Region Stuttgart, Konjunkturumfrage Frühsommer 2026
Rückschlag nach kurzer Erholung
Die wirtschaftliche Erholung in der Region Stuttgart ist im Frühjahr 2026 erneut ins Stocken geraten. Nach einem kurzen Aufatmen zum Jahreswechsel fällt der Lageindikator um 8 Punkte und liegt mit minus 4 Punkten wieder im negativen Bereich. Rund 23 Prozent der Betriebe bewerten ihre Lage als gut – zum Jahresbeginn waren es noch 27 Prozent. Nun sind es 27 Prozent, die eine schlechte Geschäftslage zurückmelden. Der Rückschlag ist eine Mischung aus zwei verschiedenen Belastungen. Zum einen wirkt der geopolitische Schock durch den Iran-Krieg, der die internationalen Energiemärkte und das Auslandsgeschäft trifft. Zum anderen besteht die seit Jahren beklagte Standortschwäche, die das inländische Geschäft dämpft.
Der zentrale externe Auslöser für die gedämpfte Stimmung in der Region ist der Konflikt am Persischen Golf, der die internationalen Energiemärkte erschüttert hat. Der Substanzverlust der letzten Jahre lässt die Region Stuttgart weniger resilient auf Schocks solcher Art reagieren, da weniger Flexibilität und Anpassungsspielräume vorhanden sind. Nach der Schließung der Straße von Hormus stiegen die Notierungen für Öl und Gas aufgrund der Verknappung am Markt sprunghaft – ein Effekt, der sich in der Risikobewertung der Unternehmen unmittelbar abbildet. Die Sorge um die Energiepreise klettert von 40 auf 57 Prozent der Nennungen, der höchste Wert seit dem Ende der Energiekrise im Frühsommer 2023. Auch die geopolitischen Spannungen werden häufiger genannt, von 41 auf 54 Prozent. In der exportorientierten Region Stuttgart wirken Unsicherheiten im internationalen Handel stark geschäftsschädigend. Weiterhin sorgen die US-amerikanischen Zollverwerfungen für einen Absatzverlust am dortigen Markt, gleichzeitig werden Lieferketten aufgrund der militärischen Auseinandersetzung in der Golfregion gestört.
Im aktuellen Geschäft hat sich nicht nur die Lagebewertung verschlechtert. Auch der Umsatz hat in den vergangenen Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nachgegeben – der Saldo sinkt um 7 Punkte auf minus 14 Punkte. 40 Prozent der Unternehmen melden gefallene Umsatzzahlen. Die Ertragslage gibt in derselben Größenordnung nach und liegt ebenfalls bei minus 14 Punkten. Beim Auftragseingang bewegt sich der Saldo bei minus 11 Punkten kaum gegenüber der vorigen Umfrage. Die schwache Inlandsnachfrage und die schwächelnden Absatzmärkte lassen die Aufträge weiterhin tendenziell fallen. Dies ist als Frühindikator für kommende Umsätze zu verstehen und verdeutlicht, dass die strukturelle Krise noch länger andauern wird.
IHK-Konjunkturumfrage für die Region Stuttgart: Diese Analyse basiert auf der Konjunkturumfrage zum Frühjahr 2026 der IHK Region Stuttgart, an der 966 Unternehmen zwischen dem 13.04. und dem 04.05. teilgenommen haben.
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Beim Blick nach vorn ist die Stimmung nochmals verhaltener geworden. Der Erwartungssaldo gibt um 7 Punkte auf minus 11 Punkte nach. Von einer schnellen Rückkehr zur Ausgangslage vor dem Irankrieg gehen die Unternehmen eher nicht aus. Am sichtbarsten ist die Bewegung beim Auslandsgeschäft: Die Exporterwartungen verlieren 13 Punkte und kippen von plus 11 auf minus 1. Die US-Administration hält weiterhin an ihren Zöllen für die EU fest und schränkt die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Anbieter auf dem amerikanischen Markt ein. Der im Mai ausgehandelte Deal zwischen der EU und den USA wendet höhere Zölle für beispielsweise Autos ab und hält an der 15-Prozent-Obergrenze fest, lässt im Gegenzug US-Industrieimporte steuerfrei zu. Der Iran-Krieg und die damit verbundenen Störungen im internationalen Reise- und Frachtverkehr haben die Lieferketten erneut in den Fokus gerückt. 21 Prozent der Unternehmen nennen sie als Risiko, nach 11 Prozent zu Jahresbeginn.
