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IHK Berlin

Gemeinsame Pressemitteilung der IHKs Berlin & Brandenburg: Wirtschaft der Flughafenregion zunehmend durch Infrastrukturengpässe ausgebremst

Es gibt dringenden Handlungsbedarf bei der Planung der Verkehrsinfrastruktur rund um die Flughafen- und Tesla-Region. Das zeigt die gemeinsame „Verkehrs- und Engpass-Analyse Flughafenumfeld und Teslaregion“ der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Dialogforum Airport Berlin Brandenburg und der Berlin-Brandenburger Industrie- und Handelskammern.
Autobahnen und Knotenpunkte entlang der Bundesstraßen stehen zunehmend unter Druck aufgrund veränderter Rahmenbedingungen. Steigende Fluggastzahlen, eine dynamische Umfeldentwicklung infolge wachsender Einwohnerzahlen und neuer Gewerbeansiedlungen wie Tesla führen zu einem weiteren starken Anstieg von Pendler- und Güterverkehren.
Wo genau es bereits heute zu Problemen kommt bzw. bis zum Jahr 2040 kommen wird und wo notwendige Handlungsschwerpunkte bei Straße, Schiene und öffentlichen Verkehr jetzt liegen sollten, stellt die Studie samt Maßnahmenkatalog aufschlussreich dar.
Die Verkehrsmengen nehmen seit 2021 wieder stark zu. Aktuelle Zählungen liegen bereits um 20 bis 70 Prozent höher als die bislang von der Landes- und Bundesregierung herangezogene Datenbasis.

„Insgesamt ist schon heute ein Verkehrsniveau erreicht, das verstärkte Maßnahmen der Steuerung, Vermeidung und Verlagerung auf andere Verkehrsträger verlangt, um die im rasant wachsenden Tempo zukünftigen Engpässe in der Airport- und Tesla-Region managen zu können“, betont Bertram Teschner, Geschäftsführer des Verkehrsplanungsbüros SPV Spreeplan Verkehr Berlin GmbH, der mit der Erstellung der Studie beauftragt war. 

Eine Überlastung ist z. B. auf der A 10 östlich des Schönefelder Kreuzes durch Überlagerungen im Wirtschafts- und Pendlerverkehr – insbesondere durch die Tesla-Fabrik oder bei den Verkehrsknoten Schönefeld Nord, Rangsdorf Kienitzer Straße, auf der B 96a und bei Teltow erkennbar. Steigerungsraten bis zum Jahr 2040 auf der A 10 (Ost) um 42 Prozent oder auf der A 113 (Nord) um 61 Prozent verdeutlichen, dass sich die Verkehrslage dramatisch verschärfen wird. „Die Landesstraßen können die hohen Verkehrsmengen auf den Autobahnen nur bedingt aufnehmen“, sagt Teschner. Auch die enorm steigenden LKW-Verkehre auf der A 13 zwischen Schönefelder Kreuz und der Lausitz erfordern einen schnellen Planungsbeginn für eine weitere Autobahnspur.

