Industriekonjunktur, Frühjahr 2026

Industrie: Fragile Erholung

Ihre zurückhaltenden Erwartungen zu Beginn dieses Jahres hat die Industrie aus der IHK-Region Ulm in den vergangenen Monaten übertroffen. Der Absatz konnte stabilisiert, Kosten eingespart werden. Diese positive Entwicklung bleibt jedoch äußerst fragil. Durch den Iran-Krieg sind die globalen Risiken massiv angestiegen und drohen jegliche Erholungstendenzen gleich wieder auszubremsen. Angesichts weiterhin ungelöster Strukturprobleme im Inland, nimmt die hiesige Industrie ihre Füße vorerst nicht von der Bremse. An ihren Investitionsplänen fürs Inland setzen viele Unternehmen erneut den Rotstift an, das gilt ebenso für den Personalbedarf.
Die regionale Industrie steht im Frühjahr 2026 merklich besser da als noch zu Jahresbeginn. Dier seit drei Jahren anhaltende Umsatzschwund konnte eingedämmt, die Kapazitätsauslastung um vier Prozentpunkte auf 77 Prozent gesteigert werden. Jedoch beruht letztere nicht unbedingt auf einer Produktionsausweitung, sondern zum Teil auch auf einem Rückbau vorhandener Kapazitäten. Die dadurch eingesparten Kosten haben zur Stabilisierung der ungünstigen Ertragslage beigetragen.
In der Folge bewertet die Industrie in der IHK-Region Ulm ihre aktuelle Lage merklich besser als noch zu Jahresbeginn. Der Anteil der Unternehmen mit guter Lage ist von 21 Prozent auf ein Drittel angestiegen. Schlecht geht es einem Viertel der Betriebe, ein Rückgang um neun Prozentpunkte. Damit übertrifft die Zahl der Industrieunternehmen in guter Lage erstmals seit zwei Jahren wieder die Zahl der Betriebe mit schlecht laufenden Geschäften. Der Lageindikator, der die Differenz zwischen positiven und negativen Lageeinschätzungen abbildet, ist mit aktuell acht Punkten jedoch immer noch weit von seinem langfristigen Durchschnitt von 26 Punkten entfernt.
Zu einer Aufbruchstimmung kommt es trotz der sehr erfreulichen Lagebesserung jedoch nicht. Mit dem Iran-Krieg sind hat sich der Konjunkturhimmel über der hiesigen Industrie noch stärker zugezogen. Der Anteil der Unternehmen, denen die geopolitischen Spannungen Sorgen bereiten, ist von 57 auf über 77 Prozent geklettert. 75 Prozent der Betriebe befürchten steigende Energiekosten, 69 Prozent anziehende Rohstoffkosten. Damit haben die globalen Risiken die heimischen Risiken (Inlandsnachfrage, Arbeitskosten) von den ersten Plätzen im Risikoranking verdrängt. Zudem geraten mögliche Unterbrechungen von Lieferketten wieder verstärkt in den Fokus einer rasch wachsenden Zahl von Industriebetrieben. Hinzu kommt der wachsende Frust über ausbleibende Strukturreformen, die nachhaltig die Wettbewerbsfähigkeit des Standort Deutschland verbessern.
Lichtblicke sind derzeit rar. Allein die Exporterwartungen haben sich spürbar verbessert. Der Anteil der Industrieunternehmen, die mit steigenden Ausfuhren rechnen, hat sich auf über 42 Prozent etwas mehr als verdoppelt. Abnehmende Exporte befürchten 23 Prozent der Betriebe, 3 Prozentpunkte weniger als zum Jahresauftakt. Mit frischen Impulsen rechnet die hiesige Industrie vor allem aus Nordamerika und der Euro-Zone. Im Inland rechnet die Branche dagegen mit weiteren Umsatzrückgängen.
Angesichts der hohen Risiken und Verunsicherung reichen die positiven Exporterwartungen jedoch nicht für eine Aufhellung der Stimmung aus. Es blicken zwar mit einem Anteil von 29 Prozent etwas mehr Unternehmen optimistisch nach vorn, jedoch hat auch die Zahl der Pessimisten um drei Punkte auf 23 Prozent zugenommen.
In der Folge hält sich die regionale Industrie mit Investitionen im Inland weiterhin zurück. 19 Prozent der Unternehmen haben ihre Investitionsbudgets für die nächsten zwölf Monate erhöht, deutlich mehr (32 Prozent) wollen weniger für Inlandsinvestitionen ausgeben. Weitere acht Prozent investieren gar nicht. Vier von zehn Betrieben wollen ihr Engagement auf dem bisherigen, geringen Niveau belassen. Das verstärkt die Nachfrageschwäche im Inland. Unumgängliche Ersatzinvestitionen in die hiesigen Standorte werden überwiegen mit dem Ziel der Kostenreduzierung (Rationalisierung, Energieeffizienz) sowie für Digitalisierungs- und Innovationsvorhaben getätigt. Auch der Personalbedarf zeigt weiterhin nach unten. 43 Prozent der Betriebe wollen ihre Belegschaften verkleinern, lediglich knapp 12 Prozent benötigen zusätzliches Personal.