Die Investitionsbereitschaft am Standort Deutschland bleibt verhalten. Der Saldo verbessert sich geringfügig auf minus 8 Punkte. Fehlendes Kapital, hohe Abgabenlast und eine schwache Nachfrage gestalten Investitionen unattraktiv. Auch die Investitionsmotive bleiben fast unverändert: Ersatzbedarf nennen 64 Prozent der investierenden Unternehmen, Digitalisierung 60 Prozent, Produkt- und Verfahrensinnovation 37 Prozent. Eine Kapazitätserweiterung planen 17 Prozent. Das Ausbleiben einer Veränderung im Investitionsverhalten untermalt die strukturelle Krise. Unternehmen investieren nur in den Bestandserhalt und das Notwendigste. Eine Expansion im Inland ist nur für einen Bruchteil der regionalen Wirtschaft in der jetzigen Lage interessant.
Auf dem regionalen Arbeitsmarkt schlägt die schwache Konjunktur durch. In Baden-Württemberg ist laut Bundesagentur für Arbeit die Zahl der Arbeitslosen im April 2026 saisonbereinigt um rund 3.000 Personen gestiegen; eine saisonübliche Frühjahrsbelebung blieb aus. Im Vorjahresvergleich liegt die Arbeitslosigkeit um rund 5 Prozent höher. Die Beschäftigungspläne der Unternehmen in der Region passen ins Bild: 31 Prozent rechnen mit einem Personalabbau in den kommenden zwölf Monaten, 12 Prozent mit einem Aufbau. Der Beschäftigungssaldo bleibt mit minus 19 Punkten auf dem schwachen Niveau zum Jahresbeginn.
Auf der Liste der wichtigsten Geschäftsrisiken steht der schwache Inlandsabsatz weiter an erster Stelle. 66 Prozent der Unternehmen nennen ihn als Belastung, fast unverändert gegenüber der vorigen Umfrage. Die zentrale Veränderung spielt sich dahinter ab: Die Energiepreise springen von 40 auf 57 Prozent der Nennungen, die geopolitischen Spannungen von 41 auf 54 Prozent. Beide Bewegungen sind eine direkte Folge der Lage am Persischen Golf. Die Arbeitskosten bleiben mit 55 Prozent der Nennungen ein dauerhaftes Thema und betten sich passend in die fallenden Beschäftigungspläne der Unternehmen ein.
Anders entwickelt sich das Risiko Fachkräftemangel. Der Anteil der Nennungen sinkt um 5 Prozentpunkte auf 28 Prozent. Eine Entspannung am Arbeitsmarkt ist damit nicht gemeint. Eine schwache Auftragslage, fehlende Investitionen und fallende Beschäftigungserwartungen lassen die Nachfrage nach Fachkräften sinken. Frei gewordene Stellen werden seltener nachbesetzt. Das strukturelle Problem des Fachkräftemangels bleibt – konjunkturell tritt es aber in den Hintergrund.
Geopolitische Herausforderungen setzen die Industrie unter Druck. Gemeinsam mit der schwachen Inlandsnachfrage (je 70 Prozent Nennungen) stellen sie das meistgenannte Geschäftsrisiko dar. Mit dem Irankonflikt folgt der nächste Konjunkturschock für den angeschlagenen Motor der Region. 31 Prozent melden eine schlechte Geschäftslage, die Hälfte zeigt sich zufrieden. Besonders auffällig ist die Beschäftigungssituation: Hier geben 38 Prozent an, dass ihre Belegschaft innerhalb des nächsten Jahres kleiner wird. Trotz schlechter Lage zeigen sich die Unternehmen verhalten optimistisch. Etwa ein Viertel rechnet mit einer Aufhellung ihrer Lage, etwa 31 Prozent gehen davon aus, dass das Exportgeschäft wieder steigen wird, etwas weniger als noch zu Jahresbeginn.
