Pressemitteilung 15.05.2024

Klimaschutz im Fokus – Unternehmen in der Region Stuttgart passen ihre Reiserichtlinien an

IHK-Umfrage zum Flugverhalten zeigt: Betriebe vermissen innereuropäische Verbindungen

Der Klimaschutz rückt bei den Unternehmen immer mehr ins Bewusstsein. Rund 20 Prozent der Betriebe haben in den vergangenen drei Jahren ihre Dienstreise-Richtlinien angepasst. Dabei entscheidet meist die Entfernung des Reiseziels über die Wahl des Verkehrsmittels. Das ist das Ergebnis einer IHK-Umfrage zum Stuttgarter Flughafen (nicht barrierefrei, PDF-Datei · 1951 KB) unter geschäftlich reisenden Unternehmen, an der sich 437 Betriebe aus der Region Stuttgart beteiligt haben.
„Die Unternehmen übernehmen zunehmend Verantwortung für den Klimaschutz und arbeiten aktiv daran, ihre Geschäftsreisen umweltfreundlicher zu gestalten“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführerin Susanne Herre. So würden Termine gebündelt, Videokonferenzen bevorzugt und wo immer möglich auf andere Verkehrsmittel, als das Flugzeug umgestiegen. Zusätzlich gibt es bei einem Viertel der Unternehmen Bemühungen zur Klimakompensation. „Das zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind. Der Klimaschutz wird ernst genommen und immer fester in den Köpfen verankert.“

Nutzung des Flughafens geht weiter zurück

Die Folgen der klimafreundlichen Ausrichtung der Betriebe bekommt der Flughafen zu spüren. Gegenüber der Vor-Corona-Zeit ist die Zahl der Nutzerinnen und Nutzer um 4,3 Millionen gesunken. Die Mitarbeitenden der teilnehmenden Betriebe beginnen gut 71 Prozent ihrer Dienstreisen am Stuttgarter Flughafen, 2014 waren es 80 Prozent, 2007 noch 83 Prozent.  

Mehr Verbindungen nach Osteuropa

Das veränderte Flugverhalten im Inland biete auch Chancen, so Herre. So könnten frei gewordene Kapazitäten genutzt und insbesondere für europäische Strecken ausgebaut werden. „Viele Unternehmen nutzen die Flughäfen in Frankfurt oder sogar Zürich für innereuropäische Dienstreisen, weil dort das Angebot an passenden Verbindungen größer ist. Für unseren Wirtschaftsstandort ist es wichtig, dass Stuttgart hier nachzieht, damit neben einem möglichen Start und Ende für Dienstreisen in Stuttgart auch zentrale Meetings nicht an andere Standorte verlagert werden.“
Dem entspricht, dass von den Geschäftsreisenden laut Umfrage vermehrt Verbindungen nach Osteuropa gewünscht werden, insbesondere nach Polen und Rumänien. „Diese beiden Länder gewinnen mehr und mehr an Bedeutung für die regionale Wirtschaft, weshalb die Erreichbarkeit auch zunehmend wichtiger wird“, sagt Herre. Im Exportbereich ist Polen unter den Top 10 Ländern (Platz 9) und Rumänien unter den Top 20 Ländern (Platz 17). Im Vergleich zum Vorjahr ist bei Polen ein Zuwachs um 14,9 Prozent zu verzeichnen, bei Rumänien sogar ein Zuwachs um 24,4 Prozent. Rumänien hat somit das fünftstärkste Exportwachstum unter den Außenhandelspartnern. (Stand Januar 2024, bezogen auf Baden-Württemberg)

Mangel an interkontinentalen Flugverbindungen

Der Mangel an Direktverbindungen in die Geschäftszentren der Welt wirkt sich auch auf die Bewertung der interkontinentalen Flugverbindungen aus. Gut elf Prozent der Nutzer sind mit dem interkontinentalen Flugangebot ab Stuttgart zufrieden, mehr als 72 Prozent bewerten diese jedoch mit ausreichend oder schlechter. Unverändert gegenüber früheren Umfragen beklagen die Unternehmen fehlende Non-stop-Langstreckenverbindungen in wichtige Märke wie die USA und den asiatischen Raum. „Diese wären ein enormer Standortvorteil für unsere auslandsaktiven Betriebe“, so Herre.

Relevanz der Flughafenanbindung

Damit der Flughafen seine Bedeutung für Geschäftskunden halten kann, spielt auch die Anbindung eine entscheidende Rolle. „Mit dem künftig neuen Stuttgarter Hauptbahnhof erwarten wir uns auch einen Schub, was das Thema Erreichbarkeit des Flughafens angeht“, so Herre. Neben dem Schienenverkehr sei auch die Anreise mit dem PKW wichtig. Dabei spielt die B27 und ihr sechsspuriger Ausbau eine besondere Rolle. Die Leitung des nördlichen Bauabschnitts wurde an die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und Bau GmbH (DEGES) übergeben, der südliche Teil verbleibt bei der Straßenbauverwaltung Baden-Württemberg, die die Planung allerdings zurückgestellt hat. „Hier muss es jetzt zeitnah weitergehen“, fordert Herre. „Der Ausbau zu einer leistungsfähigen Hauptachse in der Region bringt nicht nur eine bessere Anbindung für Reisende, es ist auch eine Maßnahme für den Umweltschutz, weil Ausweichverkehre und Staus deutlich reduziert werden.“