Kommunalwahl 2026: Unternehmen erwarten wirtschaftsfreundliche und digitale Verwaltung
Die Mittelzentren Lingen und Nordhorn haben sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt. Sowohl bei der Einwohnerzahl als auch bei wichtigen Wirtschafts- und Handelskennzahlen können beide Städte Erfolge vorweisen. Bei der Kommunalwahl im September entscheidet sich nun, welche wirtschaftspolitischen Impulse die künftigen Stadtspitzen gemeinsam mit den neu gewählten Räten setzen werden.
Unsere IHK hat ihre Erwartungen an die Kommunalpolitik bereits in ihren Kommunalpolitischen Positionen formuliert. Bei Podiumsdiskussionen in Lingen und Nordhorn wurden diese Anforderungen mit den Zielen und Vorstellungen der Bewerberinnen und Bewerber um die kommunalen Spitzenämter abgeglichen.
IHK Podiumsdiskussion am 25.August 2026 im NOZ-Eventquartier Lingen.
Bei unserer IHK-Podiumsdiskussion zur Oberbürgermeisterwahl in Lingen stellten sich drei Bewerber der Debatte: der parteilose Amtsinhaber Dieter Krone, der von SPD und Grünen unterstützt wird, der ebenfalls parteilose Jens Hofschröer, der für die CDU kandidiert und zusätzlich von der BürgerNahen Zuspruch erhält, sowie der Einzelbewerber Peter Altmeppen, den die FDP zur Wahl empfiehlt. Silvia Köttering von der Freien Wählergemeinschaft Lingen und Wilfried Fenslage von der Wählergemeinschaft Naturerbe Lingen hatten ihre Teilnahme aus gesundheitlichen Gründen abgesagt.
In Nordhorn diskutierten vier Bewerber um das Bürgermeisteramt auf Einladung unserer IHK: Marc Binnewies als Kandidat der CDU, die parteilose und von der SPD nominierte Silvia van den Berg, der parteilose Einzelbewerber Helge Naber, der von der Initiative Pro Grafschaft unterstützt wird, sowie Christoph Meier als Kandidat des Bürgerforums Nordhorn, der zusätzlich von Bündnis 90/Die Grünen Nordhorn Unterstützung erhält.
Rund 90 Gäste aus der regionalen Wirtschaft nahmen an der ausgebuchten Veranstaltung in Lingen teil, in Nordhorn waren es mehr als 70 Unternehmerinnen und Unternehmer. Beide Veranstaltungen moderierte Ludger Abeln.
Ziel der IHK-Podiumsdiskussionen war es, die wirtschaftspolitischen Erwartungen der Unternehmen unmittelbar mit den Bewerberinnen und Bewerbern zu diskutieren. Die Rolle des Publikums beschränkte sich dabei nicht auf das Zuhören. Zu Beginn beider Podien konnten die Gäste digital darüber abstimmen, welche Themen aus ihrer Sicht vorrangig behandelt werden sollten.
Darüber hinaus bestand bereits im Vorfeld und während der Veranstaltungen die Möglichkeit, auf digitalem Weg eigene Fragen an einzelne oder alle Diskutanten zu übermitteln. Viele Fragen daraus wurden in die jeweiligen Themenblöcke aufgenommen. Auf diese Weise flossen konkrete betriebliche Erfahrungen und Anliegen unmittelbar in die Diskussionen ein.
Unternehmerschaft setzt klare Priorität
Das Ergebnis der digitalen Abstimmungen fiel an beiden Orten eindeutig aus: Sowohl in Lingen als auch in Nordhorn standen eine wirtschaftsfreundliche Verwaltung beziehungsweise die Verwaltungsdigitalisierung ganz oben auf der Agenda des Publikums. Moderator Ludger Abeln griff dieses Votum unmittelbar auf. Die entsprechenden Themenblöcke standen jeweils am Anfang und wurden besonders intensiv behandelt.
In Nordhorn bewerteten die Teilnehmer die Wirtschaftsfreundlichkeit und Digitalisierung der Verwaltung nach der Diskussion sogar noch wichtiger als zu Beginn der Veranstaltung. Damit unterstrich die Nachbefragung die hohe Bedeutung des Themas aus Sicht der regionalen Wirtschaft.
