IHK-Region Ulm, Frühjahr 2026
Regionale Wirtschaft tritt weiter auf der Stelle
Die regionale Wirtschaft hat sich in den letzten Monaten besser entwickelt als erwartet. Zahlreiche Dienstleister und Industrieunternehmen konnten in den ersten Monaten dieses Jahres ihre Lage verbessern. Das Niveau bleibt dennoch schwach. Auch ist angesichts ungelöster inländischer Strukturprobleme und zusätzlicher externer Belastungen kein nachhaltiger Aufschwung in Sicht. Die hiesige Wirtschaft steht unter Dauerstress und kommt aus dem Krisenmodus nicht heraus. Die zunehmende Enttäuschung über die deutsche Wirtschaftspolitik sowie die gestiegenen globalen Unsicherheiten bremsen die betrieblichen Investitions- und Beschäftigungspläne zusätzlich.
Die ersten Monate des Jahres sind für viele Unternehmen in der IHK-Region Ulm etwas besser gelaufen als zuvor erwartet. Die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen aus der Region hat sich stabilisiert, die Umsätze sind nicht weiter zurückgegangen, die Ertragslage hat sich per Saldo etwas entspannt. Die stark steigenden Rohölpreise scheinen sich auch dank betrieblicher Absicherungsmaßnahmen erst nach und nach negativ auf die Ertragsentwicklung der Unternehmen auszuwirken.
Ihre aktuelle wirtschaftliche Situation bewertet die hiesige Wirtschaft folglich besser als zum Jahresauftakt. Der Anteil der Unternehmen in guter Lage ist von 29 auf 36 Prozent gestiegen, der Anteil der Betriebe, denen es schlecht ergeht, ist von 22 auf 20 Prozent zurückgegangen. Der sich aus der Differenz von positiven und negativen Tendenzen ergebende Lage-Indikator ist somit von sechs auf 16 Punkte gestiegen. Damit fällt er so positiv aus wie seit zwei Jahren nicht mehr, liegt aber weiter merklich unter dem langjährigen Durchschnitt.
Industrie und Dienste im Plus, Handel senkt die Daumen
Die Zufriedenheit mit der eigenen wirtschaftlichen Lage hat vor allem in der regionalen Industrie zugenommen. Eine stabilere Nachfrage aus dem In- und Ausland sowie nicht weiter abnehmende Umsätze haben es einem Teil der Unternehmen ermöglicht, ihre Ertragssituation zu verbessern. Wenngleich sich immer noch mehr Industriebetriebe in einer schlechten Ertragslage als in einer guten befinden. Davon haben auch die unternehmensnahen Dienstleiter profitieren können, deren Geschäfte auf einem stabilen, im Vergleich zur Industrie recht hohen Niveau verlaufen.
Der Handel bekommt die Auswirkungen des Irankrieges dagegen bereits deutlich zu spüren. Insbesondere der Einzelhandel wird dabei von zwei Seiten in die Zange genommen. Auf der einen Seite nagen steigende Energiekosten direkt an den Erträgen. Anderseits führen die stark verteuerten Benzin- und Dieselpreise zu einer wachsenden Sparsamkeit der Kundschaft und drücken auf die ohnehin schwache Konsumlaune. Der Anteil der Händler mit Umsatzeinbußen ist von 22 Prozent auf 31 Prozent gestiegen.
Zunehmende Risiken schüren Skepsis
Neben der unsicheren Nachfrageentwicklung bereiten weiterhin die Energie- und Arbeitskosten sehr vielen Unternehmen Sorgen. Nachgelassen hat dagegen die Relevanz der Wirtschaftspolitik als Risikofaktor. Daraus lässt sich eine gewisse Erleichterung darüber vermuten, dass Deutschland nach sechs Monaten endlich wieder eine Bundesregierung mit eigener Mehrheit im Parlament hat. Diese muss jetzt aber auch rasch liefern und für bessere Rahmenbedingungen und mehr Verlässlichkeit sorgen, damit sich die Stimmungsbesserung fortsetzt.
Eine verstärkte Risikowahrnehmung deutet jedoch darauf hin, dass sich die momentane Lagebesserung in der regionalen Wirtschaft in den nächsten Monaten kaum verstetigen dürfte. Die Konflikte im Nahen Osten legen die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von fossilen Energieträgern sowie von reibungslos funktionierenden internationalen Lieferketten erneut offen. Die Sorgenfalten auf der Stirn der meisten Unternehmer haben seit Jahresbeginn stark zugenommen. Der Anteil der Betriebe, die die künftige Entwicklung der Energiekosten als Risiko für die eigenen Geschäfte nennen, ist von 45 auf 67 Prozent nach oben geschossen – in der Industrie von 49 auf 75 Prozent. Damit haben die Energiekosten die Inlandsnachfrage als Risiko Nummer eins abgelöst, nicht nur in der Industrie.
Die Risikonennungen bei den Rohstoffkosten haben sich in der Industrie sogar auf 69 Prozent mehr als verdoppelt. Zwar bereiten drohende Lieferengpässe und Störungen der Lieferketten weniger Betrieben (43 Prozent) Sorgen, jedoch hat sich ihre Anzahl damit fast verdreifacht. Die geopolitischen Spannungen treiben in der hiesigen Industrie sieben von zehn Unternehmen um, in der Gesamtwirtschaft fast sechs von zehn.
Die Nachfragerisiken haben dagegen etwas an Bedeutung verloren. Gerade aus dem Ausland sind auch bei der aktuellen Nachfragetendenz und bei den Exporterwartungen belebende Elemente sichtbar. Dies gilt insbesondere für den europäischen und nordamerikanischen Markt. Insgesamt bleibt die Zahl der Betriebe, die in der Gesamtnachfrage ein Risiko sehen aber weiterhin auf hohem Niveau. Das gilt auch für die Arbeitskosten.
Der Blick auf die kommenden zwölf Monate der hiesigen Wirtschaft verharrt letztlich auch in leichter Skepsis. Zwar ist der Anteil der Unternehmen, die zuversichtlich nach vorn blicken von 17 auf 19 Prozent gestiegen, jedoch hat auch die Zahl der Pessimisten, die mit einer Verschlechterung ihrer Geschäfte rechnen, von 21 auf 24 Prozent zugelegt. Allein die hiesige Industrie bleibt leicht zuversichtlich. In Handel und Dienstleistungen überwiegt weiterhin die Skepsis.
Dass die merklichen fiskalischen Impulse, die von den stark steigenden Staatsausgaben (Sondervermögen) ausgehen, der hiesigen Konjunktur ein wenig Dynamik bescheren könnten, daran scheint die Mehrheit der hiesigen Unternehmen nicht zu glauben. Im Gegenteil: Der Anteil der Betriebe, die in der Wirtschaftspolitik ein Geschäftsrisiko sehen, hat von 38 auf 45 Prozent zugenommen.
Zurückhaltende Investitionspläne
Aufgrund der fehlenden Impulse und des hohen Grades an Verunsicherung hält sich die regionale Wirtschaft weiterhin mit Inlandsinvestitionen zurück. Nur jedes fünfte Unternehmen plant seine Ausgaben für Inlandsinvestitionen in den nächsten zwölf Monaten zu erhöhen. 44 Prozent gehen von einem gleichbleibenden Engagement aus. Fast ein Viertel der Betriebe will weniger investieren, knapp zwölf Prozent investieren gar nicht. Somit dürften von den Inlandsinvestitionen erneut kaum Impulse für die regionale ausgehen, sie verharren auf niedrigem Niveau.
Die Investitionszurückhaltung ist dabei in der Industrie stärker ausgeprägt. Die Dienstleister hegen dagegen leicht aufwärts tendierende Investitionsabsichten. Die meisten Unternehmen tätigen Ersatzinvestitionen und nutzen die häufig für die weitere Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse. Energieeffizienz wird als Investitionsmotiv ebenfalls häufig genannt, gefolgt von Innovations- und Rationalisierungsinvestitionen. In die Erweiterung der eigenen Kapazitäten investieren nur wenige Betriebe.
Frühjahresbelebung auf dem Arbeitsmarkt fällt aus
Trotz der anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Entwicklung bleibt der regionale Arbeitsmarkt stabil. Ende April 2026 lag die Arbeitslosenquote in der IHK-Region Ulm wie schon im März bei 3,4 Prozent. Die übliche Frühjahrsbelebung fällt in diesem Jahr damit jedoch nahezu aus. Trotzdem bleibt die Region Ulm der IHK-Bezirk mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit in Deutschland.
Mit Neueinstellungen werden sich die hiesigen Unternehmen angesichts der mauen Rahmenbedingungen weiterhin zurückhalten. Wie schon zu Jahresbeginn zeigen die Beschäftigungsabsichten nach unten. Knapp 12 Prozent der Unternehmen brauchen zusätzliches Personal, drei von zehn Betrieben wollen ihre Belegschaften verkleinern. 59 Prozent der Unternehmen planen, ihren Personalbestand in etwa konstant zu halten.
Die Konjunktur in den Branchen:
- Industrie: Fragile Erholung
- Handel: Weitere Eintrübung der Stimmung
- Dienstleistungen: Stagnation auf gutem Niveau
Der IHK-Konjunkturklimaindex spiegelt das Ergebnis der IHK-Konjunkturumfrage in einem Wert wider. Er ist ein Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung. Entscheidend für die Interpretation der konjunkturellen Entwicklung im Zeitablauf ist die Veränderung des Index’. Nimmt er zu, wird sich die Konjunktur tendenziell positiv entwickeln, nimmt er ab, verschlechtert sich hingegen tendenziell die wirtschaftliche Entwicklung.
IHK-Saldenindikatoren (nicht barrierefrei, PDF-Datei · 31 KB) werden als Saldo der positiven und negativen Antworten zu den jeweiligen Fragen ermittelt und können demnach zwischen -100 und +100 Prozentpunkten liegen. Ein Indikator von Null zeigt an, dass sich die positiven und negativen Antworten genau die Waage halten.
Zum Ausweis der Arbeitslosenquote wird im Konjunkturbericht der IHK Ulm auf die Daten der Bundesagentur für Arbeit zurückgegriffen. Die zugrundeliegende Berechnungsmethodik beruht auf dem Verhältnis der Arbeitslosen zu allen zivilen Erwerbspersonen.
Der Konjunkturbericht der IHK Ulm erscheint tertialsweise. Der aktuelle Bericht basiert auf der Umfrage zum 2. Tertial 2026. Von über 38.000 Mitgliedern der IHK Ulm wurde ein repräsentativer Ausschnitt von 368 Unternehmen befragt, von denen sich 156 (42,2 Prozent) an der Umfrage beteiligt haben.
