IHK-Jahresbericht 2025

Bildung und Fachkräftesicherung

Der Jahresbericht 2025 zeigt die zentralen Entwicklungen der beruflichen Bildung im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region. Trotz rückläufiger Vertragszahlen bleibt das Engagement der Betriebe hoch. Digitale Services, neue Qualifikationsangebote und ein starkes Ehrenamt tragen dazu bei, die Berufsbildung gezielt weiterzuentwickeln und die Fachkräftesicherung in der Region zu stärken.

Ausbildungsjahrgang 2025

Der Ausbildungsmarkt 2025 verzeichnete insgesamt 7.849 neu eingetragene Ausbildungsverträge. Das entspricht einem Rückgang von 663 Verträgen gegenüber dem Vorjahr (–7,8 Prozent). Im Münsterland lag das Minus bei 7,4 Prozent beziehungsweise 437 Verträgen, in der Emscher-Lippe-Region bei 7,8 Prozent.
Trotz dieses deutlichen Rückgangs bleibt die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe auf hohem Niveau. Die größte Herausforderung ist weiterhin der Bewerbermangel: 43,5 Prozent der Betriebe erhielten keine einzige Bewerbung, bei 65,4 Prozent der angebotenen Ausbildungsplätze fehlten passende Kandidatinnen und Kandidaten. Mehr als 84 Prozent der Unternehmen berichten zudem über Defizite in der Ausbildungsreife, insbesondere in den Bereichen Mathematik und sprachliches Ausdrucksvermögen. Nahezu jeder zweite Betrieb konnte seine Ausbildungsplätze nicht vollständig besetzen.
Das Ziel, aus eigener betrieblicher Ausbildung den Fachkräftenachwuchs zu gewinnen, ist weiterhin schwer erreichbar. Es melden sich zu wenige Interessierte und es erfordert erhebliche Anstrengungen, junge Menschen zu erreichen. Positiv bleibt der Trend: Die Zahl der Abiturientinnen und Abiturienten in Ausbildung steigt, und die Übernahmequote nach der Ausbildung erreicht einen Höchststand.

Ausbildungsberatung - Überwachen und Fördern der Ausbildung

Die Ausbildungsberatung setzt ihren hoheitlichen Auftrag (§76 BBIG) in Betrieben und Berufsschulen um. Die zehn Ausbildungsberaterinnen und -berater der IHK Nord Westfalen haben 2025 bei rund 5.537 aktiv ausbildenden Betrieben mit 5.970 intensiven Betriebskontakten die Ausbildung gefördert, begleitet, sie überwacht und ist bei Verstößen eingeschritten.

Von den 4.810 Betriebsbesuchen waren erfreuliche 513 Erstberatungen. Damit ist die Zahl der Betriebe, die erstmals ausbilden wollen, anhaltend hoch. Diese Entwicklung ist eine Voraussetzung, um weiterhin rund ein Drittel des eigenen Fachkräftebedarfs in Nord Westfalen aus betrieblicher Ausbildung decken zu können. Aufgrund der demografischen Entwicklung und noch immer sinkender Zahlen an jungen Menschen, die von der Schule abgehen bleibt die Herausforderung , wie viele von ihnen für eine Ausbildung gewonnen werden können (u.a. mit der IHK-Kampagne #könnenlernen, durch Ausbildungsbotschafterinnen und -botschafter und Schulpartnerschaften). Für Ausbildung motiviert auch die Aktion #ihkgeprüft, bei der Absolventinnen und Absolventen ihren Erfolg und ihre Freude darüber, die „Prüfung bestanden“ zu haben teilen; die IHK liefert die (Foto-) Hintergründe, um die Nachricht sofort über die Sozialen Medien zu verbreiten.
In rund 1166 telefonischen Beratungen blieb bis in das neue Ausbildungsjahr hinein das drängendste Thema die passende Besetzung von Ausbildungsplätzen, leider ebenso häufig die Themen Leistung und Haltung von Azubis. Die Zahl der Ausbildungsabbrüche in der Probezeit stieg noch zum vierten Mal in Folge; mit dem Trend bis Sommer 2025 korrelierend, alle verfügbaren Bewerberinnen und Bewerber direkt in Ausbildung aufzunehmen. Die Zahl der Wechslerinnen und Wechsler von Betrieb und Beruf hat in 2025 erneut einen Höchststand erreicht. Die Ausbildungsberatung hat wie in den Jahren zuvor, Ausbildungsverhältnisse stabilisiert, Konflikte bereinigt und zwischen Ausbildungsbetrieb und Auszubildenden moderiert.

