Zwei Frauen haben sich verkleidet mit historischen Ballkleidern
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Unternehmensnachfolge

Fotografin führt nun das Klamöttchen

Die Rostockerin Adina Flohr verwirklicht sich ihren Traum von der Selbstständigkeit mit der Übernahme des beliebten Kostümverleihs.
Eine Fotografin, die sich in ihrer Heimatstadt Rostock selbstständig machen will, eine Geschäftsfrau, die ihren etablierten Kostümverleih übergeben möchte und die Idee, das eine könne zum anderen passen: So beginnt die Nachfolgegeschichte von Adina Flohr und Katrin Roggatz. „Als ich nach zehn Jahren in München wieder in den Norden kam, stand für mich fest: Ich fotografiere“, berichtet Adina Flohr.
Zwei Frauen haben sich verkleidet mit historischen Ballkleidern
Adina Flohr (l.) hat den Kostümverleih Klamöttchen in Rostock-Gehlsdorf von Katrin Roggatz übernommen. Für sie eine “Superkombination”. © Adina Flohr
Die 44-Jährige hatte vor mehr als 20 Jahren in Rostock eine Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel für Foto, Video und Kinotechnik absolviert und später nebenberuflich Fotografie studiert. Zurück in Rostock suchte die zweifache Mutter „eigentlich nach einem Fotostudio, das ich übernehmen kann“. Bei der Nachfolgezentrale MV gab sie ihre Expertise an. Das wiederum sah Katrin Roggatz, die den Kostümverleih „Klamöttchen“ 1992 gegründet hat. Sie hatte sich an die Nachfolgezentrale gewandt, um das Klamöttchen in Rostock-Gehlsdorf in jüngere Hände zu geben.

Fokus auf Veranstaltungen

„Auch die IHK zu Rostock hat uns bei der Unternehmensnachfolge unterstützt“, berichtet Adina Flohr, die sich an ihren ersten Besuch im Kostümverleih erinnert. Perücken in allen Farben und Formen hängen an einer Wand, 3.000 Kostüme, beispielsweise „Jack the Ripper“, „Alice im Wunderland“, Trachten und Abendkleider sind fein säuberlich aneinandergereiht. „Ich schaute mir mit meiner Schwester das Geschäft an und der Funke ist gleich übergesprungen“ berichtet die Jungunternehmerin. „Als Fotografin möchte ich, dass die Menschen ein gutes Gefühl haben. Genau so ist es beim Verkleiden. Die Stimmung muss passen. Fotografin und Klamöttchen – das sei „eine Superkombination“, sagt Adina Flohr. Ein Beispiel: „Wer sich als Königin oder König verkleidet, nimmt direkt Haltung an.“
Man muss sich gut organisieren können. Niemand kann mir aber erzählen, dass Jobs im Angestelltenverhältnis heute sicherer sind.
Ihr Plan ist es, Veranstaltungen stärker auszubauen. Es gebe viele Anlässe, an denen das Verkleiden Spaß mache, sagt die Rostockerin: Junggesellenabschiede oder ein Geschenk zum letzten Arbeitstag: Verkleiden mit den Ex-Kollegen, Krimidinner, Spieleabende. Adina Flohr mag gern Zeitreise-Shootings: „Mir persönlich gefallen dabei die 1920-er Jahre.“ Diese bietet sie außerhalb der normalen Öffnungszeiten an.

Ideenreich und nachhaltig

Einen Pluspunkt sieht sie auch in der Nachhaltigkeit: „Viele Kinder möchten sich zum Fasching verkleiden. Viele Eltern kaufen teure Kostüme. Die werden einmal getragen und verschwinden dann auf dem Dachboden.“ Im Klamöttchen sind sie ausleihbar. Im Januar bringt der Postbote noch viele Weihnachtsmann-Kostüme aus dem Dezember zurück, bald folgt Fasching. Besonders erfolgreich laufe Oktoberfest-Kleidung, hat Adina Flohr von Katrin Roggatz erfahren.
Sie ist gespannt auf die Zeit und packt die Herausforderung voller Tatendrang an. Von Freunden höre sie: „Du bist mutig, dass Du Dich selbstständig gemacht hast.” Adina Flohr: „Man muss sich gut organisieren können. Niemand kann mir aber erzählen, dass Jobs im Angestelltenverhältnis heute sicherer sind.“ Wenn die Banken einem bei der Finanzierung nicht nur Steine, sondern „ganze Felsen in den Weg legen“, sei wichtig, mit vollem Elan Lust auf das Unternehmen zu haben. „Und die habe ich.“