10. Tag für Betriebliches Gesundheitsmanagement
Wie entstehen gesunde und leistungsfähige Teams? Und welche Rahmenbedingungen brauchen Unternehmen, damit Gesundheitsförderung nachhaltig wirkt? Rund 100 Fachleute aus Unternehmen, Institutionen und dem Gesundheitsbereich diskutierten diese Fragen beim 10. Tag des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) in der IHK Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim. Unter dem Motto „Gesunde Teams – starke Leistung“ standen gesunde Führung, Kommunikation, Achtsamkeit, Resilienz und die Bedeutung einer passenden Unternehmenskultur im Mittelpunkt.
Bereits zum Auftakt wurde deutlich: Betriebliches Gesundheitsmanagement ist weit mehr als ein Angebot einzelner Maßnahmen. Führungskräfte prägen die Rahmenbedingungen und die Kultur, in der Gesundheit im Arbeitsalltag gelebt wird. Gleichzeitig wurde die wachsende Belastung von Teams thematisiert. Gesundheit ist dabei nicht nur eine Frage des individuellen Wohlbefindens, sondern auch ein wichtiger Faktor für die Leistungsfähigkeit von Unternehmen und die langfristige Sicherung von Fachkräften.
„Gesundheit ist Teamsport“, betonte Lars Klenke, Geschäftsführer der BARMER. Ein BGM, das auf die individuellen Bedürfnisse einer Organisation zugeschnitten ist, könne dazu beitragen, starke Teams zu entwickeln und die betriebliche Leistungsfähigkeit zu stärken. Sebastian Brandt von centrumed hob insbesondere Achtsamkeit und Resilienz als wichtige Schlüsselkompetenzen hervor.
Für einen besonderen Impuls sorgte Nicole Staudinger mit ihrer Keynote „Vom Wissen ins Tun“. Ausgehend von ihrer persönlichen Lebensgeschichte zeigte sie, dass nachhaltige Veränderung nicht allein durch Maßnahmen entsteht. Entscheidend sei vielmehr die eigene Haltung. Ihr Leitgedanke „Jede Jeck is anders“ steht dabei für einen individuellen Blick auf Menschen und ihre Bedürfnisse. Authentizität und persönliche Klarheit spielen demnach eine zentrale Rolle – für die eigene Gesundheit ebenso wie für eine starke Teamkultur. Entscheidend sei, vom Wissen ins Handeln zu kommen und die eigenen Entscheidungen bewusst zu gestalten.
Wie Gesundheitsförderung in gewerblichen Arbeitsbereichen funktionieren kann, zeigte Adam Pietzka von Hellmann Worldwide Logistics in seinem Beitrag „Stapler, Stress und Schweinehund – Gesundheitsförderung für gewerbliche Teams“. Dabei wurde deutlich, dass erfolgreiche Gesundheitsarbeit die konkreten Bedingungen des jeweiligen Arbeitsumfelds berücksichtigen muss. Sein Appell an Führungskräfte: „Sei authentisch, nimm deine Leute ernst und dann kommt die Wertschätzung von ganz allein.“
Auch die Rahmenbedingungen für gesundes Arbeiten wurden kritisch beleuchtet. Prof. Dr. Michael Böckelmann, Erster Vorsitzender von GewiNet e. V., verwies insbesondere auf die Belastung durch Bürokratie und Dokumentationspflichten im Gesundheitswesen. Zeit und Ressourcen würden dadurch gebunden, die an anderer Stelle – etwa in der Versorgung von Patientinnen und Patienten – dringend benötigt würden. Mehr unternehmerischer Gestaltungsspielraum und weniger Bürokratie seien deshalb wichtige Voraussetzungen für leistungsfähige Strukturen.
Neben den Vorträgen bot die Veranstaltung zahlreiche Möglichkeiten zum Austausch. 14 Aussteller präsentierten Angebote, Produkte und Dienstleistungen rund um das Betriebliche Gesundheitsmanagement. Am Nachmittag konnten die Teilnehmenden beim „Schaufenstergang“ sechs unterschiedliche Perspektiven kennenlernen. Die Impulse reichten von gesunder Führung und Selbstreflexion über psychische Gesundheit bis hin zu einem Best-Practice-Beispiel aus einem Unternehmen.