IHK würdigt Prüferinnen und Prüfer in der Region

Mit einem Sommerfest in Münster und in Gelsenkirchen hat die IHK Nord Westfalen im Jahr 2025 den ehrenamtlichen Prüferinnen und Prüfern aus dem Münsterland sowie der Emscher-Lippe-Region für ihr Engagement in der beruflichen Aus- und Weiterbildung gedankt. Insgesamt folgten rund 1.000 Prüferinnen und Prüfer den Einladungen ins IHK-Bildungszentrum Münster und ins Schloss Berge in Gelsenkirchen.
Im Münsterland engagieren sich 2.235 Unternehmerinnen und Unternehmer, Fach- und Führungskräfte sowie Lehrkräfte in 193 IHK-Prüfungsausschüssen, in der Emscher-Lippe-Region sind es 1.054 Ehrenamtliche in 121 Ausschüssen. Sie leisten damit einen unverzichtbaren Beitrag zur Sicherung der Qualität von Aus- und Fortbildungsprüfungen.
Die große Resonanz auf beide Veranstaltungen zeigte, wie wichtig Anerkennung, Austausch und Vernetzung für das Ehrenamt sind. Mit den Prüferfesten setzte die IHK Nord Westfalen bewusst ein sichtbares Zeichen der Wertschätzung. Gerade in einer Zeit, in der ehrenamtliches Engagement keine Selbstverständlichkeit mehr ist, übernehmen die Prüfenden Verantwortung und sind starke Vorbilder für berufliche Bildung und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Zugleich appellierten Präsident und Vizepräsidentin an die Unternehmen, das Engagement ihrer Mitarbeitenden in den Prüfungsausschüssen weiterhin aktiv zu unterstützen und ihnen die notwendigen Freiräume einzuräumen. Die betriebliche Aus- und Weiterbildung sei und bleibe das wirksamste Instrument der Fachkräftesicherung und genieße national wie international hohe Anerkennung.
Besonderer Dank galt den Lehrkräften der Berufsschulen sowie den Vertreterinnen und Vertretern der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite, die gemeinsam als unverzichtbare Partner im Prüfungswesen wirken. Ihr Engagement stärke die Qualität der beruflichen Bildung und damit die Zukunftsfähigkeit der Region – nicht aus materiellen Gründen, sondern aus Überzeugung. Als Ehrensache.

Zum Thema: IHK-Prüfungsausschüsse

In der IHK Nord Westfalen sind derzeit rund 3.200 Prüferinnen und Prüfer in 314 Prüfungsausschüssen ehrenamtlich tätig. Sie führen im IHK-Bezirk, der das Münsterland und die Emscher-Lippe-Region umfasst, jährlich mehr als 20.000 Prüfungen durch. Jeder Prüfungsausschuss besteht mindestens aus drei ordentlichen und drei stellvertretenden Mitgliedern. In jedem Ausschuss sind Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Lehrkräfte paritätisch vertreten. Ansprechpartner bei der IHK Nord Westfalen ist Stefan Brüggemann, Abteilungsleiter Berufsbildung, Telefon 0251 707-287, stefan.brueggemann@ihk-nordwestfalen.de

