IHK & Region | 20.09.2022

Ein wichtiges Sprachrohr der Wirtschaft

Alois Schöllhorn, Prokurist und Abteilungsleiter Projektentwicklung bei der Heilbronner Bauunternehmung Böpple GmbH, ist, mit Unterbrechungen, seit Dezember 2010 Mitglied der Vollversammlung (VV) der IHK Heilbronn-Franken. Für die kommende Wahlperiode tritt er nicht mehr an. Wnews sprach mit dem scheidenden VV-Mitglied. Von Matthias Marquart

Wann und wie kamen Sie zum ersten Mal mit der IHK in Berührung?

Mein erster Kontakt zur IHK war die Zeit in der ich selbstständig war und automatisch Mitglied wurde. Ich habe die Mitgliedschaft zuerst nur als einen zusätzlichen Kostenfaktor betrachtet. Das lag vielleicht aber auch daran, dass ich damals das vielfältige Angebot der IHK überhaupt nicht gekannt und genutzt habe.

Sie sind – mit Unterbrechungen – seit über acht Jahren Mitglied der IHK-Vollversammlung. Wie kam es dazu, was war Ihre Motivation sich in der VV zu engagieren?

Meist kamen die Ämter zu mir. So war das auch mit der IHK. Da hat mich der Inhaber und Geschäftsführer von Böpple, Achim Hannemann, motiviert zu kandidieren, um Böpple dort präsent zu machen und Kontakte zu knüpfen. Mir selbst ging es auch darum, Hintergrundinformationen zu bekommen und mit interessierten Menschen Themen zu behandeln, die die Region und die Wirtschaft betreffen.
Anm. d. Red.: Alois Schöllhorn war auch Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Heilbronn-Franken, ist im Verwaltungsrat der Stiftung Lichtenstern und im Vorstand des Vereins Help! – Wir helfen!

Gab es Interessenkonflikte mit Ihrer Tätigkeit als Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes?

Nein, meine diesbezügliche Doppelfunktion hat nie zu Konflikten geführt. Im Gegenteil, die Zusammenarbeit konnte sogar besser ausgestaltet und verschiedene Interessen zusammengeführt werden. Selbst als die IHK die Wirtschaftsförderung Heilbronn-Franken (WHF) verließ und wir diese als Arbeitgeberverband weiter unterstützten, gab es keine Probleme. Jeder hatte gute Gründe für seine jeweilige Entscheidung.
Die Vielfalt der Mitglieder und deren Beiträge waren inspirierend.

Alois Schöllhorn

Was sind Ihre Erfahrungen, die Sie über die Jahre hinweg in diesem Ehrenamt gemacht haben?

In der Vollversammlung hat mir imponiert, wie diszipliniert alle waren. Nur sehr selten ging es da um Selbstdarstellung. Wir sind immer beim jeweiligen Thema geblieben, haben an einem Strang gezogen. Dies zeugt bei einem Gremium in dem doch viele „Alphatierchen“ sitzen, von hoher Souveränität. Außerdem wurde ich immer wieder überrascht von neuen, völlig anderen Gedanken als diejenigen, die ich mir vorher selbst zu einem Thema gemacht hatte. Die Vielfalt der Mitglieder und deren Beiträge waren inspirierend. Und auch die diversen Fachbeiträge waren äußerst interessant. Ich konnte da einiges ins eigene Unternehmen mitnehmen.

Zum Beispiel?

Zum Beispiel, dass wir uns von der Bundesgartenschau (BuGa) erst mal ferngehalten haben. Das war anfangs schlecht vorbereitet. So wurden beispielsweise keine Stellplätze eingeplant, ohne zu beachten, dass es eine Stellplatzverordnung gibt. Außerdem gab es auf einigen Grundstücken mehrere Bauherren, was zwangsläufig zu Abstimmungsproblemen führte. Einige Bauherren haben da dann auch die Flinte ins Korn geworfen. Besser wurde das erst, als glücklicherweise die Stadtsiedlung in die Bresche gesprungen ist. Im Ergebnis lief die BuGa dann aber noch überraschend gut und auch wir haben noch in den Bereichen Heizung und Sanitär einen Beitrag geleistet.

Was waren die Highlights während Ihrer Mitgliedschaft in der Vollversammlung?