„Bis 2040 spitzt sich die Verkehrslage deutlich zu. Weiteres Wachstum braucht Investitionen in die Infrastruktur. Ein Zukunftsplan zur Steuerung der Verkehre in der Airport- und Tesla-Region ist dringend notwendig, damit die Wirtschaft nicht ausgebremst und die Anrainer-Kommunen nicht überfordert werden“, sagt Hauptgeschäftsführer André Fritsche von der IHK Cottbus stellvertretend für die Brandenburger IHKs.
Robert Rückel, Vize-Präsident der IHK Berlin betont: „Die enorme wirtschaftliche Anziehungskraft des Flughafenumfelds kann sich nur dann richtig entfalten, wenn jetzt in eine adäquate Verkehrsinfrastruktur investiert wird. Die Flughafenregion ist schließlich keine Insel. Es wäre geradezu widersinnig, nach der milliardenschweren Investition in einen Flughafen für die Metropolregion nicht den logischen nächsten Schritt zu gehen, um das Potential für die Region voll auszuschöpfen. Zu den vordringlichen Projekten gehören dabei die Verlängerung der U-Bahnlinie 7 von Rudow zum BER, vor allem für Berufspendler sowie der Ausbau der Ostbahn, damit der wachsende Transitverkehr vom LKW auf die Schiene verlagert werden kann.“  
„Für die Kommunen in der Flughafenregion sind die Verkehrsbelastungen schon heute deutlich zu spüren, dennoch muss es in unserem Interesse liegen, den Personen- und Wirtschaftsverkehr lauffähig zu halten“, sagt Andreas Igel, Bürgermeister von Ludwigsfelde und Vorsitzender des Dialogforums Airport Berlin Brandenburg. „Als Kommunen sind wir besonders gefragt, starke Mobilitäts- und Quartierskonzepte umzusetzen und Pendlern ein attraktives ÖPNV-Angebot anzubieten, um für Entlastung beim Pendlerverkehr auf den Straßen zu sorgen. Es ist wichtig, dass alle Beteiligten diese Analyse kennen und in ihre Aufgaben verbindlich einbeziehen. Vorbeugende Maßnahmen und Investitionen in die Infrastruktur müssen jetzt mit dem Land und Bund und den Verkehrsbetrieben geplant werden, damit keine 15 Jahre ins Land gehen und die Situation für alle überfordernd wird.“
Forderungen

Gefordert wird u.a. die schnellstmögliche Ertüchtigung und der Ausbau der A 10 auf dem gesamten südlichen Berliner Ring vom Dreieck Potsdam über das Schönefelder Kreuz bis hin zum Dreieck Spreeau sowie der gesamten A 12 östlich des Dreiecks Spreeau bis nach Frankfurt (Oder).
Der Aufbau elektronischer Schilderbrücken über der Autobahn A 10 und A 12 zur Verkehrsbeeinflussung und als Voraussetzung für eine temporäre Freigabe der Seitenstreifen in Stausituationen wäre kurzfristig umsetzbar und hätte schnelle Effekte.
Oberstes Augenmerk sollte die Stärkung der Schiene sein. Dafür notwendig ist die Beschleunigung des Infrastrukturausbaus auf den wichtigen Eisenbahntrassen von und nach Berlin, wie die gerade entstehende Dresdner Bahn zwischen Berlin Südkreuz und Rangsdorf.
Darüber hinaus ist ein Ausbau der Anhalter Bahn von Berlin Richtung Jüterbog und der Görlitzer Bahn von Berlin nach Königs Wusterhausen zwingend erforderlich. Wenn es ein leistungsfähiges Schienenverkehrsangebot gibt, ist laut Verkehrsstudie mit einer Verdreifachung der Fahrgastzahlen in den Bahnen bis zum Jahr 2040 zu rechnen.
Der Ausbau der Ostbahn ist ein Schlüsselprojekt, um den Güterverkehr auf der Schiene zu stärken.
 
