Nachhaltige Wasserenthärtung

Kalkfreie Rohre – ganz ohne Salz

Rund 40 Prozent der Haushalte in Deutschland liegen in Regionen, in denen das Wasser einen hohen Kalkgehalt hat. Der Kalk lagert sich ab, verstopft Leitungen und mindert die Effizienz von Heizungen oder Waschmaschinen. Eine umweltfreundliche Alternative zu Wasserenthärtungsanlagen auf Salzbasis bietet das Bensheimer Unternehmen Aqon. Und es beschreitet einen Vertriebsweg, der in der Branche eher ungewöhnlich ist. 
Autor: Stephan Köhnlein, 24. Juni 2023
Arnold Schwarzenegger steht im Besprechungsraum von Aqon – wenn auch nur als lebensgroßer Pappaufsteller. Den Ehrenplatz hat sich der ehemalige Schauspieler („Terminator“) und Gouverneur von Kalifornien verdient. Denn er ist ein wichtiger Impulsgeber für Aqon Pure, das Hauptprodukt des Unternehmens mit Sitz in Bensheim. Es handelt sich um eine Kalkschutzanlage, die Ablagerungen durch hartes Wasser vermindert. Anders als klassische Wasserenthärtungsanlagen kommt sie dabei ohne Salz aus.
Hinter Aqon Pure stecken die Brüder Maximilian und Konstantin Wilk. Sie starteten das Projekt 2017 im Familienunternehmen Aqon Water Solutions, das ihr Vater Marian Wilk 14 Jahre zuvor gegründet hatte. Der Name setzt sich zusammen aus lateinisch Aqua (Wasser) und Innovation. Ursprünglich war die nachhaltige Wasseraufbereitung für industrielle Prozesse das zentrale Geschäftsfeld.

„Arnie hat die Wasserenthärter terminiert“

Die Idee für Aqon Pure brachte Maximilian Wilk aus Kalifornien mit, wo er bei einem Konzern im Silicon Valley seine Masterarbeit schrieb. Als er Kommilitonen von der Firma seines Vaters erzählte, hörte er vom „Water Softener Ban“ – einem Gesetz, das Schwarzenegger als Gouverneur im Jahr 2006 unterzeichnet hatte. Es verbot die Verwendung von Anlagen auf Salzbasis, um die Emission von Chlorid in Gewässer zu reduzieren. „Arnie hat die Wasserenthärter terminiert. Das war ein Running Gag in Anlehnung an seine ‚Terminator‘-Filme“, erinnert er sich schmunzelnd.
Nach seiner Rückkehr setzte er sich mit seinem Bruder zusammen und begann nach einer Lösung für Deutschland zu suchen. Im Supermarkt achte man schließlich auch darauf, dass auf dem Mineralwasser „natriumarm“ stehe, betonen die beiden. Ein Wasserenthärter mit Salz führe dagegen zum gegenteiligen Ergebnis. Unterstützt von ihrem Vater nutzten sie das Wissen über Wassertechnologien im Unternehmen und entwickelten Aqon Pure.
Optisch sind diese Anlagen eher unspektakulär, sehen aus wie verdickte Rohre und sind maximal 40 Zentimetern lang. Sie werden in die Leitung integriert und arbeiten nach dem Prinzip der Impfkristallbildung: Statt den Kalk zu entziehen, werden mit dem im Wasser enthaltenen Calcium und Magnesium mikroskopisch kleine Kalkkristalle gebildet. Diese haben ein geringeres Anlagerungsverhalten und werden bei jeder Wasserentnahme ausgeschwemmt. Die Vorteile: Die Anlagen benötigen kein Salz, keine Wartung und belassen die Trinkwasserqualität so, wie sie vom Versorger ins Leitungsnetz eingespeist wird.
Das Potenzial in Deutschland ist groß. Rund 40 Prozent der Haushalte liegen in einer Region mit hartem Wasser. Würden alle eine Enthärtungsanlage mit Salz verwenden, entstünden bis zu 689.800 Kubikmeter Salz pro Jahr. Das würde reichen, alle Räume des Reichstags in Berlin füllen, rechnen die Wilks vor. Aber es sei oft noch nicht so bewusst, dass Salz eine große Belastung für die Umwelt sein könne.