Das Baugewerbe steht vor großen Herausforderungen. Erwartete Mittel aus dem Sondervermögen kommen bislang kaum an. Dementsprechend fallen die Auftragseingänge tendenziell. Zusätzlich wirken die Folgen des Krieges am Golf schwer. Die Geschäftslage des Baugewerbes bricht unter den Preissteigerungen von Bitumen und anderen Baustoffen ein. Der Lageindikator liegt nun bei minus 9 Punkten. Umsatzsaldo verbessert sich zwar leicht, bleibt mit −19 Punkten aber deutlich negativ; 37 % der Unternehmen melden gesunkene Umsätze. Leicht positive Signale kommen lediglich von Investitions- und Beschäftigungsplänen, die knapp über dem Nullpunkt liegen.
Der Einzel- und Großhandel kämpft weiter mit der zurückhaltenden Inlandsnachfrage. Dementsprechend bleibt der Inlandsabsatz mit 71 Prozent der Nennungen das Top-Risiko, noch vor den Energiepreisen und den Arbeitskosten. Die Lage der Handelsunternehmen verschlechtert sich: Die Geschäftslage im Einzelhandel sinkt gegenüber der letzten Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn um 13 Punkte auf minus 24 Punkte, die Geschäftserwartung fällt von minus 21 auf minus 38 Punkte. Auch der Großhandel rutscht weiter in den negativen Bereich ab: Die Geschäftslage sinkt hier von minus 20 auf minus 31 Punkte, die Geschäftserwartung sinkt von minus 10 auf minus 19 Punkte.
Das Hotel- und Gastgewerbe kommt aus der Krise nicht heraus. Bekannte Belastungen, wie beispielsweise hohe Arbeitskosten, hohe Lebensmittel- und Energiepreise sowie eine geringe Konsumlaune, belasten die Branche weiter. Während sich die Geschäftslage minimal von minus 31 auf minus 28 Punkte verbessert, verharrt die Geschäftserwartung auf dem Niveau vom Jahresbeginn bei minus 29 Punkten.
Die leichte Erholung beim Verkehrsgewerbe, die noch in der letzten Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn zu verzeichnen war, ist schon wieder verflogen. Die Geschäftslage stürzt von 2 Punkten auf minus 16 Punkte und erreicht damit den schlechtesten Wert seit Jahresbeginn 2021. Auch die anderen Lage- und Erwartungsindikatoren stürzen ab. Die Zukunftsaussichten sind schlecht. Nur 9 Prozent der Verkehrsunternehmen rechnen mit besseren Geschäften in Zukunft, 44 Prozent mit schlechteren. Ein Haupttreiber der schlechten Lage sind die hohen Energiepreise in Folge des Konflikts in der Golfregion, die 81 Prozent der Unternehmen als mit Abstand größtes Risiko angeben.
Bei den sonstigen Dienstleistungen unterscheidet sich die Entwicklung je nach Unterbranche. Insgesamt berichten 31 Prozent der Unternehmen im gesamten Dienstleistungsbereich von einer guten Geschäftslage, 21 Prozent von einer schlechten. Die Erwartungen sehen schlechter aus: 16 Prozent der Unternehmen gehen künftig von besseren Geschäften aus, 31 Prozent rechnen mit schlechteren. Damit verschlechtern sich Lage und Erwartung gegenüber der letzten Umfrage zum Jahresbeginn. Innerhalb der Dienstleistungsbranche bleibt die Entwicklung heterogen: Die Finanzdienstleister, darunter besonders das Kreditgewerbe, sowie die Informations- und Telekommunikationsdienstleister stehen gut da. Im Gegensatz dazu verschlechtert sich die Lage in der kaufmännischen und rechtlichen Beratung und bei personenbezogenen Dienstleistungen.