Dazu gehören sicherlich die Vorplanungen zum Ausbau der A6. Da haben wir gute Arbeit geliefert, auch wenn das Ergebnis eher frustrierend war. Bewegend war auch der Abschied von Thomas Philippiak als IHK-Präsident, inspirierend die visionären Gedanken seines Nachfolgers Harald Unkelbach. Insgesamt gab es viele Momente – die meisten inoffiziell im flüsternden Zwiegespräch. Da genügten manchmal auch nur Blicke. Was mir absolut in Erinnerung bleiben wird, ist der Satz vom Inhaber der Optima Herrn Dr. Hans Bühler: „Lieber ungefähr daneben, als exakt falsch liegen.“

Was haben Sie persönlich aus dieser Zeit mitgenommen?

Ich habe viel mitgenommen – vor allem auch aus den Arbeitskreisen und den von Dr. Helmut Kessler ins Leben gerufenen Unternehmergesprächen. Ihn habe ich besonders aufgrund seiner kompetenten und ruhigen Art geschätzt. Gerade die Gespräche in kleineren Kreisen waren sehr wertvoll. Da wurden wichtige Themen erörtert, viele Informationen ausgetauscht und vermittelt.

Warum ist die IHK-Organisation aus Ihrer Sicht ein wichtiges Instrument für die Wirtschaft?

Die IHK ist ein gewichtiges Sprachrohr für die Wirtschaft, das die Politik nicht ignorieren kann. Diesen Einfluss im Sinne der Wirtschaft geltend zu machen ist wichtig. Dass es funktioniert, haben wir gesehen indem unsere Positionspapiere ja oft schon Wirkung gezeigt und zu sinnvollen Lösungen geführt haben. Aber auch im hoheitlichen Bereich ist die IHK ein in vielerlei Hinsicht unverzichtbarer Bestandteil unserer Gesellschaft. Ich denke da an das ganze Prüfungswesen, die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse, Export- und Zollverfahren, Hilfestellung zu Fördermitteln oder auch die Corona-Soforthilfen – um nur einiges zu nennen. Die Bandbreite dessen, was die IHK leistet, ist groß, aber leider Vielen noch zu unbekannt. Dennoch halte ich es für fraglich, ob der gesamte Apparat bundesweit so groß sein muss.

Sie haben sich entschieden nicht erneut zur Wahl anzutreten. Warum?

Ich werde meine berufliche Aktivität in zwei Jahren einstellen, also nicht mehr für eine komplette Wahlperiode zur Verfügung stehen. Da ist es besser, jetzt Platz zu machen und Jüngeren den Vortritt zu lassen. Ich hätte mir gewünscht, dass jemand aus unserem Haus antritt, doch das ist leider nicht der Fall.

Welche Prioritäten sollte die neue Vollversammlung in der kommenden Wahlperiode aus Ihrer Sicht setzen? Haben Sie Tipps und Ratschläge für die ehrenamtliche Mitarbeit in der VV?

Nein, ich kann und will den Nachfolgern keine klugen Ratschläge geben. Jede Zeit ist anders und erfordert dementsprechend eigene Lösungen. Ich halte es aber für wichtig, die Regulierungswut der Politik etwas zu dämpfen. Da wird schon viel zu viel geregelt, was an sich die Wirtschaft tun müsste. Im Rückblick war meine Mitgliedschaft in der Vollversammlung eine wirklich gute Zeit und ich wünsche dem neuen Gremium ebenso viele gute Gespräche und sachdienliche Lösungen wie bisher. Die Zeit, die man in diesem Ehrenamt aufwendet, ist überschaubar und gering im Verhältnis zu dem, was jeder Einzelne mitnehmen kann.
Zur Person
Alois Schöllhorn wurde am 14. September 1958 in Ulm geboren. Nach seiner Schulzeit und dem anschließenden Wehrdienst, absolvierte er eine Banklehre bei der Kreissparkasse Ulm. In Tübingen studierte er Jura mit den Schwerpunkten Wirtschaft und Steuerrecht. In der Folge arbeitete er zwei Jahre als Justitiar bei einer Münchner Firma und zehn Jahre bei der Scheib-Gruppe in Schwäbisch Hall-Sulzdorf, um sich dann als Projektentwickler selbstständig zu machen. Seit 1993 ist Alois Schöllhorn als Projektentwickler bei der Bauunternehmung Böpple, seit 1995 als Geschäftsführer. Alois Schöllhorn ist verheiratet und hat einen Sohn.

Kontakt

Andreas Lukesch
Andreas Lukesch
Leiter Marketing & Kommunikation und Pressesprecher