Konjunkturausblick der IHK Region Stuttgart

Sonderauswertung der IHK-Bezirkskammer Rems-Murr

Die Summe an Herausforderungen für die heimischen Unternehmen wird immer größer.
Nachdem große Teile der Wirtschaft bereits seit über zwei Jahren mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu kämpfen haben, erleben Unternehmen und Bürger nun auch noch eine der tiefgreifendsten Energiekrisen seit Gründung der Bundesrepublik. Unternehmen aller Branchen leiden zunehmend unter den stark steigenden Energiepreisen. Im Verbund mit der bereits seit längerem vorherrschenden Lieferkettenproblematik, geopolitischen Spannungen rund um den Globus und der immens hohen Inflation ergibt dies eine ernsthafte wirtschaftliche Bedrohung vieler Betriebe.
Staatliches Handeln ist dringend erforderlich, um die Auswirkungen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine und dessen Folgen für die Wirtschaft und privaten Haushalte abzufedern. Hierfür wurden bereits entsprechende Entlastungspakete, Energiepreisdeckel sowie ein wirtschaftlicher Abwehrschirm beschlossen. Ob dies ausreichend ist, wird sich in den kommenden Monaten entscheiden.
Klar ist jedenfalls, dass die Wirtschaft vor einer enormen Belastungsprobe steht. So ist es nicht verwunderlich, dass die Geschäftserwartung im Kreis im Herbst 2022 trotz aktuell noch verhältnismäßig stabiler Geschäftslage wieder eine starke Tendenz nach unten aufzeigt. Der IHK-Konjunkturklimaindex setzt seinen Abwärtstrend um weitere 26 Punkte fort und liegt nun deutlich unter dem Durchschnittswert der letzten 10 Jahre.
Erfreulich ist, dass sich die Erwartungshaltungen für die kommenden Monate von der Frühsommerumfrage bewahrheitet haben und sich in der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage widerspiegeln. So betrachten 37 Prozent der Unternehmen ihre Lage als gut (FS 42,3), 43 Prozent (FS 45,6) als befriedigend.
Der Lageindikator ist jedoch über 12 Punkte gesunken. Die steigende Inflation, die hierdurch begründete Leitzinserhöhung sowie das Risiko genügend Energie zu bezahlbaren Preisen zu bekommen führt dazu, dass 42 Prozent (FS 18 Prozent) der Unternehmen von einer Verschlechterung ihrer Situation ausgehen. Vor allem bei den bisherigen Stabilitätsankern wie der Industrie und der Baubranche sind die Erwartungen stark gedämpft. Ebenfalls pessimistisch blickt vor allem der Handel auf die kommenden Monate. Viele Händler befürchten aufgrund der Inflation und der damit verbunden Schwächung der Kaufkraft Umsatzeinbußen vor allem beim so wichtigen Weihnachtsgeschäft.

Exporterwartungen

Dass die Weltwirtschaft zunehmend in einem Umbruch ist, lässt sich auch an den Exporterwartungen ablesen. Die Lageeinschätzung ist im Kreis um 25 Punkte gefallen und setzt den Abwärtstrend vom Frühsommer fort. Erfreulich ist lediglich, dass immer noch 44 Prozent (FS 47) der Unternehmen weiterhin mit gleichbleibenden Exporten rechnen.
Pfeildiagramm
Detaillierte Information zur konjunkturellen Einschätzung der Außenwirtschaftsentwicklung für die Region Stuttgart sind im Außenwirtschaftsbarometer enthalten.

Inlandsinvestitionen

Die Motivation für Investitionen ist branchenübergreifend deutlich rückläufig. Teilweise werden Investitionen momentan sogar komplett gestoppt. Energie- und Beschaffungskosten sowie der zu erwartende Auftragsrückgang zeigen bereits erste Auswirkungen auf die Investitionsbereitschaft. Zusätzlich erschweren steigende Zinsen die Finanzierung.
Allerdings, um zukunftsfähig zu bleiben, ist es unabdingbar, rechtzeitig in Ersatzbedarf zu investieren. Den Themen Umweltschutz und Energieeffizienz muss bei den getroffenen Entscheidungen ein großer Stellenwert beigemessen werden. So spiegelt sich diese Einschätzung auch bei den genannten Motiven von Investitionen deutlich wider.

Risiken

Bei den wichtigsten Geschäftsrisiken ist es nicht überraschend, dass branchenübergreifend die Energiekosten als wichtigstes Risiko genannt wurden. Der Bedarf an Energie und Rohstoffen ist jedoch selbst in einzelnen Branchen sehr heterogen. Je nach Produkt und Dienstleistung, der technischen Ausstattung in den Unternehmen sowie den laufenden Verträgen mit Energielieferanten, werden die Energie- und Rohstoffkosten als sehr hohes Risiko und damit existenzgefährdend eingestuft. Neben den notwendigen innerbetrieblichen Anpassungen und Umrüstung ist ein zeitnahes und passgerechtes Handeln der Regierung daher unerlässlich.
Auch das Risiko des Fachkräftemangels hat gegenüber dem Frühsommer nochmals deutlich zugenommen. Darin spiegeln sich die Folgen des demographischen Wandels ebenso wie die Coronafolgen, die in einzelnen Branchen einen bis in die Gegenwart andauernden gravierenden Fachkräftemangel ausgelöst haben.
Eine nachlassende Inlandsnachfrage durch die steigende Inflation und die damit verbundene Konsumzurückhaltung wird ebenso wieder als hohes Risiko gesehen. Hinzu kommt die Sorge vor deutlich steigenden Arbeitskosten. Ein vernünftiges Maß und gegenseitige Kompromissbereitschaft bei den anstehenden Tarifverhandlungen müssen daher für alle Beteiligten von großem Interesse sein.

Beschäftigungszahlen

Die rückläufigen Einschätzungen zu den Beschäftigungszahlen spiegelt die sich verschlechternde wirtschaftliche Lage vieler Unternehmen wider, aber auch die Situation, dass Stellen nicht adäquat besetzt werden können. Unternehmen aller Branchen verbindet das Bemühen, vorhandenes Personal auch in Krisenzeiten nach Möglichkeit zu halten. Denn der Verlust von Arbeitskräften lässt sich nur schwer kompensieren. Ein Beispiel dafür ist das Hotel- und Gaststättengewerbe, welches im Hinblick auf den Personalmangel immer noch schwer an den Folgen der Coronapandemie leidet.
Die Arbeitslosenquote im Oktober lag im Rems-Murr-Kreis bei 3,6 Prozent und ist damit noch sehr konstant im Vergleich zu den Vormonaten.
Das aktuelle Stimmungsbild basiert auf der Konjunkturumfrage der IHK Region Stuttgart, welche in der Zeit vom 27. September bis 14. Oktober 2022 stattgefunden hat. Aus dem Rems-Murr-Kreis wurden 318 Unternehmen befragt, von denen 100 Unternehmen Rückmeldung gegeben haben. Der Konjunkturbericht der IHK-Bezirkskammer Rems-Murr erscheint dreimal jährlich und spiegelt die Einschätzung zur Wirtschaftslage zum Zeitpunkt des Abfragezeitraums.