Leichter Aufwind im neuen Jahr
Das Jahr 2026 beginnt für die Wirtschaft in der Region Stuttgart mit einem leichten Aufwind. Nach den turbulenten Monaten des Vorjahres, das im Herbst 2025 seinen Tiefpunkt erreichte, zeichnet sich für viele Unternehmen eine spürbare Erholung ab. Der Lageindikator verbessert sich von –7 auf 4 Punkte. Rund 27 Prozent der Betriebe bewerten ihre wirtschaftliche Lage als gut – ein Plus von 4 Prozentpunkten im Vergleich zum Herbst. Gleichzeitig hat sich der Anteil der Unternehmen in schlechter Lage auf 23 Prozent verringert, was einem Rückgang um 7 Prozentpunkte entspricht. Trotz dieser positiven Tendenzen bleiben die Herausforderungen groß, wie die Entwicklungen des vergangenen Jahres deutlich gezeigt haben.
Besonders die Wiederwahl des amerikanischen Präsidenten führte 2025 zu erheblichen Turbulenzen im internationalen Handel. Die wiederholt kurzfristigen Erhöhungen und Senkungen der Zölle auf europäische Produkte erzeugten spürbare Unsicherheit. Erst im Sommer konnte zwischen der Europäischen Union und der US‑Regierung eine Teil‑Einigung erzielt werden: Für die Einfuhr europäischer Güter gelten seither Zollsätze von 15 Prozent, während bei einzelnen Produktgruppen – wie etwa Stahl und Aluminium – weiterhin Strafzölle von 50 Prozent Anwendung finden.
Diese erratische Handelspolitik hat spürbare Verwerfungen im internationalen Warenverkehr ausgelöst. Für die exportorientierte Region Stuttgart, deren wirtschaftliche Stärke maßgeblich von stabilen und verlässlichen Handelsbeziehungen abhängt, erwiesen sich diese Entwicklungen als deutliche Belastung.
IHK-Konjunkturumfrage für die Region Stuttgart: Diese Analyse basiert auf der IHK-Umfrage zum Jahresbeginn 2026 an der 1027 Unternehmen zwischen dem 29. Dezember 2025 und 20. Januar 2026 teilgenommen haben.
Ihr Unternehmen möchte auch an der IHK-Konjunkturumfrage teilnehmen? Sie können sich gerne mit einer formlosen E-Mail an konjunktur@stuttgart.ihk.de anmelden.
Auch die schwache Konjunktur im Inland belastet die Unternehmen in der Region Stuttgart weiterhin deutlich. Wie bereits im vergangenen Jahr bleibt die verhaltene Inlandsnachfrage das wichtigste Geschäftsrisiko und wird von rund 70 Prozent der Unternehmen als zentrale Herausforderung für die kommenden zwölf Monate genannt.
An zweiter Stelle folgen die Arbeitskosten, die von rund 59 Prozent der Betriebe als Risiko eingestuft werden. Die Tarifabschlüsse der vergangenen Jahre sowie die jüngste Mindestlohnerhöhung erhöhen den Kostendruck spürbar und wirken sich unmittelbar auf die Ertragslage aus. Gleichzeitig gelten die Arbeitskosten als wesentlicher Standortfaktor und beeinflussen zunehmend Standort‑ und Investitionsentscheidungen der Unternehmen.
Auf den Rängen drei und vier der Risikobewertung liegen geopolitische Spannungen (41 Prozent) und die Wirtschaftspolitik (40 Prozent). Neben der belastenden Handelspolitik bereiten auch internationale Konflikte erhebliche Unsicherheit – zuletzt etwa die politischen Diskussionen rund um die Entwicklungen im arktischen Raum. Die inländische Wirtschaftspolitik wird weiterhin kritisch beurteilt. Die schwarz‑rote Bundesregierung konnte die Erwartungen vieler Unternehmen bislang nicht erfüllen; die erhofften Impulse des angekündigten „Herbstes der Reformen“ sind aus Sicht der Betriebe bislang kaum spürbar.
Die strukturellen Herausforderungen am Standort bleiben damit im Kern unverändert: Die Exportwirtschaft benötigt neue internationale Absatzmärkte, um Abhängigkeiten zu reduzieren, während im Inland bessere Rahmenbedingungen gefordert werden. In den offenen Antworten der Unternehmen werden erneut Bürokratieabbau, eine verlässliche wirtschaftspolitische Linie, sowie hohe Energie‑ und weitere Standortkosten als zentrale Belastungsfaktoren angeführt. Rund 49 Prozent der Unternehmen sehen die Energiekosten weiterhin als erhebliches Risiko.
Die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate bleiben trotz der jüngsten leichten Erholung im negativen Bereich. Etwa 20 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung der Geschäftslage, während rund 24 Prozent eine Verschlechterung erwarten. Dies spiegelt die anhaltende Skepsis wider, wie nachhaltig der jüngste Aufschwung tatsächlich ist.
