Baugewerbe, Herbst 2026

Baubranche kommt nicht in Fahrt

Im Baugewerbe der Region Stuttgart laufen Umsatz und Ertrag im Herbst 2026 deutlich auseinander. Der Umsatzsaldo steigt stark um 23 Punkte und dreht mit plus 3 Punkten ins Positive. Die Ertragslage verschlechtert sich im selben Zeitraum deutlich um 15 Punkte auf minus 34 Punkte. Eine Ursache für die Schere zwischen Umsatz und Ertrag dürfte bei den Kosten liegen, welche aufgrund der Lage an der Straße von Hormus weiterhin hoch sind. 71 Prozent der Unternehmen sehen in den Energiepreisen ein Geschäftsrisiko. Die gestiegenen Bauzinsen und die ungeklärte Förderung ab 2027 dürften die Perspektiven zusätzlich dämpfen. Spürbar abgekühlt haben sich die Investitions- und Beschäftigungspläne, die im Frühsommer noch knapp im Plus lagen. Das Sondervermögen sorgt hier für keinen Aufschwung.
19 Prozent der Bauunternehmen melden eine gute Lage, 29 Prozent eine schlechte. Die Geschäftslage bleibt mit minus 10 Punkten praktisch auf dem Niveau des Frühsommers, im Vorjahresvergleich hat sie sich moderat verschlechtert. Beim Umsatz zeigt sich dagegen eine positive Bewegung von minus 19 auf plus 3 Punkte. Ein Teil des Zuwachses dürfte aus den Infrastrukturmitteln stammen, von denen bundesweit vor allem der Tiefbau profitiert. Auffällig ist die Ertragslage: Nur 14 Prozent der Betriebe bewerten sie als gut, 48 Prozent als schlecht. Anders als im Land sinkt der Ertrag in der Region trotz steigender Umsätze. Ein möglicher Grund sind hohe Kosten: Diesel und Bitumen haben sich verteuert, und die Energiepreise nennen weiterhin 71 Prozent der Betriebe als Risiko. Die Rohstoffpreise werden mit 64 Prozent dagegen etwas seltener genannt als im Frühsommer. Zwar steigen die Baupreise, bei laufenden Aufträgen lassen sich Mehrkosten aber kaum weitergeben und die höheren Preise kommen erst bei neuen Aufträgen an.
Bei den Geschäftserwartungen überwiegen wie in der Branche üblich die negativen Aussichten: 14 Prozent rechnen mit besseren, 20 Prozent mit schlechteren Geschäften. Der Saldo liegt mit minus 7 Punkten auf dem Niveau des Frühsommers. Die Investitions- sowie die Beschäftigungserwartung fallen jeweils spürbar von plus 2 auf minus 10 Punkte. Der Auftragseingang bleibt im negativen Bereich bei minus 9 Punkten. Die Betriebe nennen eine wenig verlässliche Wohnungsbauförderung, lange Genehmigungsverfahren und einen Neubau, der für viele Bauherren zu teuer geworden ist. Weiterhin werden in der Region zu wenige Wohnungen gebaut. 33 Prozent der Unternehmen berichten von fallenden Aufträgen beim Wohnungsbau, nur 8 Prozent von steigenden.
Unter den Geschäftsrisiken stehen die Energiepreise mit 71 Prozent an erster Stelle, gefolgt von der Inlandsnachfrage mit 66 Prozent, die um 6 Prozentpunkte zulegt. Die Rohstoffpreise fallen um 11 Prozentpunkte auf 64 Prozent und rutschen vom ersten auf den dritten Platz. Die Arbeitskosten (49 Prozent) und der Fachkräftemangel (44 Prozent) werden häufiger genannt als im Frühsommer. Bemerkenswert hoch bleibt das Finanzierungsrisiko: 39 Prozent der Bauunternehmen sehen darin eine Belastung, in der Gesamtwirtschaft sind es 15 Prozent. Die beiden Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank in diesem Jahr verteuern die Finanzierung von Bauvorhaben zusätzlich.