IHK-Umfrage Energieversorgung 1. Quartal 2026

Hohe Energiepreise infolge internationaler Krisen und der Energiewende belasten die Industrieunternehmen erheblich: 37 Prozent von ihnen geben an, ihre Produktion bereits ins Ausland verlagert zu haben, aktuell umzusetzen oder in Zukunft zu planen. Das zeigt die aktuelle IHK-Umfrage zur Energieversorgung der IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim. Rund 300 Mitgliedsunternehmen aus allen Branchen nahmen an der Befragung zum ersten Quartal 2026 teil. Die Ergebnisse wurden Juni 2026 im IHK-Online-Format „Energie-Espresso“ vorgestellt und anschließend mit Unternehmern und Verena Kämmerling MdL aus Osnabrück diskutiert.
„Für die Zukunft des Industriestandorts ist das besorgniserregend und ein deutliches Zeichen für eine fortschreitende Deindustrialisierung. Denn Investitionen, die einmal im Ausland getätigt werden, kehren kaum zurück in die Region“, kommentierte Anke Schweda, IHK-Geschäftsbereichsleiterin Standortentwicklung, Innovation und Energie, diesen Höchstwert seit der ersten Erhebung der IHK-Umfrage im Jahr 2022 unmittelbar nach der Ukrainekrise.
Zwei Kostentreiber belasten die Energieversorgung der Unternehmen zugleich: die hohen Umbaukosten der Netzinfrastruktur der Energiewende und die angespannte Lage um die Straße von Hormus, die Öl und Gas verteuert. Zwei Drittel der energieintensiven Unternehmen aller Branchen schätzen das Risiko von Versorgungsengpässen in den nächsten sechs Monaten als hoch oder sehr hoch ein.
Auch der Preisdruck durch die mangelhafte Stromnetzinfrastruktur hält an: Der Industriestrompreis liegt weiterhin 34 Prozent über dem Vorkrisenniveau von Anfang 2021, die Netzentgelte sind seit 2020 für Industriekunden um 63 Prozent gestiegen. Entsprechend kritisch fällt die Bewertung aus: 50 Prozent der Industrieunternehmen beurteilen die Energiewende als Nachteil für ihre Wettbewerbsfähigkeit. Bei knapp einem Drittel der energieintensiven Unternehmen aller Branchen kommt es zu Produktionseinschränkungen.
Die Reaktionen der Unternehmen sind unterschiedlich: Kurzfristige Einsparungen sind weitgehend ausgereizt, beim Strom haben 62 Prozent zuletzt keine Maßnahmen umsetzen können, beim Gas sogar 75 Prozent. An ihre Stelle treten langfristigere Maßnahmen: Von Industrieunternehmen meistgenannt sind die Steigerung der Energieeffizienz (89 Prozent) und der Aufbau einer eigenen erneuerbaren Energieversorgung (81 Prozent). Zudem erreichen Power Purchase Agreements, also langfristige Direktlieferverträge zwischen Unternehmen und Stromerzeugern, mit 34 Prozent einen neuen Höchstwert.
Entsprechend klar sind die Erwartungen der Unternehmen an die Politik: Sie fordern schnelle und wirksame Maßnahmen. 95 Prozent aller Unternehmen fordern eine Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren (Industrieunternehmen: 97 Prozent). Jeweils rund 90 Prozent fordern niedrigere Netzentgelte, die Beseitigung von Netzengpässen und eine Senkung von Steuern und Abgaben auf den Strompreis. „Diese Maßnahmen brauchen keine langen Vorlaufzeiten. Mit klarem politischem Willen ließen sie sich zügig umsetzen“, betonte Schweda. In der Diskussion äußerten die Unternehmer explizit den Wunsch nach mehr Tempo, günstigeren Energiepreisen und weniger Regulierung.
Verena Kämmerling, Mitglied des Niedersächsischen Landtags und umweltpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, verwies bei der Vorstellung der Ergebnisse auf die hohen Kosten des Netzausbaus: „Um diese Kosten zu senken und den Ausbau zu beschleunigen, sollten Freileitungen einen klaren Vorrang vor der Erdverkabelung erhalten, denn Erdkabel sind ein Kostentreiber in Milliardenhöhe und in der Umsetzung sehr zeitaufwändig. Dafür setzen wir uns gerade sehr intensiv ein“. Gleichzeitig hob sie den Einsatz Niedersachsens für die Erneuerbaren Energien, als Stärke der Region, gegenüber dem Bund hervor und betont, dass die Ausgestaltung des Redispatch-Vorbehaltes im neuen Netzpaket (Einspeisung nur bei ausreichender Netzkapazität) Investitionen in der Region nicht ausbremsen dürfe.
Trotz der angespannten Lage sieht Schweda für die Region eine besondere Chance: „Unsere Region hat beim Ausbau der Erneuerbaren Energien viele Standortvorteile - diese gilt es klug zu nutzen und in Wertschöpfung zu verwandeln. In Kombination mit Energiespeichern und Versorgungssicherheit ist das attraktiv für Investitionen und Ansiedlungen.“