Empfohlene Maßnahmen Straßenverkehr
  1. Fortlaufendes Monitoring wiederherstellen (Dauerzählstellen auf Autobahnen instandsetzen)
  2. Optimierung/Aufbau einer Verkehrsbeeinflussung auf Autobahnen (Schilderbrücken, Steuerung Geschwindigkeit, Warnungen)
  3. Ertüchtigung A 10 um Kreuz Schönefeld 4-streifig (evtl. Freigabe Seitenstreifen in Spitzenzeiten)
  4. Ausbau A 12, 3-streifig (östlich Dreieck Spreeau)
  5. Ausbau A 13, 3-streifig (südlich Kreuz Schönefeld)
  6. Herstellung AS Kiekebusch (zur Entlastung der Kommunen östlich A 113)
  7. Optimierung des Verkehrsflusses auf der A 100/A 113 (Vermeidung Tunnelsperrung)
  8. Optimierung identifizierter Knotenpunkte (Schönefeld Süd, Schönefeld Nord, Waltersdorf, Rangsdorf, KW, Großbeeren u.w.)
  9. AS Schönefelder Seen als Grundbaustein der Gewerbeerschließung und Flughafenerschließung
  10. Beseitigung beschrankter Bahnübergänge
Empfohlene Maßnahmen Schienen- und Busverkehr
  1. Angebotsausweitung im Regionalverkehr, um Verkehrsanteile von der Straße aufnehmen zu können
  2. Zuverlässigkeit des öffentlichen Verkehrs erhöhen (Pünktlichkeit, Anschlüsse, Information) 
  3. Infrastrukturelle Voraussetzungen im Bahnverkehr herstellen (Anhalter Bahn, Bahnhof KW)
  4. Verlängerung der U 7 über Schönefeld bis zum BER bauen
  5. Aufstellen und Umsetzen von Mobilitätskonzepten in den Kommunen (Rad/Bus/Verleihsysteme)
  6. Angebotsausweitung im Busverkehr: Neuerschließung der Gewerbegebiete und verbesserte Bedienung der Bahnhöfe (kurze Umsteigezeiten, direkte und vertaktete Linien wie PlusBus sowie Finanzierbarkeit für Landkreise herstellen
  7. Attraktivitätssteigerung durch Park&Ride Angebote an Brandenburger Bahnhöfen 
  8. Neue Mobilitätsformen entwickeln/testen/umsetzen
  9. Schwerverkehr auf die Schiene verlagern, Ostbahn ausbauen zur Aufnahme von Transitverkehren im Güterverkehr

Die aktuelle Studie im Internet: Die länderübergreifende IHK-Verkehrs- und Engpassanalyse BER und Umfeld aus dem Jahr 2019 wurde mit der aktuellen Studie fortgeschrieben und auf eine breitere Datenbasis gestellt.
Sie ist unter diesen Links zu finden: 
www.dialogforum-ber.de/seite/518274/verkehrsanalyse.html 
www.cottbus.ihk.de/verkehrsanalyse-flughafenumfeld-teslaregion

Die vollständige Analyse finden Sie hier.
IHK Berlin

Ausbildungsbilanz 2023: Ausbildung wird internationaler, Zahl der Vertragslösungen trübt das Bild

Der positive Trend bei den neu geschlossenen Ausbildungsverträgen, der sich noch im Herbst 2023 abzeichnete, ließ sich im weiteren Jahresverlauf nicht aufrechterhalten. Hauptursache ist eine signifikant höhere Zahl an Vertragslösungen nach Ausbildungsbeginn. 15,6 Prozent der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge wurden demnach wieder gelöst. War zum Start des Ausbildungsjahres im September 2023 noch mit einem rund siebenprozentigen Plus zu rechnen im Vergleich zu 2022, liegt die Zahl der Verträge nach den Lösungen nun 4,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau (2022: 7.708 neue Verträge, 2023: 7.363 neue Verträge). Fehlzeiten im Betrieb und in der Berufsschule und die falsche Berufswahl durch unzureichende Informationen waren häufig genannte Gründe, die zu einer Vertragslösung geführt haben. Positiv bei der Auswertung der Vertragszahlen ist zu bewerten, dass die Ausbildung internationaler wird. So hatten 2013 noch 1.391 Auszubildende eine ausländische Staatangehörigkeit, aktuell sind es dagegen bereits 2.392 Jugendliche. Insgesamt liegt der Anteil von Azubis mit nicht-deutschem Pass bei 12,4 Prozent.
Erste Umfragen bei Ausbildungsunternehmen und Azubis weisen darauf hin, dass die Pandemie mit den langen Lock-Down-Phasen gravierendere Folgen hat als anfänglich vermutet. Für viele Jugendliche gab es nur eingeschränkte Angebote, sich beruflich zu orientieren. Falsche Vorstellungen vom gewählten Ausbildungsberuf verbunden mit der geringeren Bereitschaft, die getroffene Wahl beizubehalten, mündeten demnach in der hohen Zahl an Vertragslösungen. Die Datenanalyse ergab zudem, dass im vergangenen Jahr gerade Betriebe mit nur einem Auszubildenden im Moment nicht mehr ausbilden. Ob diese Betriebe keine Auszubildenden gefunden haben oder z.B. die allgemeine konjunkturelle Lage ausschlaggebend hierfür war, wird die IHK Berlin in einer vertiefenden Umfrage ebenso untersuchen wie die Hintergründe für die Vertragslösungen. 
 
