sei noch deutlich größer, erzählt Hornung. Er verweist darauf, dass einige der abgefragten Kriterien jedes Unternehmen, das in Deutschland produziere, ohnehin erfüllen müsse – kraft nationaler Gesetzgebung. Dennoch seien zu diesen Themen zusätzlich international anerkannte Zertifizierungen beizubringen oder Formulare zeitaufwendig auszufüllen. „Die Aufträge sind also mit extrem viel Bürokratie verbunden“, sagt Katharina Böckenholt. Sie nennt noch einen weiteren „Wermutstropfen“, der typisch sei für das Geschäft mit der Bundeswehr und ihren Zulieferern: „Wir müssen in Vorleistung gehen, denn wenn ein Kunde die Ausschreibung gewinnt, muss sofort geliefert werden“, erklärt die Geschäftsführerin. Deshalb werde oft schon entwickelt und sogar in einer ersten Serie produziert, bevor die Entscheidung über die Auftragsvergabe gefallen ist. „Wir gehen also ein unternehmerisches Risiko ein, um dabei zu sein“, macht Böckenholt deutlich. „Zudem werden die Lieferketten immer länger, weil die Bundeswehr zurzeit sehr viel einkauft“, ergänzt Tim Hornung. So könne es vier Monate dauern, bis bestelltes Material in Ostbevern ankommt.
„Bisher hatten wir bei den meisten Ausschreibungen aber Erfolg, außerdem kann die Rohware im Bedarfsfall auch für andere unserer fast 600 Artikel verwendet werden“, sagt die Unternehmerin und fügt an: „Wir nehmen das alles gerne in Kauf, weil es um gute Aufträge geht.“ Zum einen nämlich steige in diesem Geschäftsbereich die Nachfrage. Zum anderen haben sich in diesem Sektor die Kundenbeziehungen als sehr stabil erwiesen. „Ein Unternehmen, das es auf die Liste der Bundeswehr geschafft hat, bleibt dort in der Regel auch“, sagt Tim Hornung.

Ihr IHK-Ansprechpartner: