Konjunktur im Handel

Handel: Weitere Eintrübung der Stimmung

Sowohl im Großhandel als auch im Einzelhandel hat die Zufriedenheit mit dem Lauf der Geschäfte abgenommen. Die Geopolitik und ihre Folgen dämpfen die Erwartungen in beiden Branchen.

Einzelhandel:

Die zu Beginn dieses Jahres vom regionalen Einzelhandel gemeldete Besserung ihrer geschäftlichen Lage hat sich in den Monaten darauf nicht fortsetzten können. Mit dem Ausbruch des Iran-Krieges hat die schon zuvor geringere Kaufbereitschaft nochmals abgenommen. Die zu Jahresbeginn gestiegenen Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung sowie die in der Folge des Iran-Krieges explodierten Benzin- und Dieselpreis nagen am verfügbaren Einkommen der Verbraucher. Die anziehenden Inflationsraten schüren zusätzlich die Verunsicherung der Händler und ihrer Kundschaft. Aktuell klagen rund sieben von zehn Betrieben über eine zurückhaltende Kaufbereitschaft,
Geringere Erlöse sind für knapp die Hälfte der hiesigen Einzelhändler die Folge. Ihnen stehen 27 Prozent der Betriebe gegenüber, die sich trotz schwacher Konjunktur behaupten konnten und höhere Umsätze erwirtschaftet haben. Per Saldo blieb somit weniger im Einzelhandel hängen. Eine wachsende Zahl von Betrieben senkt folglich die Daumen: 41 Prozent der Unternehmen bewerten ihre aktuelle Lage als schlecht, ein Anstieg um knapp zehn Prozentpunkte gegenüber dem Jahresauftakt. Die Zahl der Händler in guter Lage ist von 31 auf 21 Prozent zurückgegangen.
In den kommenden Monaten dürfte sich an dieser Unzufriedenheit wenig ändert. Zwar ist die Zahl der zuversichtlichen Betriebe gestiegen, der Anteil der skeptischen Unternehmen hat jedoch noch stärker zugenommen. Per Saldo ist die Skepsis damit leicht auf dem Vormarsch. Die Pläne für Investitionen und Beschäftigung bleiben zurückhaltend.

Großhandel:

Die Zufriedenheit mit den eigenen Geschäften hat auch im regionalen Großhandel im Vergleich zum Jahresbeginn abgenommen. Steigende Kosten bei stagnierenden Umsätzen nagen an den Erträgen. 25 Prozent der Betriebe meldet aktuell eine gute Geschäftslage (vier Prozentpunkte weniger als zu Beginn des Jahres). 28 Prozent bewerten ihre aktuelle Situation als schlecht (+ vier Prozentpunkte), Somit laufen die Geschäfte unverändert für 47 Prozent der Großhändler auf befriedigendem Niveau.
Abb-Großhandel
Der Blick nach vorn wird wie im Einzelhandel auch im Großhandel von den zunehmenden Risiken und der verstärkten Verunsicherung getrübt. Der Anteil der Unternehmen, denen die Energiekosten Sorgen bereiten hat auf 81 Prozent verdoppelt. Nicht so rasant, aber ebenfalls sehr kräftig ist die Zahl der Risikonennungen bei den geopolitischen Spannungen und den Lieferketten/Lieferengpässen nach oben geschnellt. Zudem bleiben die vor dem Irak-Krieg am meisten genannten Risiken (Inlandsnachfrage und Arbeitskosten) weiterhin bestehen. Folglich sind aus den leicht zuversichtlichen Erwartungen vom Jahresbeginn inzwischen leicht skeptische Erwartungen geworden. Die verschlechterte aktuelle Bestelleingangstendenz bestätigt diese Erwartungshaltung zusätzlich. Der Großhandel tritt vorsorglich bei den Inlandsinvestitionen und der Personalplanung kräftig auf die Bremse.