Groß- und Einzelhandel, Konjunkturumfrage Herbst 2026

Großhandel verbessert sich leicht, Einzelhandel leidet unter fehlender Kauflust

Im Handel der Region Stuttgart hat sich der Rückgang im Herbst 2026 verlangsamt, die Lage bleibt in beiden Handelsstufen aber schlecht. Im Großhandel steigt der Lagesaldo stark um 19 Punkte auf minus 12 Punkte, im Einzelhandel moderat um 6 Punkte auf minus 18 Punkte. Seit dem Herbst 2023 bewerten in beiden Bereichen durchgehend mehr Betriebe ihre Lage als schlecht denn als gut; vom Zehnjahresmittel (Großhandel plus 19, Einzelhandel plus 2 Punkte) sind beide weit entfernt. Die Nachfrage bleibt schwach. Unverändert drei Viertel der Einzelhändler erleben ihre Kundschaft als kaufzurückhaltend. Gespart wird vor allem bei Konsumgütern wie Möbeln und Bekleidung.
Im Einzelhandel melden 17 Prozent der Händler eine gute Lage, 35 Prozent eine schlechte. Die Lage ist damit weniger schlecht als im Frühsommer, auf jeden Händler mit guter Lage kommen aber weiterhin zwei mit schlechter. Der Umsatz geht weiter zurück: Der Saldo steigt zwar stark von minus 52 auf minus 31 Punkte, doch melden nach wie vor deutlich mehr Händler sinkende als steigende Umsätze. Auch die Ertragslage steht mit minus 29 Punkten weit im negativen Bereich, nach minus 40 Punkten im Frühsommer. Eine Rückkehr der Kundschaft zeichnet sich nicht ab. Die Teuerung trifft die Konsumenten über Energie und Kraftstoffe besonders. Die Folge sind Einsparungen, vor allem bei langlebigen und nicht zwingend notwendigen Anschaffungen. Der Lebensmittelhandel steht strukturell stabiler da, weil der Grundbedarf kaum vom Einkommen abhängt; die Nahrungsmittelpreise sind zuletzt nur geringfügig gestiegen.
Auch der Blick nach vorn bleibt trüb. 12 Prozent der Einzelhändler rechnen mit besseren, 33 Prozent mit schlechteren Geschäften. Der Erwartungssaldo steigt stark von minus 38 auf minus 21 Punkte. Im Saldo erwartet man also eher eine weitere Verschlechterung einer bereits angespannten Lage. Bei Beschäftigung und Investitionen überwiegen weiter die Kürzungspläne, wenn auch seltener als im Frühsommer (minus 26 und minus 11 Punkte). Bei den Risiken rückt die Inlandsnachfrage mit 74 Prozent wieder an die Spitze, 8 Prozentpunkte mehr als im Frühsommer. Arbeitskosten und Energiepreise folgen mit je 71 Prozent, der Fachkräftemangel legt spürbar auf 39 Prozent zu. Die Wirtschaftspolitik wird mit 33 Prozent dagegen deutlich seltener genannt als im Frühsommer. Die Händler nennen zudem den Wettbewerb mit dem Onlinehandel und mit abgabenarmen Direktlieferungen aus China sowie die Belastung durch Gewerbe- und Grundsteuer. Den Direktlieferungen aus China will die EU ab November jedoch mit einer Bearbeitungsgebühr zusätzlich zu den seit Juli existierenden Pauschalzöllen von 3 Euro je Warenposition entgegenwirken.
Im Großhandel ist die Bewegung kräftiger, die Lage bleibt aber auch hier schlecht. 23 Prozent der Großhändler bewerten sie als gut, 35 Prozent als schlecht. Der Lagesaldo steigt um 19 Punkte von minus 31 auf minus 12 Punkte und liegt damit 31 Punkte unter dem Zehnjahresmittel. Beim Umsatz springt der Saldo von minus 25 auf plus 5 Punkte; anders als im Frühsommer melden damit etwas mehr Großhändler steigende als fallende Umsätze. Beim Bestelleingang überwiegen dagegen weiter die Rückgänge, wenn auch bei deutlich weniger Betrieben (minus 6 nach minus 29 Punkten). Ein großer Teil des Großhandels in der Region beliefert Industrie und Bau und folgt der anziehenden Industriekonjunktur. Die Geschäftserwartungen steigen um 17 Punkte auf minus 2 Punkte. Bei einer seit drei Jahren negativen Lage ist das kein Zeichen der Besserung. Die meisten Großhändler rechnen damit, dass die schwierige Lage anhält.
Die Ertragslage bleibt mit minus 32 Punkten tief im negativen Bereich; 47 Prozent der Großhändler bewerten sie als schlecht. Einzelne Betriebe berichten von zögerlicher Auftragsvergabe und Preisdumping. Bei Beschäftigung und Investitionen überwiegen weiter die Kürzungspläne, wenn auch seltener als im Frühsommer (minus 15 und minus 12 Punkte). Die Inlandsnachfrage bleibt mit 80 Prozent der Nennungen das größte Geschäftsrisiko, vor den Energiepreisen mit 65 Prozent. Die Arbeitskosten werden mit 49 Prozent seltener genannt als im Frühsommer (54 Prozent), auch die Rohstoffpreise verlieren um 6 Prozentpunkte an Gewicht.