IHK ehrt langjähriges Engagement

Für ihr jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement in der beruflichen Aus- und Weiterbildung hat die IHK Nord Westfalen im Februar 2025 insgesamt 288 Prüferinnen und Prüfer aus dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region ausgezeichnet. Die beiden Feierstunden fanden am 4. und 18. Februar in Münster statt.
IHK-Präsident Dr. Benedikt Hüffer würdigte den Einsatz der Geehrten als unverzichtbaren Beitrag zur Qualität der beruflichen Bildung: Mit ihrer fachlichen Expertise und ihrer Nähe zur betrieblichen Praxis sicherten Prüferinnen und Prüfer das hohe Niveau von Aus- und Fortbildungsabschlüssen. Wer ein Prüferamt übernehme, übernehme Verantwortung für die Gesellschaft und sei ein wichtiges Vorbild.
Am 4. Februar wurden 155 Mitglieder der kaufmännischen und IT-Prüfungsausschüsse geehrt, am 18. Februar folgten 133 Mitglieder der industriell-technischen Ausschüsse. Ausgezeichnet wurden Prüferinnen und Prüfer mit der Silbernen Ehrennadel für 20 Jahre sowie mit der Goldenen Ehrennadel für 30 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit. Die IHK würdigte zugleich die Unternehmen und Berufskollegs, die ihre Mitarbeitenden und Lehrkräfte für dieses Engagement freistellen.
Insgesamt engagieren sich im IHK-Bezirk Nord Westfalen rund 3.500 Ehrenamtliche in etwa 350 Prüfungsausschüssen. Sie bewerten jährlich mehr als 40.000 schriftliche, praktische und mündliche Prüfungen und leisten damit einen zentralen Beitrag zur Fachkräftesicherung in der Region.

4. Februar 2025: Ehrung der Prüfenden der kaufmännischen Abschlüsse

18. Februar 2025: Ehrung der Prüfenden der industriell-technischen Abschlüsse

KI-gestützter Chatbot stärkt digitalen IHK-Service

Die IHK Nord Westfalen hat 2025 einen wichtigen Schritt in Richtung digitale Serviceoptimierung gemacht: Mit dem Einsatz eines KI-gestützten Chatbots auf der IHK-Website und im Bildungsportal wurde die Kommunikation für Mitgliedsbetriebe, Auszubildende, Prüfer und Prüfungsteilnehmende deutlich vereinfacht. Der Chatbot liefert präzise Antworten zu Themen wie Prüfungsanmeldungen, Ausbildungszeitverlängerungen oder Nutzung des Online-Portals – rund um die Uhr und ohne Wartezeiten.
Technologisch basiert die Lösung auf der GPT-4-Technologie und der Wissensdatenbank des Anbieters OMQ, kombiniert mit der Bot-Technologie von Userlike. Diese Verbindung ermöglicht eine natürliche Sprachverarbeitung und schnelle Reaktionen auch bei komplexen Anliegen. Ausbildungsbetriebe profitieren von einer klaren Orientierung in den digitalen Services, Auszubildende erhalten unkompliziert Unterstützung zu Fristen und Nachweisen, Prüfer finden Informationen zu Entschädigungen und Seminaren. Ergänzend wurde eine FAQ-Automation integriert, die häufige Fragen direkt beantwortet.
Die Nutzung zeigt den Erfolg: Seit Januar 2025 ist der KI-gestützte Chatbot der IHK Nord Westfalen im Einsatz – mit deutlich messbarem Nutzen: Insgesamt wurden seitdem über 21.000 Anfragen bearbeitet, davon konnten 20.312 Anliegen unmittelbar und automatisiert gelöst werden. Lediglich 726 Anfragen erforderten eine weitergehende Bearbeitung. Damit erreicht der Chatbot eine Lösungsquote von 96,6 Prozent.
Mit dem Chatbot und der FAQ-Automation stärkt die IHK Nord Westfalen ihre digitale Servicequalität, verbessert die Erreichbarkeit und setzt konsequent auf nutzerorientierte Lösungen.