Damit machten die Teilnehmer deutlich, dass die Qualität der kommunalen Verwaltung aus Sicht der Wirtschaft ein entscheidender Standortfaktor ist. Unternehmen erwarten schnelle und nachvollziehbare Verfahren, verlässliche Ansprechpartner, medienbruchfreie digitale Leistungen und eine Verwaltung, die Investitionen und betriebliche Entwicklungen aktiv ermöglicht.
Gerade bei Genehmigungs- und Bauverfahren wurde deutlich, dass Unternehmen schnellere Abläufe, mehr Transparenz und eine engere Kommunikation zwischen Verwaltung und Antragstellern erwarten. In Nordhorn wurde dabei mehrfach auf Herausforderungen innerhalb der Bauverwaltung hingewiesen.
In den Diskussionen zeigte sich, dass der Bürokratieabbau zwar vor allem Vorgaben aus Brüssel, Berlin und mit Abstrichen auch Hannover betrifft, gleichzeitig aber kommunale Handlungsspielräume bietet. Genehmigungsverfahren und andere Verwaltungsleistungen sollten möglichst digital, medienbruchfrei und anwenderfreundlich gestaltet werden. Daten und Nachweise sollten nach dem Once-Only-Prinzip nur einmal eingereicht werden müssen.
Energie, Handel und Fachkräfte
In Lingen nahm außerdem die Energieinfrastruktur erwartungsgemäß einen großen Stellenwert ein, insbesondere in Form der Bestrebungen zur Ansiedlung eines Rechenzentrums sowie der Fortschreibung des IT-Campus.
IHK Podiumsdiskussion am 25.August 2026 im NOZ-Eventquartier Lingen.
Beide Mittelzentren stehen beim Thema Handelsattraktivität vergleichsweise gut dar. Während in Nordhorn das innenstadtnahe Parken und die Anbindung des Stadthafens Gegenstand der Debatte waren, wurde in Lingen über die digitale Vermarktung der City, die Beleuchtungssituation und die Veranstaltungsdichte diskutiert.
Beide Städte sind in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Die Zunahme an Einwohnern führte jedoch auch zu einem höheren Bedarf an Wohnraum: Insbesondere bei der Anwerbung von Arbeits- und Fachkräften von außerhalb ein zunehmend bedeutsames Thema. Daher standen Baukosten, Baustandards und Genehmigungsverfahren jeweils auf der Agenda der Diskutanten. Bei der Verfügbarkeit von Fachkräften kamen den Campi Hochschule Osnabrück (Lingen) und Berufliche Bildung (Nordhorn) Schlüsselrollen für die künftige Entwicklung zu – auch mit dem Blick auf Gründungen. Hier spielt in Nordhorn das Grafschafter TechnologieZentrum (GTZ) eine wichtige Rolle.
Fazit
Fazit
Am Ende der Diskussion stand die ermutigende Botschaft, dass sich an beiden Standorten trotz guter Ausgangslage niemand von den Bewerbern auf dem Status Quo ausruhen möchte. Vielmehr ging es darum, die Stärken der Städte weiterzuentwickeln, die Verwaltung bei der Digitalisierung noch stärker zu unterstützen, die Infrastruktur für Mobilität, Energie und Daten gezielt weiterzuentwickeln – insbesondere mit Blick auf Gewerbeflächen und Wohnraum – und die Attraktivität für Einwohner und Touristen, insbesondere aus den benachbarten Niederlanden, gezielt auszubauen.
IHK Podiumsdiskussion am 25.August 2026 im NOZ-Eventquartier Lingen.
Viele Investitionen seien dabei mit Blick auf die kommunale Haushalte nur nachhaltig möglich, wenn es der Wirtschaft vor Ort gut gehe. Entsprechend formulierte IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf zum Abschluss der jeweiligen Veranstaltungen seinen Wunsch an die neue Hauptverwaltungsbeamten und Räte: Wirtschaftspolitische Themen müssten in der neuen Wahlperiode oberste Priorität genießen.
Fotos: Helmut Kramer (Lingen) und Udo Wohlrab (Nordhorn)
Fotos: Helmut Kramer (Lingen) und Udo Wohlrab (Nordhorn)