Industrie Herbst 2026

Exporte verbessern die Stimmung, Stellenabbau bleibt

Die Industrie der Region Stuttgart hat im Herbst 2026 die Talsohle der vergangenen Umfragen verlassen. Der Lageindikator steigt stark um 19 Punkte von minus 14 auf plus 6 Punkte – vor einem Jahr stand er noch bei minus 28 Punkten. Die Geschäftserwartungen legen deutlich um 13 Punkte auf plus 16 Punkte zu, die Exporterwartungen um 14 Punkte auf plus 21 Punkte. Die Belebung ist jedoch schmal: Sie stützt sich auf das europäische Auslandsgeschäft und auf Großaufträge für Rechenzentren, Netze und Verteidigung. Investition und Konsum kommen vermehrt aus der öffentlichen Hand. Die Inlandsnachfrage bleibt schwach. Bei Investitionen sind regionale Unternehmen weiter vorsichtig.
Im aktuellen Geschäft hat sich die Lage breit aufgehellt. 32 Prozent der Industriebetriebe melden eine gute Lage – im Frühsommer waren es 18 Prozent –, 26 Prozent eine schlechte. Der Umsatzsaldo dreht von minus 6 auf plus 5 Punkte, getragen vom Auslandsgeschäft; im Inland verbessert er sich spürbar von minus 21 auf minus 9 Punkte, bleibt aber negativ. Beim Auftragseingang fällt die Bewegung schwächer aus: Der Gesamtsaldo verbessert sich moderat von minus 2 auf plus 4 Punkte, und 30 Prozent der Betriebe melden weiter sinkende Inlandsaufträge. Die Kapazitätsauslastung steigt leicht auf 79 Prozent und liegt damit unter dem langjährigen Mittel von etwa 81 Prozent. Die Ertragslage verbessert sich deutlich von minus 22 auf minus 9 Punkte, bleibt aber im negativen Bereich.
Am Personalabbau ändert die bessere Stimmung wenig. Nur 9 Prozent der Industriebetriebe wollen Personal aufbauen, 36 Prozent planen einen Abbau. Der Beschäftigungssaldo bleibt mit minus 27 Punkten tief im Minus und deutlich unter dem Wert Baden-Württembergs. Der Abbau ist kein konjunktureller Puffer, sondern eine dauerhafte Anpassung: Die großen Unternehmen des Automobilclusters bauen nach festen Programmen ab, weil ihr Kostenabstand zu internationalen Wettbewerbern strukturell ist. Inzwischen erreicht der Abbau auch Entwicklung und Software. Bei den Investitionen fehlt ebenfalls der Wachstumsimpuls. Unter den investierenden Industriebetrieben planen 28 Prozent höhere und 29 Prozent geringere Ausgaben, eine Kapazitätserweiterung nennen nur 16 Prozent als Motiv. Im Vordergrund stehen Ersatzbedarf (65 Prozent) und Digitalisierung (55 Prozent).
An der Spitze der Geschäftsrisiken steht weiterhin die schwache Inlandsnachfrage mit 65 Prozent der Nennungen. Die geopolitischen Spannungen folgen mit 64 Prozent, nach dem Höchstwert von 70 Prozent im Frühsommer. Energiepreise und Arbeitskosten nennen je 60 Prozent, die Rohstoffpreise 57 Prozent; alle drei bleiben auf dem hohen Niveau des Frühsommers. Bei den Kosten verweisen die Betriebe auf die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie, den Mindestlohn und den Aufwand für neue EU-Rechtsakte. Deutlich entspannt haben sich die Lieferketten, deren Anteil um 9 Prozentpunkte auf 37 Prozent sinkt. Gegen den Trend steigt der Fachkräftemangel um 9 Prozentpunkte auf 25 Prozent. Hier wird der Transformationsprozess deutlich. Die gesuchten Qualifikationsprofile entsprechen nicht denen der abgebauten Stellen.
Beim Auslandsgeschäft ist die Erholung europäisch. Am stärksten verbessern sich die Erwartungen für die Eurozone (von plus 7 auf plus 19 Punkte), die übrige EU (von 0 auf plus 11 Punkte) und Osteuropa (von minus 8 auf plus 7 Punkte). Für Asien ohne China hellen sie sich auf plus 14 Punkte auf, für das Vereinigte Königreich bleiben sie unverändert. Auch für die USA steigen sie, von plus 9 auf plus 17 Punkte. Gegen den Trend brechen die Erwartungen für China stark ein, von plus 4 auf minus 14 Punkte. China wandelt sich vom Abnehmer zum Wettbewerber. Auf Drittmärkten müssen sich regionale Industrieunternehmen gegen die chinesische Konkurrenz zunehmend behaupten. Unternehmen berichten von staatlich unterstützten Anbietern, die sie auch auf Drittmärkten verdrängen, und vom Abfluss geistigen Eigentums ins Ausland.
Bei den Geschäftserwartungen hebt sich der Maschinenbau deutlich von den übrigen Industriezweigen ab. Sie springen massiv von minus 7 auf plus 25 Punkte. Der Lageindikator verbessert sich spürbar von minus 12 auf minus 1 Punkt. Gute und schlechte Rückmeldungen halten sich mit je 30 Prozent die Waage, die Exporterwartungen steigen von minus 5 auf plus 30 Punkte. Gestützt wird das von Großaufträgen im Frühsommer. Gegengewichte bleiben die Verlagerung von Forschung ins Ausland und die Konkurrenz aus China. Die Beschäftigungspläne verbessern sich stark von minus 35 auf minus 16 Punkte, bleiben aber negativ. Einen Aufbau der Belegschaft planen nur wenige.
Die Elektrotechnik verbessert ihre Lage moderat auf plus 8 Punkte, 35 Prozent der Betriebe melden gute Geschäfte, die Erwartungen steigen moderat auf plus 12 Punkte. Die Branche profitiert von Großaufträgen aus der Informations- und Kommunikationstechnik. Die Beschäftigung folgt dem nicht: Der Saldo verschlechtert sich deutlich von minus 11 auf minus 25 Punkte. In der Metallindustrie steigt der Lageindikator spürbar von minus 6 auf plus 4 Punkte, die Exporterwartungen legen stark auf plus 26 Punkte zu. Gleichzeitig fällt der Beschäftigungssaldo deutlich von minus 29 auf minus 43 Punkte – fast jeder zweite Betrieb plant mit weniger Personal.
Vorleistungsgüterproduzenten beurteilen ihre Lage wesentlich positiver als im Frühsommer. 31 Prozent (Frühsommer 21 Prozent) sprechen von einer guten Geschäftslage. Der Indikator steigt um 15 Punkte auf plus 7 an. Zurückzuführen ist dies vor allem auf die im Ausland gestiegenen Umsätze. Hier nehmen die Aufträge tendenziell zu, während sie im Inland weiter abnehmen.