Lehrstellenbörse „Ausbildung.NRW“ geht an den Start

Mit der Reaktivierung der Schnittstelle aus dem IHK-Online-Portal hat die IHK Nord Westfalen 2025 einen weiteren wichtigen Schritt zur Digitalisierung der Ausbildungsplatzvermittlung umgesetzt. Die Schnittstelle verbindet die IHK-Lehrstellenbörse direkt mit der landesweiten Plattform Ausbildung.NRW sowie mit der bundesweiten Lehrstellenbörse „meine-ausbildung-in-deutschland.de“.
Für Ausbildungsbetriebe bedeutet das: Einmal eingeben, mehrfach sichtbar. Neue Ausbildungsangebote werden zentral im IHK-Online-Portal unter dem Menüpunkt „Lehrstellenbörse“ erfasst und automatisch auf allen angebundenen Plattformen ausgespielt. Eine zusätzliche Registrierung ist nicht erforderlich. So entsteht maximale Reichweite bei minimalem Aufwand.
Gleichzeitig sorgt eine automatische Erinnerungsfunktion im Portal dafür, dass Betriebe regelmäßig zur Aktualisierung ihrer Einträge aufgefordert werden. Jugendliche sehen dadurch ausschließlich tatsächlich noch verfügbare Ausbildungsplätze. Das erhöht die Transparenz auf dem Ausbildungsmarkt und verbessert die Vermittlungschancen für beide Seiten.
„Viele Unternehmen suchen dringend Fachkräfte – und für Jugendliche ist eine Ausbildung der perfekte Karrierestart. Mit Ausbildung.NRW bringen wir beide Seiten gezielt zusammen“, betont Stefan Brüggemann, Leiter der Abteilung Berufsbildung der IHK Nord Westfalen.

Bundesweite Ausbildungskampagne: Jetzt #könnenlernen

Die bundesweite Ausbildungskampagne geht ins dritte Jahr und zeigt, was Ausbildung bedeutet: Chancen, Perspektiven und ein eigenes Lebensgefühl. Unter dem Motto „Jetzt #könnenlernen“ haben sich 79 Industrie- und Handelskammern auf diese Azubi-Kampagne verständigt mit der Botschaft: „Ausbildung macht mehr aus uns”, um junge Menschen direkt anzusprechen.

Im Mittelpunkt stehen echte Azubis und auch Ausbilder/innen, die auf TikTok Einblicke in ihren Alltag geben. Der Kanal @die.azubis zählt über 78.000 Follower und mehr als 1,9 Millionen Likes. Die erfolgreichsten Videos erreichen bis zu 4,4 Millionen Views.

Die Kampagne richtet sich an Jugendliche und an Betriebe. Betriebe erhalten kostenfrei Werbemittel, Aktionen und Challenges im Kampagnendesign, um Ausbildung sichtbar zu machen und Fachkräfte zu gewinnen. Fünf digitale Infoveranstaltungen für Unternehmen haben stattgefunden; weitere folgen alle zwei Monate. Das Werbemittelpaket steht jederzeit als kostenloser Download bereit.

Auch regional setzt die IHK Nord Westfalen Akzente: Im Herbst sorgten Bäckertüten („Sei kein Krümel“; „Brotal gut ausgebildet“) in Bocholt, Münster und Gelsenkirchen für Aufmerksamkeit. Parallel lief Werbung auf Social Media und in Apps, die Jugendliche nutzen – mit über 524.000 Einblendungen und 22.000 Klicks auf die Kampagnen-Website.

Die Kampagne ist außerdem auf Ausbildungsmessen präsent. Im November gab es eine TikTok-Schulung für 15 Azubis, die Videos produzieren und auf dem Kanal der IHK Nord Westfalen veröffentlichen. Die Kampagne wird weiter ausgebaut und konsolidiert.

Bestenehrungen 2025: Spitzenleistungen im Fokus

Seit 2008 ehrt die IHK Nord Westfalen Jahr für Jahr die Auszubildenden, die ihre Abschlussprüfung mit der Traumnote „sehr gut“ bestanden haben, auf den IHK-Bestenehrungen. Von September bis November 2025 hat die IHK Nord Westfalen die besten Auszubildenden der Region geehrt. Wer seine Abschlussprüfung mit der Note „Sehr gut“ bestanden hat, wurde in festlichem Rahmen ausgezeichnet. Insgesamt fanden sieben regionale Veranstaltungen statt – von Oelde über Hopsten, Ahaus und Olfen bis Gelsenkirchen, Münster und Dorsten.
Die Veranstaltungen würdigten nicht nur die Preisträgerinnen und Preisträger, sondern auch die Ausbildungsbetriebe und Berufskollegs, die diese Erfolge möglich gemacht haben. Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik gratulierten vor Ort, begleitet von einem abwechslungsreichen Programm und professioneller Fotodokumentation. Die Fotogalerien der Ehrungen sind online verfügbar und zeigen die Freude und den Stolz der Geehrten.
Mit den Bestenehrungen setzt die IHK Nord Westfalen ein starkes Zeichen für die Attraktivität der dualen Ausbildung und die Perspektiven, die sie eröffnet. Die Ausgezeichneten sind Vorbilder für die Fachkräftesicherung in der Region – und Botschafter für die Qualität der betrieblichen Ausbildung.
Kreisfreie Stadt/Kreis Datum Fotogalerien
Kreis Steinfurt 10. September 2025 Fotogalerie
Kreis Coesfeld 09. Oktober 2025 Fotogalerie
Gelsenkirchen und Bottrop 25. September 2025 Fotogalerie
Kreis Warendorf 03. September 2025 Fotogalerie
Kreis Borken 16. September 2025 Fotogalerie
Kreis Recklinghausen 11. November 2025 Fotogalerie
Münster 29. Oktober 2025 Fotogalerie