Diese Zurückhaltung wirkt sich auch auf die Investitionspläne aus. Unter den Unternehmen, die Investitionen planen, wollen lediglich 20 Prozent diese im Inland ausweiten, während rund 32 Prozent eine Reduzierung beabsichtigen. Der Investitionsindikator liegt damit bei –12 Punkten und bleibt rund 16 Punkte unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.
Auch die Beschäftigungspläne zeigen die Auswirkungen der schwachen Konjunktur. Rund 14 Prozent der Unternehmen rechnen mit einem Beschäftigungsaufbau, während 30 Prozent einen Rückgang erwarten. Die Arbeitslosenquote der Region Stuttgart lag im Dezember 2025 bei etwa 5 Prozent und spiegelt damit die zunehmenden Belastungen auf dem regionalen Arbeitsmarkt wider.
Die Krisenstimmung in der Industrie ist weiterhin nicht überwunden. Zwar zeigen einzelne Branchen – etwa die Elektrotechnik – wieder eine leicht positive Lageeinschätzung, doch in der Mehrheit der Industriesektoren bleibt die Stimmung verhalten. Nur rund 16 Prozent der Industrieunternehmen befinden sich in einer guten Geschäftslage, während etwa 31 Prozent ihre wirtschaftliche Situation als schlecht bewerten. Einen positiven Akzent setzen jedoch die Exporterwartungen: Rund 35 Prozent der exportierenden Unternehmen erwarten im kommenden Jahr steigende Ausfuhren – nach der ausgeprägten Flaute des vergangenen Jahres ein spürbarer Lichtblick. Besonders die Exportperspektiven innerhalb der EU und der Euro-Zone werden positiv eingeschätzt; aber auch im Asiengeschäft wird wieder mehr Dynamik erwartet.
Eine ebenfalls positive Entwicklung zeigt das Baugewerbe. Der Lageindikator verbessert sich deutlich von –4 auf 17 Punkte. Zwar bleiben die weiteren Indikatoren – Ertragslage, Bauproduktion, Auftragseingang und Geschäftserwartungen – noch im negativen Bereich, doch scheint die Talsohle allmählich überwunden. Etwa jedes fünfte Unternehmen berichtet von einer steigenden Auftragstendenz im privaten Wohnungsbau. Mit –17 Punkten liegt der entsprechende Indikator zwar noch klar im negativen Bereich, entfernt sich jedoch deutlich von den Tiefstständen des Herbstes 2023 (–94 Punkte).
Der Einzel- und Großhandel kämpft dagegen weiterhin mit der ausgeprägten Kaufzurückhaltung der privaten Haushalte. Selbst das traditionell umsatzstarke Weihnachtsgeschäft blieb hinter den Erwartungen zurück. Rund drei Viertel der Einzelhändler melden ein zurückhaltendes Kaufverhalten ihrer Kundschaft. Auch im Großhandel wirkt die schwache Industriekonjunktur nach: Die Mehrheit der Unternehmen verzeichnet weiterhin sinkende Bestelleingänge. Der Lageindikator im Großhandel verharrt wie bereits im Herbst 2025 bei –20 Punkten; im Einzelhandel verbessert er sich jedoch um 12 Punkte auf –13 Punkte.
Das Hotel- und Gastgewerbe steckt weiterhin tief in der Krise. Die geringe Konsumlaune dämpft die Umsätze, während gleichzeitig ein hoher Kostendruck die Ertragslage belastet. Steigende Arbeits‑, Energie‑ und weitere Standortkosten setzen die Branche erheblich unter Druck. Rund 12 Prozent der Unternehmen melden eine gute Geschäftslage, während etwa 43 Prozent ihre Lage als schlecht einstufen.
Das Verkehrsgewerbe startet mit einer leichten Verbesserung ins neue Jahr. Der Lageindikator steigt von –5 auf 1 Punkt. Dennoch bestehen wesentliche Herausforderungen fort. Die schwache Industriekonjunktur wirkt sich negativ auf den Auftragseingang aus, und die Anhebung der CO₂‑Steuer hat die Preise für Benzin und Diesel spürbar erhöht. Entsprechend sehen 73 Prozent der Unternehmen die Energiekosten als erhebliches Geschäftsrisiko.
Bei den sonstigen Dienstleistungen zeigen vor allem Beratungsunternehmen aus dem technischen und kaufmännischen Bereich positive Ergebnisse. Energiewende, Transformationsprozesse und Digitalisierung erzeugen einen hohen Beratungsbedarf. Auch die Finanzdienstleistungsbranche profitiert von der Stabilisierung des Zinsniveaus. Insgesamt steigt der Lageindikator der Dienstleistungen deutlich von 13 auf 21 Punkte.