Stefan Spieker, Vizepräsident der IHK Berlin: „Die hohe Lösungsquote bei den Ausbildungsverträgen muss allen Partnern der Ausbildung zu denken geben. Während der Pandemie haben sich die Ausbildungsverhältnisse noch als außerordentlich stabil erwiesen, diese Bindungsbereitschaft ist fragiler geworden. Es ist jetzt unsere gemeinsame Aufgabe, diese Entwicklung aufzuhalten. Die Jugendlichen – und auch die Ausbildungsunternehmen – brauchen unsere Unterstützung. Dazu gehören beispielsweise eine praxisnah ausgestaltete Berufsorientierung sowie der Austausch von Daten unversorgter Jugendlicher zwischen Schule und der Agentur für Arbeit. Gleichzeitig muss darüber nachgedacht werden, wie Jugendliche an den Berufsschulen noch intensiver sozialpädagogisch unterstützt werden können, um die ausbildungsgefährdenden Fehlzeiten in Schule und Betrieb zu vermeiden. Angesichts der Vielschichtigkeit der Herausforderungen zeigt sich einmal mehr, dass es keine einfachen Antworten gibt und die vermeintliche Lösung Ausbildungsumlage am Ende keinem Jugendlichen helfen wird.”
Stefan Rohde, Personalleiter B. Braun SE, Standorte Berlin: „Für B. Braun in Deutschland hat die Duale Ausbildung eine große Bedeutung. Wir schützen und verbessern die Gesundheit von Menschen auf der ganzen Welt. Das gelingt uns nur gemeinsam mit unseren gut qualifizierten Mitarbeiter*innen. Wir erleben in den letzten Jahren einen immer stärkeren Trend bei Schülerinnen und Schülern, nach dem Schulabschluss ein Studium beginnen zu wollen. Gleichzeitig fehlt mitunter die nötige Reife – sowohl für ein Studium als auch für eine Ausbildung. Es ist also zunehmend eine Herausforderung für Unternehmen, junge Menschen für die Duale Ausbildung zu begeistern und sie dann im Lernprozess zu begleiten. Hier ist aus unserer Sicht die Politik gefragt, die allgemeinbildenden Schulen darin zu unterstützen, die Voraussetzungen für einen guten und zielgerichteten Übergang ins Berufsleben zu schaffen und diesen mitzubegleiten. Wir investieren als Unternehmen viel in Berufsorientierung und in Zusatzqualifizierung von Ausbilder*innen und Auszubildenden. Damit die Duale Ausbildung auch weiterhin eine Zukunft hat, braucht es den Schulterschluss zwischen Politik, Schulwesen, IHK und Wirtschaft.“

Um die Ausbildung attraktiver zu machen, hat die Berliner Wirtschaft deshalb fünf Forderungen an den Senat:
 
