H2-Hochlauf, wie ist der Stand?
Der Markthochlauf bleibt hinter den politischen Zielen zurück. Eine neue Studie im Auftrag der DIHK benennt die Ursachen. Für unseren Bezirk mit dem Hydrogen Valley Emsland ist das mehr als eine Randnotiz.
Der Stand im Bund
Wasserstoff gilt als unverzichtbarer Baustein der industriellen Transformation. Doch der Weg von der Strategie in die Praxis ist steiniger als erwartet: Projekte laufen langsamer als geplant, Investoren warten ab, viele Unternehmen können den Umstieg weder wirtschaftlich begründen noch vertraglich absichern. Das zeigt die Studie „Meilensteine für einen erfolgreichen Wasserstoffhochlauf bis 2040", die die r2b energy consulting GmbH im Auftrag der DIHK entlang der gesamten Wertschöpfungskette erstellt hat. Der Hochlauf stockt dabei nicht an einem einzelnen Engpass, sondern am fehlenden Gleichklang von Wirtschaftlichkeit, klarer Regulierung, verlässlicher Nachfrage und koordinierter Infrastruktur. Grüner Wasserstoff kostet im Großhandel knapp über 8 Euro je Kilogramm, hinzu kommen Netzentgelte sowie Kosten für Transport, Speicherung und Zertifizierung. „Viele Unternehmen wollen investieren, brauchen dafür aber verlässliche Rahmenbedingungen", betont Sebastian Bolay, DIHK-Bereichsleiter Energie, Umwelt, Industrie.
Der Stand im Bezirk
Die Studie empfiehlt deshalb, die europäischen Kriterien für grünen Wasserstoff pragmatischer zu fassen und die Netzentgelte für Elektrolyseure rechtssicher festzulegen. Vor allem aber fehlt es an Infrastruktur: Während das Kernnetz planerisch weit fortgeschritten ist, liegen viele potenzielle Abnehmer abseits der Trassen. Für regionale Verteilnetze gibt es bis heute keinen verbindlichen Rahmen, auch großskalige Speicher sind trotz langer Vorlaufzeiten kaum angeschoben. Wie viel davon abhängt, zeigt der Blick ins Emsland. Die Region wurde 2024 von der EU als erstes deutsches „Hydrogen Valley of the Year" ausgezeichnet. Neben vielversprechenden im Vergleich kleineren Projekten in unserem Bezirk, entstehen am Standort Lingen der RWE AG 300 Megawatt Elektrolyseleistung, die BP Europa SE plant weitere 100 Megawatt. Bis 2027 wächst die Elektrolyseleistung in Lingen damit auf rund 400 Megawatt. August 2026 erreichte Wasserstoff aus Lingen erstmals per 120 Kilometer Pipeline den Chemiepark Marl im Ruhrgebiet.
Ausblick
Wann diese Kapazitäten ausgelastet werden, entscheidet sich an genau den Punkten, die die Studie beschreibt. Die Weichen werden derzeit gestellt: Die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen für den Wasserstoffmarkt werden derzeit weiterentwickelt; zugleich überprüft die EU ihre Kriterien für erneuerbaren Wasserstoff. Mit einem skalierenden Markt rechnet die Studie ab Mitte der 2030er-Jahre.