Teilhabe am Wirtschaftsleben

Leitbild für verantwortungsbewusste, vertrauenswürdige Geschäftsleute

Bis heute haben die Industrie- und Handelskammern den Auftrag, sich – wie es im Gesetz heißt – „für Wahrung von Anstand und Sitte“ im Wirtschaftsleben einzusetzen. Der Begriff „Ehrbarer Kaufmann“ mag mittlerweile etwas angestaubt sein, die Ideen dahinter sind es nicht. Unternehmerinnen und Unternehmer der IHK Darmstadt haben im Jahr 2020 ein modernes Leitbild formuliert, das die klassischen Grundsätze des „Ehrbaren Kaufmanns“ in die heutige Zeit übersetzt und um zentrale Aspekte erweitert.
Menschliches Zusammenwirken jeglicher Art baut auf Vertrauen in gemeinsame Werte und Gepflogenheiten auf. Ohne ein solches Grundvertrauen (oder: Sozialkapital) entsteht auch kein Geschäft. Es ist also kaufmännisch klug, in dieses Grundvertrauen zu investieren. Dabei allein nach dem Gesetz zu gehen, reicht nicht aus, denn: Nicht alles, was rechtlich korrekt ist, ist auch redlich. Wer sich an den üblichen Regeln des menschlichen Miteinanders (historisch: „Sitte und Anstand“) orientiert, baut sich einen Ruf als vertrauenswürdige Geschäftsfrau oder vertrauenswürdiger Geschäftsmann auf.
Dieses „Leitbild für verantwortungsbewusste, vertrauenswürdige Geschäftsleute“ wurde von Unternehmerinnen und Unternehmern des Lenkungskreises „Unternehmen Verantwortung“ aus den historisch gewachsenen Grundsätzen des „Ehrbaren Kaufmanns“ entwickelt und von der Vollversammlung der IHK Darmstadt verabschiedet. Es soll allen, die in oder für Unternehmen Entscheidungen treffen, als zeitgemäße Orientierung dienen.

Verantwortungsbewusste, vertrauenswürdige Geschäftsleute

  1. besitzen kaufmännisches Urteilsvermögen. Sie verfügen über fundiertes wirtschaftliches Wissen, das sie befähigt, ihre Geschäfte erfolgreich zu führen.
  2. lassen sich in ihrem Tun vom langfristigen und nachhaltigen Erfolg ihres Unternehmens leiten. Dieser ist nur möglich, wenn sie den Auswirkungen ihres wirtschaftlichen Handelns auf das soziale Umfeld, Umwelt und Klima Rechnung tragen. Kurzfristig Gewinn zu erzielen, ist für sie kein vorrangiges Geschäftsziel, wenn daraus Nachteile für den langfristigen Erfolg entstehen können.
  3. gewähren und fordern Vertrauen. Sie stehen zu ihrem Wort, ihr Handschlag gilt. Sie verhandeln fair, leisten wie vereinbart und rechnen korrekt ab.
  4. sind weltoffen und freiheitlich orientiert. Sie setzen auf ein freiheitliches Wirtschaftssystem mit offenen Märkten, das den Wettbewerb um neue Ideen und Lösungen fördert.
  5. stehen für Toleranz und schätzen die Vielfalt der Menschen. Jegliche Form von Diskriminierung ist mit ihren Vorstellungen einer freiheitlichen Gesellschaft unvereinbar.
  6. sind sich ihrer Vorbildfunktion bewusst. Sie leben ihre Werte vor und überzeugen mit authentischem Verhalten.
  7. schaffen die Voraussetzungen für verantwortungsvolles Handeln innerhalb ihres Unternehmens – als Führungskräfte, die das Wertegerüst festlegen, und als Mitarbeiter*innen, die sich in die Ausgestaltung dieser Werte einbringen und sie mittragen.
  8. fühlen sich verantwortlich für ihre Region. Sie engagieren sich für den Erhalt und die Verbesserung von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen – im eigenen Interesse und für die nachfolgenden Generationen.
  9. treten auch im internationalen Geschäft für ihre Werte ein. Als kritische Partner suchen sie Einfluss auf Praktiken zu nehmen, die von diesen Werten abweichen.
  10. orientieren sich auch in schwierigen Zeiten an ihrem Wertekompass. Sie bilden eine Solidargemeinschaft, die sich durch gegenseitige Unterstützung auszeichnet.
Das Leitbild können Sie sich hier in deutscher (PDF-Datei · 34 KB) und englischer (PDF-Datei · 31 KB) Sprache als PDF herunterladen.
Über den Lenkungskreis „Unternehmen Verantwortung“

Der Lenkungskreis „Unternehmen Verantwortung“ wurde mit Beginn der Wahlperiode 2019 von der Vollversammlung der IHK Darmstadt eingerichtet, um das Selbstverständnis und die Rolle von Unternehmertum in einer dynamischen Gesellschaft mit technologischen und ökologischen Herausforderungen aus Sicht der südhessischen Wirtschaft (neu) zu definieren. Drei Themenfelder werden dazu bearbeitet: (1) Herunterbrechen sozialer und ökologischer Herausforderungen auf den Alltag von KMU, (2) Überprüfung des Ordnungsrahmens der sozialen Marktwirtschaft und (3) Formulierung eines modernen Leitbildes, dessen Wertekanon die Grundsätze des „Ehrbaren Kaufmanns“ in die heutige Zeit übersetzt.