  • Ausgestaltung eines Übergangssystems mit dem Ziel, berufsvorbereitende Unterstützung für die Schülerinnen und Schüler anzubieten, damit diese schnellstmöglich in die duale Ausbildung wechseln können.
  • Berufsorientierung im Gymnasium, die auch die duale Ausbildung als gleichwertigen Weg nach dem Abitur umfasst- 36 % der Azubis, die 2023 in Berlin einen Ausbildungsvertrag geschlossen haben, sind Abiturienten.
  • Lückenloser Datenaustausch zwischen Schule und Agentur für Arbeit und Jugendberufsagentur am Vorbild von Hamburg und Bremen, damit die 3000 unversorgten Schülerinnen und Schüler nach Beendigung der Schule nicht unversorgt bleiben und dem Ausbildungsmarkt zur Verfügung stehen. Diese Jugendlichen müssen durch eine aufsuchende Beratung engmaschig betreut werden.
  • Aufstocken von Bildungsbegleitern und sozialpädagogischer Unterstützung am Übergang und in den Berufsschulen. 
  • Der Senat muss die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass bezahlbarer Wohnraum – ähnlich wie Wohnheime oder Studierenden-WGs auch für Azubis gebaut werden. Die IHK Berlin fordert deshalb den Senat auf, neben dem Bundesprogramm Junges Wohnen auch mit Landesmitteln bezahlbaren Wohnraum für Auszubildende zu schaffen. Auch die Implementierung eines Berliner Azubiwerkes nach Hamburger Vorbild unter Beteiligung der Wirtschaft wäre ein erster Schritt zur langfristigen Fachkräftesicherung in Berlin.

Die Zahlen im Einzelnen: 
Die drei beliebtesten Berufe und die Berufe mit den meisten Verträge waren im kaufmännischen Bereich die Kaufleute für Einzelhandel (842 Verträge), gefolgt von den Kaufleuten für Büromanagement (639 Verträge) und dem Beruf der Verkäuferin/ des Verkäufers (507 Verträge).
Im gewerblich-technischen Bereich war der Beruf des Fachinformatikers (563 Verträge), der Elektroniker (271 Verträge) und Mechatroniker (206 Verträge) am beliebtesten. 
Die größten Vertragszuwächse gab es etwa beim Ausbildungsberuf Fachkraft für Gastronomie (+59 Prozent), bei den Kraftfahrzeugmechanikern (+ 25 Prozent) oder beim Ausbildungsberuf Industriekaufmann/-frau (+ 34 Prozent). 
Nur auf den ersten Blick rückläufig waren die Zahlen bei den IT-Systemelektronikern mit -14 Prozent. Hier ist die Anzahl der Azubis aber zu Gunsten des Fachinformatiker/-in Systemintegration gesunken, der einen Zugang von + 1 Prozent hatte. 
Mit der Neuordnung der Berufe ist zudem eine stärkere Abgrenzung zwischen den beiden Berufen erfolgt. So wurde beim IT-Systemelektroniker der Bereich Elektrotechnik verstärkt. Damit werden besondere Anforderungen an die Betriebe gestellt, die z.T. im Arbeitsalltag erst langsam umsetzbar sind.
Bei der Fachkraft für Gastronomie gab es mit 59 Prozent den größten Zuwachs an Neuverträgen. Nach den Einbußen durch Corona und dem Fachkräftemangel in der Gastronomie setzen die Ausbildungsbetriebe verstärkt auf Fachkräftegewinnung durch Ausbildung. 
Bei den Berufen der Automobilkaufleute gab es einen Zuwachs von 10 Prozent und die Industriekaufleute konnten um 22 Prozent ihre Vertragszahlen deutlich steigern. In beiden Berufen gibt es einen erhöhten Bedarf an Nachwuchskräften mit steigender Tendenz. Auch das Interesse von Seiten der Azubis mit Abitur wächst, da sich mit dem Berufsabschluss „Industriekaufmann/-frau“ z. B. eine breite Einsatzmöglichkeit in verschiedenen Branchen und Abteilungen eröffnet. 
 