Rasantes Wachstum nach holprigem Start

Entsprechend mühsam war auch der Start. Gerade einmal 50.000 Euro betrug der Umsatz im ersten Geschäftsjahr. Deswegen suchte Aqon nach rund einem Jahr einen neuen Vertriebsweg und trat an die Endverbraucher heran. Denn der klassische Weg beim Einbau einer Aufbereitungsanlage war eher kompliziert, sah zunächst den Gang zum örtlichen Klempner vor, die Ermittlung der richtigen Anlagengröße, die Prüfung der Einbausituation vor Ort und dann erst die Installation.
Bei Aqon geben die Kund*innen in wenigen Minuten alle notwendigen Informationen auf der Webseite ein und laden Fotos vom Hauswasseranschluss hoch. Daraufhin erhalten sie ein Angebot, das auch den Einbau zum Festpreis enthält. Die Ware geht direkt zum Kunden. Es gibt eine Geld-zurück-Garantie für ein Jahr. Je nach Modell beträgt die Lebensdauer bis zu 20 Jahre. Danach wird das System ausgetauscht und kann komplett recycelt werden.
Für den Einbau kann Aqon inzwischen auf ein bundesweites Netz aus bald 400 Unternehmen zugreifen. „Unsere Partnerinstallateure lieben unsere schlüsselfertigen Einbauaufträge, weil sie die mit den verfügbaren Informationen effizient abwickeln können“, erklärt Konstantin Wilk. Inzwischen wächst das Unternehmen stetig. 2022 lag der Umsatz bei zehn Millionen Euro, Tendenz stark steigend. Neben Ein- und Zweifamilienhäusern peilen die Wilk-Brüder inzwischen Anlagen für größere Wohneinheiten an. Außerdem soll ins Ausland expandiert werden, zunächst nach Österreich, in die Schweiz und nach Luxemburg.
Anerkennung hat Aqon Pure mit diversen Nominierungen und Preisen erhalten. Seit dem Frühjahr 2021 führt das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen in seinem Ecodesign-Bericht Aqon Pure als erstes Produkt für umweltfreundliche Wasseraufbereitung auf. Seit November 2021 sind sie Preisträger des Hessischen Gründerpreises.
Produziert wird in Großbritannien, weil dort das technische Know-how besonders ausgeprägt sei. Der Brexit bereitet nach einer kurzen Anpassungsphase bei der Zollabfertigung keinerlei Probleme mehr, wie Konstantin Wilk versichert. Sein Bruder verweist darauf, dass Deutschland bei umweltfreundlicher Wasseraufbereitung hinter den USA oder Großbritannien ohnehin zurückliege. „Hier können wir noch viel lernen“, sagt er.

Ein Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit

Das Produkt Aqon Pure trägt insbesondere zu folgenden SDGs bei:
Zukunftsmut: Ideen für mehr Nachhaltigkeit
Von der Chancengleichheit am Arbeitsplatz über ressourcenschonende, umweltfreundliche Produktion, neue Geschäftsideen, die Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen präsentieren, bis hin zu Sponsoring von Sportvereinen, Kultureinrichtungen und mehr: Unternehmerische Verantwortung hat viele Facetten. In dieser Artikelserie stellen wir Ihnen Good-Practices in Sachen ökonomischer, ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit aus der Region Rhein-Main-Neckar und darüber hinaus vor, die beweisen, warum wir auch in Zeiten multipler Krisen mehr Optimismus wagen sollten.

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Matthias Voigt
Matthias Voigt
Bereich: Kommunikation und Marketing
Themen: IHK-Magazin, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit