IHK-Energieumfrage: Mehr als jedes dritte Industrieunternehmen plant Auslandsverlagerung

Hohe Energiepreise belasten die Industrieunternehmen erheblich: 37 Prozent von ihnen geben an, ihre Produktion bereits ins Ausland verlagert zu haben, dies aktuell umzusetzen oder in Zukunft zu planen. Das zeigt die aktuelle Umfrage der IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim zur Energieversorgung. Rund 300 Mitgliedsunternehmen aus allen Branchen nahmen an der Befragung teil. Die Ergebnisse wurden jetzt im IHK-Online-Format „Energie-Espresso“ vorgestellt und anschließend mit den Unternehmern und Verena Kämmerling MdL aus Osnabrück diskutiert.
„Für die Zukunft des Industriestandorts ist das mehr als besorgniserregend und ein weiteres deutliches Zeichen für die fortschreitende Deindustrialisierung. Investitionsprojekte, die einmal im Ausland getätigt werden, kehren nicht zurück“, kommentierte Anke Schweda, IHK-Geschäftsbereichsleiterin Standortentwicklung, Innovation und Energie, diesen Höchstwert seit der ersten Erhebung durch die IHK im Jahr 2022, damals unmittelbar nach Beginn des Ukrainekriegs.
Zwei Kostentreiber belasten die Energieversorgung der Unternehmen aktuell besonders: die hohen Umbaukosten der neuen Netzinfrastruktur für die Energiewende und die angespannte Lage rund um die Straße von Hormus, die insbesondere Öl und Gas verteuert.
Der Preisdruck auf der Stromseite hält weiterhin an: Der Industriestrompreis liegt aktuell um 34 Prozent über dem Vorkrisenniveau von Anfang 2021, die Netzentgelte sind seit 2020 für Industriekunden um 63 Prozent gestiegen. Entsprechend kritisch fällt die Bewertung durch die befragten Unternehmen aus: 50 Prozent der Industrieunternehmen beurteilen die Energiewende als Nachteil für ihre Wettbewerbsfähigkeit. Bei knapp einem Drittel der energieintensiven Unternehmen aller Branchen kommt es sogar zu Produktionseinschränkungen.
Die weiteren Anpassungsmaßnahmen der Betriebe sind vielfältig: Kurzfristige Einsparungen sind weitgehend ausgereizt. Meistgenannte Maßnahmen sind nun die Steigerung der Energieeffizienz (89 Prozent) und der Aufbau einer eigenen erneuerbaren Energieversorgung (81 Prozent). Zudem erreichen Power Purchase Agreements (PPAs), also langfristige Direktlieferverträge zwischen Unternehmen und Stromerzeugern, mit 34 Prozent einen neuen Höchstwert.
Klar sind dagegen die Erwartungen der Unternehmen an die Politik: 95 Prozent aller Unternehmen fordern eine Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren (Industrieunternehmen: 97 Prozent). Jeweils rund 90 Prozent wünschen sich niedrigere Netzentgelte, die Beseitigung von Netzengpässen und eine Senkung von Steuern und Abgaben auf den Strompreis. „Diese ganzen Maßnahmen brauchen keine langen Vorlaufzeiten. Mit klarem politischem Willen ließen sie sich zügig umsetzen“, betonte Schweda.
Verena Kämmerling, Mitglied des Niedersächsischen Landtags und umweltpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, verwies bei der Vorstellung der Ergebnisse auf die hohen Kosten des Netzausbaus: „Um diese Kosten zu senken und den Ausbau zu beschleunigen, müssen Freileitungen einen klaren Vorrang vor der Erdverkabelung erhalten, denn Erdkabel sind ein Kostentreiber in Milliardenhöhe und in der Umsetzung sehr zeitaufwändig.“