IHK Berlin

IHK-Konjunkturumfrage: Metropolregion stemmt sich gegen Bundestrend, Ergebnisse zeigen jedoch zweigeteiltes Bild

Die Berlin-Brandenburger Wirtschaft stemmt sich zu Jahresbeginn gegen den bundesweit weiterhin negativen Konjunkturtrend. So gewinnt der Konjunkturklimaindex im Vergleich zum Herbst acht Zähler hinzu. Er steigt auf 104 Punkte und liegt damit wieder im positiven Bereich (neutral = 100 Punkte).
Vor allem in der Berliner Wirtschaft hellt sich das konjunkturelle Klima moderat auf, während Brandenburger Unternehmen sowohl die aktuelle Lage als auch die Geschäftserwartungen skeptischer beurteilen. Positiv fällt auf, dass sich der seit dem Sommer anhaltende Rückgang bei Konjunkturindikatoren wie etwa Investitions- und Personalplanung nicht fortgesetzt hat. In Teilen ist sogar eine leichte Aufhellung zu verzeichnen.
Angesichts der wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen fehlen für eine Erholung in der Breite derzeit aber weitgehend die Voraussetzungen. Für die repräsentative aktuelle Umfrage haben die IHKs Berlin und Brandenburg im Januar rund 2.000 Mitgliedsunternehmen befragt.
Gefragt wurde in der Konjunkturumfrage nach der aktuellen Geschäftslage, den Geschäftserwartungen, den Beschäftigungs- und Investitionsplänen sowie nach Risiken für die Geschäftsentwicklung. Auf Basis der Ergebnisse zu den einzelnen Fragen wird der Konjunkturklimaindex berechnet. Demnach laufen in Berlin die Geschäfte wieder etwas schwungvoller. Vor allem der Dienstleistungssektor und der Handel bewerten die aktuelle Lage als besser im Vergleich zum Herbst. Dagegen hat sich im Gastgewerbe und in der Bauindustrie die Geschäftslage verschlechtert.

In Brandenburg ist über alle Branchen hinweg die Zahl derjenigen Unternehmen gesunken, die die aktuelle geschäftliche Lage als „gut“ einstufen. Auch hier gilt dies vor allem für das Gastgewerbe und die Baubranche. Nimmt man jedoch die gesamte Metropolregion in den Blick, ergibt sich trotz der aktuell auseinanderlaufenden Zeitreihen eine mäßige Aufwärtsbewegung des Saldos der Geschäftslage (Mittel aus positiven und negativen Einschätzungen) von 15 Punkten im Herbst auf aktuell 17 Punkte. Zum Vergleich: Vor den Einbrüchen durch die Pandemie lag dieser Wert bei über 60 Punkten.

Auch wenn die wirtschaftliche Entwicklung in der Metropolregion moderat besser verläuft als im Bundesschnitt, blicken die Unternehmen weiterhin überwiegend skeptisch auf die kommenden Monate. Der Erwartungssaldo liegt demnach bei minus sieben Punkten. Das sind zwar immerhin 13 Punkte mehr als im Herbst (minus 20). Die Erholung auf niedrigem Niveau ist jedoch in erster Linie der gestiegenen Zuversicht unter Berliner Unternehmen geschuldet. Die Erwartungshaltung in Brandenburg ist weiterhin von ausgesprochenem Pessimismus geprägt.

Nachdem sich die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt zum Herbst 2023 in der Metropolregion weiter abgekühlt hatte, steigt der Indikator der Beschäftigungsplanung zu Jahresbeginn 2024 leicht an und erreicht den Nullpunkt. Dies ist den wieder positiveren Personalerwartungen in Berlin geschuldet. Damit liegt die Zeitreihe dennoch weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau.

Auch bei den Investitionsabsichten bleiben die Unternehmen vergleichsweise zurückhaltend. Nach dem corona-bedingten Konjunktureinbruch hatten sich die Investitionsplanungen zunächst erholt. Diese Entwicklung ist aber seit Herbst 2021 rückläufig. Im Ergebnis ist die aktuelle Investitionsdynamik deutlich verhaltener als noch vor 2020. Damals erreichte der Indikator Werte um die 30 Punkte. Aktuell liegt die Zeitreihe mit 13 Punkten nicht einmal bei der Hälfte.
Das Risikoradar wird angeführt vom Fachkräftemangel und den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, erst danach rangieren Energie- und Rohstoffpreise, Arbeitskosten und Inlandsabsatz.

