IHK-MAGAZIN
Nr. 7178874
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Der Hafen von Sonderburg direkt an der Innenstadt gelegen mit Restaurants und kleinen Geschäften
Husum, Sonderburg: Attraktiv mit System

Både og, handel og hygge – und Mut zum Dialog*

Während einige Städte in Schleswig-Holstein und im dänischen Südjütland mit massiven Leerständen und sinkenden Besucherzahlen zu kämpfen haben, verzeichnen andere Zuwächse und Rekordzahlen. Axel Nielsen, City-Manager von Sønderborg, und Christian Rugen von der Werbegemeinschaft Husum erläutern ihre Lösungsansätze.
*Sowohl als auch, Handel und Gemütlichkeit
„Eine lebendige Innenstadt entsteht nur, wenn Handel, Gastronomie, Wohnen und Tourismus zusammenpassen“, betont Axel Nielsen. Für ihn ist der wichtigste Erfolgsfaktor ein guter Mix aus kleinen, inhabergeführten Läden in der Fußgängerzone und größeren Konzeptgeschäften, wie man sie im Einkaufscenter Borgen findet. „Große Discounter passen nicht in die Innenstadt“, betont Nielsen. „Dort sind Parkplätze wichtig, während im Zentrum das Stadtleben zählt.“ „Gleich kommen die Musiker, die habe ich selbst organisiert“, erzählt Nielsen schmunzelnd. „Die gehören in eine lebendige Innenstadt wie Blumen, Flaggen und ausreichend Sitzgelegenheiten für die Besucher.“ Dabei verschweigt er nicht, dass Big Player wie Danfoss und Linak zur Finanzierung beitragen. „Aber die haben ja auch etwas davon. Schließlich kommen qualifizierte Fachkräfte gerne nach Alsen, wenn sie eine schöne Stadt zum Wohnen und Shoppen in der Nähe haben.“ Auch bei leerstehenden Ladenlokalen zeigt sich seine pragmatische Haltung. „Wir setzen auf Gespräche mit den Eigentümern, um realistische Mieten zu diskutieren und Zwischennutzungen durch Pop-up-Stores eine Chance zu geben.
Wenn die Mieten zu hoch bleiben, stehen Räume dauerhaft leer und verlieren ihren Wert für die Stadt.“ Ein zentrales Thema ist die Umgestaltung Sønderborgs rund um den innerstädtischen Hafen. Nielsen lobt die politische Entscheidung, weg von der hier schrumpfenden Industrie stärker in Richtung Kultur, Bildung und Tourismus zu investieren. Wo früher auf der Festlandseite ein Industrie- und Hafenbereich für Umsatz sorgte, befindet sich jetzt das Wissens- und Kulturzentrum Alsion mit der Universität. „Sønderborg braucht keinen Industriehafen – Aabenraa hat doch einen, und der ist sogar sehr funktional!“ Dabei ist die Universität für ihn ein wichtiger Motor. Sie bringt junge Menschen in die Stadt, stärkt Gastronomie und Einzelhandel und macht Sønderborg für die Ansiedlung technologieorientierter Unternehmen attraktiv. Gleichzeitig verweist er auf bezahlbaren Wohnraum für Studierende. „Der Wohnraum kann sogar noch günstiger werden“, erklärt Nielsen. „Wenn Studierende arbeiten, erhalten sie Zuschüsse – aber nur dann!“ Insbesondere die Gastronomie, kleine Boutiquen und die Studierenden selbst begrüßen dieses Konzept.
Eine Innenstadt lebt nicht von guten Plänen allein, sondern von Präsenz.
Er macht deutlich, dass Sønderborg im Tourismus generell noch mehr Potenzial hat. Deshalb spricht er sich für geöffnete Geschäfte an Sonntagen in den Sommermonaten aus, damit Besucher die Stadt intensiver erleben können. „Eine Innenstadt lebt nicht von guten Plänen allein, sondern von Präsenz, Mut zur Anpassung und dem Willen, für Menschen sichtbar und nutzbar zu sein“, fasst Axel Nielsen zusammen.
Auch Husum verzeichnet einen deutlichen Aufwärtstrend – allerdings bleibt durch die aktuelle volkswirtschaftliche Gesamtlage der tatsächliche Konsum hinter den Erwartungen zurück. „Dennoch sind wir auf dem richtigen Weg“, sagt Christian Rugen von der Werbegemeinschaft Husum.
Einen Erfolgsfaktor sieht Rugen in der verbesserten Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Politik und Verwaltung. „Neue Veranstaltungsformate erhöhen die Attraktivität unserer Stadt – wie etwa die neu eingeführten Piratentage, deren Umsetzung nur durch enge Abstimmung aller Beteiligten möglich war. In den vergangenen zwei Jahren ist ein Klima entstanden, in dem man Themen miteinander statt gegeneinander angeht.“ Die Bedeutung des Dialogs konkretisiert Rugen weiter anhand der Hafenklappbrücke. Eine geplante Sanierungssperrung während der touristischen Hochsaison sei nur durch frühzeitige Kommunikation und einen Gegenvorschlag der Werbegemeinschaft verhindert worden. Für lediglich fünf Prozent Mehrkosten hat die Politik die Bauzeit in die Nebensaison verlegt – eine Entscheidung, die ohne den Austausch mit der Wirtschaft nicht möglich gewesen wäre. Als weiteren Vorteil Husums stellt Rugen den geringen Leerstand im Kernbereich der Innenstadt heraus. „Da in Husum vor allem private Eigentümer – teils mit eigenem Geschäft vor Ort – als Vermieter auftreten, besteht ein natürliches Interesse an einer zügigen Nachnutzung. Das ist in anderen Städten mit anonymen Großinvestoren anders“, betont Rugen.
Viele politische Entscheidungen entstehen schlicht aus Unwissenheit.
Zudem verhindert die kleinteilige Flächenstruktur der Innenstadt die Ansiedlung klassischer Großflächen-Ketten, was attraktive Nischenkonzepte bevorzugen. „Viele politische Fehlentscheidungen entstehen schlicht aus Unwissenheit. Die Aufgabe der Werbegemeinschaft besteht darin, kontinuierlich die Perspektive der Wirtschaft einzubringen – nicht mit dem Anspruch, stets recht zu haben, sondern um einen fundierten Austausch zu ermöglichen. Dieser Dialog funktioniert in Husum mittlerweile sehr gut.“
Autorin: Ralf Czwalinna
Veröffentlicht: Oktober 2026

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