IHK-MAGAZIN
Nr. 7167688
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Hemmingstedt, Flensburg, Wester-Ohrstedt: Eyspec, Kaleris, Voss GmbH & Co. KG

Rund um den Globus

Wer Produkte oder Dienstleistungen ins Ausland exportieren möchte, muss einiges beachten. Drei Unternehmen sprechen mit der Wirtschaft über die Chancen und die Herausforderungen des Außenhandels.
Roboter, Kamerasysteme oder die reine Software – die Projekte bei Eyespec in Hemmingstedt variieren von Auftrag zu Auftrag. „Wir entwickeln individuelle, automatisierte Inspektionssysteme, vorwiegend für Produktionsstraßen im Automotive-, Pharma- und Medizinbereich. In Sekundenschnelle nehmen diese Anlagen Bilder auf, die mittels KI ausgewertet werden. Im zweiten Schritt können sie Roboter anweisen, um beispielsweise fehlerhafte Produkte auszusortieren“, erklärt Geschäftsführer Jasper Raun.
Seit der Gründung 2012 ist das Unternehmen in den weltweiten Markt hineingewachsen. Über 400 Kunden beliefert Eyespec in Europa, Nordamerika und Asien. „Die Hälfte unserer Projekte liegen im Exportmarkt. Besonders der Markt in Osteuropa ist in den letzten Jahren stark gewachsen“, sagt der Wahl-Dithmarscher. Um die Kunden bestmöglich zu betreuen, reisen er und die Mitarbeiter regelmäßig zu ihnen. „Die gute Anbindung an Hamburg erleichtert uns die Dienstgänge. Zudem haben wir einen guten Draht zur lokalen Hochschule, wodurch wir Mitarbeitende finden“, so der 41-Jährige. Viel wichtiger sei für Eyespec die digitale Infrastruktur. „Wir haben zwei Jahre auf den Ausbau von Glasfaser in Hemmingstedt gewartet. Die Netzabdeckung des Mobilfunknetzes ist stark ausbaufähig. Wenn wir bedenken, dass in Zukunft alle Systeme immer mehr vernetzt sind, brauchen wir es flächendeckend.“
Jasper Rauns steht hinter einem Roboter.
Sich auf jedes Land neu einzulassen, Regeln und Gesetzgebungen zu beachten sowie wettbewerbsfähig zu sein, gehören zum Alltag dazu. „Es braucht Finanzpuffer, da mehr Druck auf den Preisen im internationalen Wettbewerb lastet und Rechnungen nicht immer direkt bezahlt werden. Zudem ist der Markt unheimlich dynamisch. Schnell, flexibel und kreativ zu reagieren, ist ein Muss“, so Raun. Dafür hält das Unternehmen seine internen Abläufe und Ressourcen so schlank wie möglich.
Portrait von Luca Meyli Gömer
© Kaleris
Das bestätigt auch Luka Meyli Gömer, Managerin Order Fulfilment bei Kaleris in Flensburg. „Zeit kostet alle Beteiligten Geld.“ Das Unternehmen vertreibt Hard- und Software für Ladungsrechner von Containerschiffen. Mit diesen können alle Verantwortlichen von Bord und von Land aus auf die Daten zugreifen und aktuelle Ladungsstände einsehen sowie Ladungen in Hinblick auf Gefahrgut, Befestigung, Energieverbrauch und weiteren Faktoren anpassen. Das Unternehmen bedient Kleinstkunden bis hin zu Werften mit hunderten von Schiffen. „Jedes System ist individuell auf den Kunden abgestimmt. Vom Auftrag bis zur Umsetzung können mitunter drei Jahre vergehen. So müssen wir uns bis zum Schluss auf neue Anforderungen und technische Fortschritte einlassen“, so Gömer.
Vernetzung und Globalisierung bringen gleichzeitig Chancen und Risiken, die für uns zur Hauptaufgabe werden.
Die Herausforderungen im internationalen Markt sind vielschichtig: „Erst 2021 haben wir gesehen, was passiert, wenn ein Containerschiff eine Wasserstraße wie den Suezkanal versperrt. Lieferungen kommen nicht pünktlich an. Der finanzielle Schaden ist groß“, erklärt Luka Meyli Gömer. Dazu kommen internationale Krisen oder Handelskonflikte, auf die das Unternehmen stets reagieren muss. „Unsere Standorte in Europa, Südamerika und Asien machen es möglich, dass wir unsere Kunden zu jeder Zeit betreuen können. Dafür stellen wir vor Ort heimische Mitarbeitende ein, um sprachliche und kulturelle Differenzen so klein wie möglich zu halten.“ Zudem werde es immer wichtiger, sichere Systeme zu entwickeln. „Vernetzung und Globalisierung bringen gleichzeitig Chancen und Risiken, die für uns zur Hauptaufgabe werden“, sagt die Flensburgerin.

Portrait von Fabian Seidl
© Voss GmbH & Co. KG
Die Voss GmbH & Co. KG in Wester-Ohrstedt hat länderspezifische Webshops, um ihre Kunden in Schweden, Italien, Österreich, Schweiz und den Niederlanden zu beliefern. „Von unseren Logistikstandorten in Norddeutschland aus verschicken wir sämtliche Produkte für die Tier- und Weidehaltung. Getrennte Shops zu haben ist für uns wichtig, weil die Nachfragen sich von Land zu Land stark unterscheiden“, sagt Fabian Seidl, Geschäftsführer bei dem nordfriesischen Unternehmen. Mit stetigen Webseitenanalysen verbessert die Voss GmbH & Co. KG die marktspezifischen Kundenwünsche. Ein Kundenservice mit Muttersprachlern soll zudem die Zufriedenheit fördern.
Langfristig zu planen ist nicht möglich, weil internationale Konflikte Rahmenbedingungen von heute auf morgen verändern.
Neben den Online-Shops betreibt das Familienunternehmen aber weiterhin einen stationären Markt in Viöl. „Manche Produkte sind größere Investitionen. Einigen Kunden ist es auch wichtig, die Ware vorher zu begutachten und auszutesten. Deswegen planen wir auch weitere Geschäfte, vorerst aber nur in Deutschland“, sagt Fabian Seidl. Das direkte Kundenfeedback und der Austausch seien nicht zu vernachlässigen; on- und offline stärkt sich gegenseitig, weiß der Geschäftsführer.
Neue Kunden gewinnt das Unternehmen online zudem über Drittanbieter „Wir versuchen das so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich zu nutzen. In den Produkttiteln arbeiten wir mit dem Branding ‚Voss.farming‘. Je öfter die Kunden das sehen, desto größer ist die Chance, dass sie uns dann aktiv suchen, um Alternativen zu finden. So kommen sie dann auf unsere eigenen Shops“, erklärt Seidl. Eine Corporate Identity, ein guter Service und keine Verzögerungen seien ein Muss, um langfristig erfolgreich zu sein: „Da wir unsere Ware importieren und exportieren, wissen wir aber natürlich auch, wie schwierig sich das gestaltet. Neben den Infrastrukturproblemen mit den vielen Baustellen leben wir in einer volatilen Welt. Langfristig zu planen ist nicht möglich, weil internationale Konflikte Rahmenbedingungen von heute auf morgen verändern.“ Das Unternehmen hält dennoch am Export fest: „Der Markt wächst immer weiter. Wir müssen nur am Ball bleiben, uns mitentwickeln und darauf hoffen, dass unsere Politik uns weniger Bürokratie und die nötige Flexibilität ermöglicht.“
Autorin: Joana Detlefs
Veröffentlicht: Oktober 2026

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