Henrik Vagt, Geschäftsführer Wirtschaft & Politik der IHK Berlin: „Die Signale zum Jahreswechsel sind widersprüchlich. Die Inflation sinkt, vor allem der Rückgang bei den Energiekosten ist positiv für die Unternehmen. Hinzu kommt die Hoffnung, dass auch die Zinsen perspektivisch sinken und Investitionen damit wieder attraktiver oder überhaupt erst möglich werden. Verhalten zuversichtlich stimmt auch, dass im Dienstleistungssektor insbesondere in Berlin gerade die unternehmensnahen Dienstleister wieder über eine gute Geschäftslage berichten. Gleichzeitig halten sich viele Unternehmen angesichts des schwächelnden Konsums, anhaltender internationaler Krisen und auch der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen bei Investitionen und Personalplanungen zurück. Im Ergebnis spiegeln die Ergebnisse vor allem eines: Die Verunsicherung in der Wirtschaft hält an. Umso wichtiger ist es, dass die Wirtschaftspolitik auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene dringend benötigte Impulse setzt. Dazu gehören z.B. die Senkung der Steuer- und Abgabenlast, verlässliche Energiepreise und eine Reduzierung bürokratischer Auflagen.“

André Fritsche, Hauptgeschäftsführer IHK Cottbus: „Die Belastungen für die Unternehmen in allen Wirtschaftsbereichen sind beträchtlich und spiegeln sich in den insgesamt skeptischen Zukunftseinschätzungen der Betriebe wider. Ein stärkeres Investitionsengagement, was wichtig ist, damit die Wirtschaft wächst, wird es erst wieder geben, wenn die Bundespolitik eine wachstumsorientiertere Politik fährt. Damit Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben, Gewinne erwirtschaften und diese reinvestieren, brauchen sie klare wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und Stabilität. Ein gemeinsames Verständnis von Politik und Wirtschaft davon, wie die Zukunftswende jetzt konkret aussehen kann, ist dringend notwendig.“ 

Gundolf Schülke, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostbrandenburg: „Die angespannte wirtschaftliche Lage trübt die Beschäftigungspläne und Investitionsabsichten in Berlin-Brandenburg. In der gesamten Metropolregion rechnen die Händler mit weniger Beschäftigung und weniger Investitionen. Maßgebliche Ursachen sind der Onlinehandel, die Inflation und die Kaufzurückhaltung. Darüber hinaus zeigt sich ein sehr heterogenes Bild: Beispielsweise rechnet die Industrie in Berlin mit weniger Personalbedarf, in Brandenburg aber mit mehr Personalbedarf. Dies zeigt deutlich, wie heterogen das Lagebild ist. Die Unternehmen brauchen mehr Sicherheit hinsichtlich der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sowie finanzielle Anreize, um Investitionen zu planen und Personal einzustellen.“ 

Dr. Manfred Wäsche, Hauptgeschäftsführer IHK Potsdam: „Die allgemeinen Preissteigerungen, sinkende Nachfrage und Erträge sowie die Ineffizienz von Behörden wirken gesamtwirtschaftlich zusehends als Investitionshemmnisse. Für die wirtschaftliche Entwicklung der Hauptstadtregion sind Unternehmensinvestitionen jedoch unverzichtbar. Dies gilt verstärkt angesichts des Transformationsdrucks, mit dem sich die Wirtschaft derzeit in diversen Bereichen konfrontiert sieht. Allerdings schaffen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen derzeit kein geeignetes Umfeld, welches Investitionen im notwendigen Maße zulässt.“
 
Den vollständigen Konjunkturbericht finden Sie hier.