Wirtschaftshilfen für betroffene Unternehmen

Krieg in der Ukraine

Auswirkungen auf die Region

Der Krieg in der Ukraine erschüttert die Wirtschaft: "Gewinner kann es in solch einer Situation niemals geben", betont Dr. Gunter Schaible, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen für die Bereiche International, Verkehr und Handel. "Aufgrund der russischen Angriffe verschärfen die EU und andere Länder ihre Sanktionen gegenüber Russland."
91 Unternehmen im Bezirk der IHK Aachen – in der Städteregion Aachen sowie in den Kreisen Düren, Euskirchen und Heinsberg – sind in der Ukraine aktiv. Zu Firmen in Russland haben 154 Unternehmen aus der Region Geschäftsbeziehungen. Die meisten von ihnen exportieren, einige importieren Waren. Rund 40 davon betreiben in Russland eine Niederlassung oder Vertretung. Im Jahr 2020 exportierten nordrhein-westfälische Firmen Waren im Wert von 3,2 Milliarden Euro nach Russland. 
"Aufgrund der seit Jahren unsicheren Lage haben sich deutsche Firmen schon vor einiger Zeit komplett aus dem Osten der Ukraine zurückgezogen", sagt Schaible. "Nun müssen sich auch Unternehmen, die in Russland aktiv sind, auf tiefgreifende Änderungen einstellen. Sie können mit ihren bisherigen Partnern entweder nicht mehr oder nur noch eingeschränkt zusammenarbeiten." Im Jahr 2020 exportierten nordrhein-westfälische Firmen Waren im Wert von 3,2 Milliarden Euro nach Russland. Dies bestätigt auch eine aktuelle DIHK-Blitzumfrage.

Wirtschaftshilfen für betroffene Unternehmen

Bürgschaftsprogramme

Die Erweiterungen bei den Bund-Länder-Bürgschaftsprogrammen für vom Ukraine-Krieg betroffene Unternehmen laufen bereits: Für entsprechende Bürgschaften der Bürgschaftsbanken können Anträge gestellt werden. Das Gleiche gilt für das Großbürgschaftsprogramm, in dem Betriebsmittel- und Investitionskredite von Unternehmen ab 20 Millionen Euro Bürgschaftsbedarf innerhalb und ab 50 Millionen Euro Bürgschaftsbedarf außerhalb strukturschwacher Regionen verbürgt werden – in der Regel mit 80 Prozent, in besonderen Einzelfällen mit bis zu 90 Prozent. Die Entscheidung über den Antrag erfolgt erst nach der beihilferechtlichen Genehmigung.

KfW-Sonderkredite

Das  KfW-Sonderprogramm UBR 2022 soll kurzfristig die Liquidität der Betriebe sichern. Es verschafft Unternehmen aller Größenklassen und Branchen Zugang zu zinsgünstigen Krediten mit einem Volumen von bis zu 100 Millionen Euro bei weitgehender Haftungsfreistellung der Hausbanken. Zusätzlich wird eine Konsortialfinanzierungsvariante mit substanzieller Risikoübernahme angeboten, also eine Version, an der sich mehrere Banken beteiligen.
Beide Programme sind bis zum 31. Dezember 2022 befristet. Um sie in Anspruch nehmen zu können, müssen Unternehmen nachweisen, dass sie infolge der Sanktionen gegenüber Russland und Belarus oder der Kriegshandlungen in der Ukraine etwa Umsatzrückgänge oder Produktionsausfälle erlitten haben oder dass ihre Energiekosten mindestens 3 Prozent des Jahresumsatzes 2021 ausmachen.

Weitere Maßnahmen sollen folgen

Weitere wichtige Teile des Hilfspakets sind noch in der Vorbereitung. Das gilt für die  Anfang April angekündigten direkten Energiekosten-Zuschüsse, für Eigenkapitalhilfen und ein Finanzierungsprogramm für Unternehmen, die von dramatischen Preissprüngen an Energiebörsen belastet sind. Mehr Infos zum Start des Schutzschildes gibt es auf der  Website des Bundesfinanzministeriums
Ansprechpartner für Wirtschaftshilfen für betroffene Unternehmen ist René Oebel, Tel.: 0241 4460227, E-Mail: rene.oebel@aachen.ihk.de

DIHK-Blitzumfrage

In der bundesweiten DIHK-Blitzbefragung unter 3.700 Unternehmen aus allen Branchen und Regionen sehen sich 78 Prozent der Betriebe vom Krieg und seinen Folgen geschäftlich betroffen. Im Detail berichten 60 Prozent der Unternehmen von Auswirkungen wie steigenden Preisen oder gestörten Lieferketten, 18 Prozent nennen direkte Folgen – etwa den Verlust von Kunden oder Lieferanten. Lediglich 22 Prozent der Unternehmen gaben an, sie spürten bislang keine Auswirkungen von Krieg und Sanktionen.  
Laut der aktuellen Umfrage spürt die deutsche Wirtschaft die Auswirkungen der russischen Invasion in der Ukraine in der ganzen Breite. Für die Unternehmen, selbst für stark betroffene, ist dennoch Krieg keine Basis für Geschäfte. So ist trotz schmerzlicher Einbußen kaum Kritik an den verhängten Sanktionen zu vernehmen.
Über alle Branchen hinweg nennen neun von zehn Unternehmen höhere Energiekosten als spürbaren Effekt im eigenen Betrieb. Bereits vor dem Krieg haben rund zwei Drittel aller Unternehmen hier ein Risiko für ihre geschäftliche Entwicklung gesehen. Besonders alarmierend sind die Ergebnisse aus der Industrie: Drei Viertel der Industriebetriebe leiden unter Störungen in der Lieferkette und Logistik (Gesamtwirtschaft 61 Prozent), fast 90 Prozent unter fehlenden Rohstoffen und Vorleistungen (Gesamtwirtschaft 66 Prozent). Während nur neun Prozent sich gar nicht betroffen sehen, spüren rund ein Drittel der Betriebe direkte Folgen von Krieg, Sanktionen und Gegensanktionen  – fast doppelt so viel wie in der Gesamtwirtschaft.   
Der schreckliche Krieg schlägt auch auf die deutsche Wirtschaft durch. Bereits zu Jahresbeginn war aufgrund der hohen Energiepreise die DIHK-Konjunkturprognose eher zurückhaltend. Nun herrscht in der auf Energie und Rohstoffe angewiesenen Industrie sowie bei Verkehr und Logistik eher Krisenstimmung. Konjunkturprognosen sind nun Makulatur. 
Zwei Drittel der Unternehmen müssen angesichts ihrer Kostenklemme mit der Weitergabe von Preissteigerungen an Kunden reagieren. Hier droht nun zusätzliches Inflationspotential. Häufig genannt werden auch mehr Lagerhaltung (32 Prozent), Streichung oder Verschiebung von Investitionen (30 Prozent), Suche nach neuen Lieferanten und Personalanpassung (jeweils 21 Prozent). 
Bei den direkt vom Krieg, Sanktionen und Gegensanktionen betroffenen Unternehmen nennen fast drei Viertel als konkrete Auswirkungen den “Verlust von Geschäftspartnern“ und knapp die Hälfte “Hindernisse im Zahlungsverkehr“. 40 Prozent erleben eine “erhöhte Rechtsunsicherheit“. Mehr als ein Viertel der Betriebe muss einen Zahlungsausfall bei bereits gelieferter Ware verkraften.