Die Einfuhrumsatzsteuer greift ab dem ersten Cent

Pakete und Päckchen mit Werten von 10, 15 oder 20 Euro aus dem Drittland gelangten bislang ganz ohne Zutun von Zoll- oder Steuerbehörde ans Ziel. Ab 1. Juli 2021 wird die Einfuhrumsatzsteuer (EUSt) mit dem ersten Cent fällig. Um eine korrekte Berechnung und Entrichtung der Einfuhrumsatzsteuer vornehmen zu können, müssen Daten übermittelt werden. Das geht am besten über die Zollanmeldung. Somit werden Importanmeldungen für Kleinstsendungen zur Pflicht. Zwar in reduzierter Form mit einem “Super Reduced Data Set”, aber die Zollanmeldung muss sein. Die Frage ist nur, wie und durch wen?

Zollanmeldung: ATLAS IMPOST und Übergangslösung

In Deutschland ist für diese reduzierte Anmeldung ein spezielles, webbasiertes ATLAS-Modul namens IMPOST vorgesehen. Die Einführung ist allerdings erst für den 15. Januar 2022 vorgesehen, eine Übergangsregelung ist geplant. Wirtschaftsbeteiligte, die ein hohes Aufkommen an nun neu zu erfassenden Sendungen – insbesondere bis 22 Euro – erwarten, werden vom Zoll gebeten, diese übergangsweise außerhalb der Standard-IT-Anwendung “ATLAS Zollbehandlung” abzuwickeln. Hierzu sollen einzelne Sendungen in Form von sogenannten “Manifesten” (Excellisten) gebündelt und an die Zollverwaltung übermittelt werden. Auf Basis dieses Manifests soll ein zusammengefasster Abgabenbescheid erstellt werden. Unternehmen, die ein sehr hohes Importvolumen von Sendungen bis 22 Euro haben bzw. ab 1. Juli erwarten, werden um zeitnahe Kontaktaufnahme an DVA2.gzd@zoll.bund.de gebeten.

IOSS: Die Lösung für Onlinehändler mit privaten Endkunden

Handelt es sich um Sendungen für private Endkunden, kann die Zollanmeldung auch über den neu eingeführten Import One Stop Shop (IOSS) erfolgen, ein Meldeverfahren der Steuerbehörden. Onlinehändlerinnen und -händler sowie Betreiberinnen und Betreiber von elektronischen Marktplätzen können sich hierfür seit 1. April 2021 registrieren und über den IOSS sowohl die Zollanmeldung und Steuererklärung abwickeln als auch die Abgaben entrichten. Der Abgabenbescheid wird von der Steuerbehörde erstellt. Die Abgabenhöhe und die dafür erhobene Dienstleistungsgebühr sind eingepreist.

Special Arrangement: Kurierdienste

Ein alternatives, vereinfachtes Verfahren für die Erhebung der EUSt bei Sendungen an Privatkundinnen und -kunden kann dann zum Einsatz kommen, wenn keine IOSS-Registrierungsnummer des Absenders vorliegt. Die Post oder der Paketdienstleister machen dann die Zollanmeldung im Namen des Einführers, bezahlen die Einfuhrumsatzsteuer und lassen sich diese bei Abgabe des Pakets an die Empfängerin bzw. den Empfänger auszahlen.

Belastbare Prozesse schaffen

Die Herausforderung für Unternehmen wird nun sein, Prozesse zu schaffen, um sicherzustellen, dass alle Sendungen gemeldet werden. Schauen Sie sich Ihre bisherigen Prozesse für Sendungen zwischen 22 und 150 Euro an, schätzen Sie die zusätzliche Sendungsmenge für Sendungen bis 22 Euro und entscheiden dann, wie Sie vorgehen möchten. Ein Großteil der Anmeldungen wird über die Kurier-, Express- und Paketdienste erfolgen. Es liegt daher nahe, dass diese Dienstleister die Zollabfertigung anbieten, zumindest bis ATLAS-IMPOST einsetzbar ist.

Lieferantinnen und Lieferanten informieren

Gehen Sie auf Ihre Lieferant*innen im Ausland, von denen Sie häufig Kleinsendungen erhalten, zu und bitten Sie diese, richtige Werte und Daten in die Handelspapiere zu schreiben. Damit wird den KEP-Dienstleister*innen die korrekte Anmeldung erleichtert.
Es bleibt das Risiko, dass sowohl bei den Dienstleister*innen als auch bei der Verwaltung die Kapazitäten knapp werden und es dadurch zu Lieferverzögerungen kommt. Möglich ist auch, dass trotz sorgfältigen Monitorings einzelne Sendungen durchgehen oder aufgrund der Menge falsch angemeldet werden. Der Zoll informiert auf seiner Webseite unter ATLAS-IMPOST, das Bundeszentralamt für Steuern informiert hier über Import One Stop Shop.

eCommerce / Chatbot von Zoll und BZSt

Die Pflicht zur Zollanmeldung und Zahlung der Einfuhrumsatzsteuer ab dem 1. Eurocent gilt insbesondere auch für den  eCommerce-Bereich. Der Zoll stellt auf seiner Website umfangreiche Informationen zum eCommerce für Unternehmen und Privatpersonen bereit und erweitert diese regelmäßig. Die Inhalte sind dabei aktuell wie folgt strukturiert:
  1. eCommerce und Unternehmen: Informationen für Unternehmen
  2. eCommerce und Privatpersonen:  Informationen für Privatpersonen
  3. eCommerce und ATLAS: Informationen für den Bereich ATLAS
  4. eCommerce Chatbot TinA: Chatbot TinA
Der Chatbot „TinA“ als digitale Informationsmöglichkeit wurde Anfang Juni um eCommerce-Inhalte ergänzt. Er soll allgemeine Fragen zu diesem Thema beantworten (zusätzlich zu Brexit-Fragen).
Laut Auskunft des Zolls werden die Inhalte des Chatbots ressortübergreifend von der Zollverwaltung, dem Bundesministerium des Innern (BMI) und dem Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) zur Verfügung gestellt, sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache.