Dienstleistungen, Konjunkturumfrage Herbst 2026

Finanzdienstleister vorn, ITK unter Druck

Die Dienstleister der Region Stuttgart halten ihre Lage im Herbst 2026 stabil. Der Lageindikator liegt mit plus 13 Punkten nahezu auf dem Niveau des Frühsommers, bleibt aber unter dem Landeswert von plus 20 Punkten. Beim Blick nach vorn verbessern sich die Erwartungen spürbar um 10 Punkte, bleiben mit minus 5 Punkten aber im negativen Bereich. Auch die Investitionspläne drehen mit plus 2 Punkten ins Positive. Bei den Risiken liegt mit 61 Prozent der Nennungen der schwache Inlandsabsatz an erster Stelle, gefolgt von den Arbeitskosten mit 52 Prozent. Die geopolitischen Spannungen (minus 10 Prozentpunkte im Vergleich zum Frühsommer) und die Energiepreise (minus 7 Prozentpunkte) werden noch immer häufiger genannt als im Vorjahr.
Innerhalb der Dienstleistungsbranchen laufen die Branchen auseinander:
Den stärksten Rückschlag erleiden die Informationstechnik- und Telekommunikationsdienstleister (ITK). Der Lagesaldo bricht massiv um 26 Punkte auf plus 2 Punkte ein; 32 Prozent der Betriebe melden eine gute, 30 Prozent eine schlechte Lage. Noch schärfer ist die Bewegung beim Auftragseingang: Der Saldo stürzt von plus 9 auf minus 30 Punkte, 41 Prozent der Betriebe melden fallende Bestellungen. Die Beschäftigungspläne verschlechtern sich deutlich von minus 5 auf minus 20 Punkte. Hinter dem Einbruch steht die enge Verzahnung mit der Industrie, für die viele IT-Dienstleister der Region arbeiten. Die Industrie fokussiert ihre IT-Investitionen stärker auf das Kerngeschäft. Zugleich übernehmen KI-Anwendungen zunehmend Routinetätigkeiten in Entwicklung und Verwaltung.
Die Architektur- und Ingenieurbüros gehören mit einem Lagesaldo von plus 43 Punkten weiterhin zu den stärksten Branchen der Region; die Hälfte der Büros bewertet ihre Lage als gut. Der Auftragseingang stabilisiert sich etwas. Der Indikator springt von minus 24 auf minus 2 Punkte. Die Branche profitiert teilweise von Infrastrukturprojekten. Zugleich sparen die Kommunen nach dem Einbruch der Gewerbesteuer bei Investitionen, und auch die Unternehmen halten sich zurück. Die Geschäftserwartungen liegen mit minus 3 Punkten knapp im negativen Bereich, die Beschäftigungspläne geben von plus 16 auf plus 7 Punkte nach.
In der kaufmännischen und rechtlichen Beratung erholt sich die Lage nach dem Rückschlag des Frühsommers stark. Der Lagesaldo steigt um 17 Punkte auf plus 21 Punkte, 38 Prozent der Betriebe melden gute Geschäfte. Die Geschäftserwartungen drehen mit plus 1 Punkt wieder ins Positive, nach minus 15 Punkten im Frühsommer. Der Auftragseingang verbessert sich spürbar auf minus 10 Punkte, die Beschäftigungspläne drehen mit plus 7 Punkten ins Plus. Die Branche bleibt während des Transformationsprozesses stark gefragt.
Die Finanzdienstleister bauen ihre Sonderkonjunktur aus. Ihr Lagesaldo steigt spürbar um 9 Punkte auf plus 50 Punkte; 52 Prozent melden eine gute Lage, kaum ein Unternehmen eine schlechte. Die Geschäftserwartungen verbessern sich moderat auf plus 13 Punkte. Die beiden Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank in diesem Jahr verbessern die Margen im Zinsgeschäft.
Im Verkehrsgewerbe hat sich die Lage nach dem Einbruch des Frühsommers kräftig erholt. Der Lageindikator steigt stark um 16 Punkte von minus 16 auf 0 Punkte, im Land liegt er allerdings bei plus 15 Punkten. Der Umsatzsaldo springt von minus 47 auf plus 2 Punkte, der Auftragseingang von minus 23 auf 0 Punkte, und die Ertragslage verbessert sich stark auf minus 10 Punkte. Ein möglicher Grund ist die anziehende Industriekonjunktur, von der der Güterverkehr abhängt. Die Energiepreise bleiben das größte Risiko: 69 Prozent der Unternehmen nennen sie, 12 Prozentpunkte weniger als im Frühsommer. Arbeitskosten werden mit 48 Prozent deutlich seltener genannt als im Frühsommer (67 Prozent). Inlandsnachfrage und Fachkräftemangel nennt jeweils die Hälfte der Unternehmen. Das Risiko Wirtschaftspolitik steigt um 14 Prozentpunkte auf 42 Prozent. Der Blick nach vorn bleibt eingetrübt: Die Geschäftserwartungen liegen mit minus 19 Punkten klar im Minus, 37 Prozent rechnen mit schlechteren Geschäften, der Beschäftigungssaldo verharrt bei minus 35 Punkten.
Das Gastgewerbe bleibt das Schlusslicht der regionalen Wirtschaft. Der Lageindikator sinkt moderat von minus 28 auf minus 34 Punkte; 43 Prozent der Betriebe bewerten ihre Lage als schlecht, nur 9 Prozent als gut. Vom Land, wo die Branche leicht im Plus liegt, ist die Region weit entfernt. Ein wesentlicher Grund dafür sind die Geschäftsreisen. Sie hängen an der Lage der Unternehmen, und sie spielen in der Region Stuttgart eine deutlich größere Rolle als im Land. Solange Industrie und unternehmensnahe Dienstleister sparen und Personal abbauen, bleiben Übernachtungen und Bewirtungen aus dem Geschäftsreiseverkehr schwach. Der Umsatz verbessert sich moderat, bleibt mit minus 22 Punkten aber deutlich negativ; 42 Prozent der Betriebe melden sinkende Umsätze. Die Ertragslage verschlechtert sich spürbar um 11 Punkte auf minus 40 Punkte, fast jeder zweite Betrieb bewertet sie als schlecht. 84 Prozent der Betriebe nennen Arbeitskosten und Energiepreise als Risiko. Die seit Januar gesenkte Mehrwertsteuer auf Speisen hat vielen Gastronomen geholfen, die Preise stabil zu halten, reicht aber offenbar nicht, um den höheren Mindestlohn und die gestiegenen Energiekosten auszugleichen. Die stärkste Bewegung betrifft das Risiko Wirtschaftspolitik: Ihr Anteil springt um 24 Prozentpunkte auf 57 Prozent. Ausbleibende Reformen und Entlastungsmaßnahmen zeigen sich in Unzufriedenheit mit der Politik. Zudem werden die mögliche Abschaffung oder Verteuerung der Minijobs sowie die geplante Zuckersteuer als Risiken benannt. Der Blick nach vorn bleibt düster. Nur 2 Prozent der Betriebe rechnen mit besseren Geschäften, mehr als die Hälfte plant einen Personalabbau.