Meisterabschluss Leit- und Sicherungstechnik auf DQR-Niveau 6 eingeordnet

Ab dem Frühjahr 2026 bietet die IHK Nord Westfalen in Gelsenkirchen erstmals die Prüfung zum „Meister für Leit- und Sicherungstechnik – Eisenbahn“ an. Damit wird die Region neben Berlin und Wuppertal bundesweit zum dritten Prüfungsstandort für diesen spezialisierten Meisterabschluss.
Zusätzliche Bedeutung erhält die Qualifikation durch ihre Einstufung auf Niveau 6 des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR). Der Arbeitskreis DQR ordnete den Abschluss am 17. November 2025 diesem Niveau zu, das einem Bachelorabschluss gleichwertig ist. „Die Einstufung macht die Gleichwertigkeit von beruflicher Fortbildung und Studium sichtbar“, betont Stefan Brüggemann, Leiter der Abteilung Berufsbildung der IHK Nord Westfalen. Der Entscheidung ging ein umfangreiches, von der IHK Nord Westfalen aktiv begleitetes Genehmigungsverfahren voraus.
Bereits im Frühjahr 2025 hatte der Berufsbildungsausschuss die Fortbildungsprüfungsregelung nach § 54 BBiG beschlossen und damit die Grundlage für den neuen Prüfungsstandort geschaffen.
Mehr dazu im IHK-Magazin Wirtschafsspiegel unter Neue Meisterprüfung stärkt Bahnsektor.

Mobilität der Auszubildenden in der Region

Die Mobilität von Auszubildenden ist im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region weiterhin ein entscheidender Faktor für eine erfolgreiche duale Ausbildung. Aktuelle Auswertungen der IHK Nord Westfalen auf Basis von Daten des Landesbetriebs IT.NRW zeigen: Zwar lebt die Mehrheit der Auszubildenden bei Vertragsabschluss in der Stadt oder im Kreis ihres Ausbildungsbetriebs, dennoch nehmen viele junge Menschen teils lange Wege in Kauf, um einen passenden Ausbildungsplatz zu erreichen.
Rund 68 Prozent der Auszubildenden in IHK-Berufen wohnten 2024 zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses im Ausbildungsort. Gleichzeitig pendelt knapp ein Drittel über Kreis- oder Stadtgrenzen hinweg. Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung in den Oberzentren. In Münster beispielsweise werden rund 58 Prozent der Ausbildungsplätze von Jugendlichen aus dem Umland besetzt. Die Stadt profitiert damit von einer hohen Anziehungskraft als Ausbildungsstandort, steht aber zugleich vor der Herausforderung, ausreichend bezahlbaren Wohnraum für Auszubildende bereitzustellen.
Die Situation ist regional sehr unterschiedlich. Während in vielen Kreisen des Münsterlandes ein Großteil der Ausbildungsplätze mit Jugendlichen aus dem jeweiligen Heimatkreis besetzt wird, zeigt sich in der Emscher-Lippe-Region ein anderes Bild. Dort absolvieren nur rund 49 Prozent der Auszubildenden ihre Ausbildung innerhalb der eigenen Region. Mehr als die Hälfte pendelt in andere Teile Nordrhein-Westfalens. Für viele junge Menschen gehört tägliches Pendeln damit zum Ausbildungsalltag. Bereits frühere Erhebungen haben gezeigt, dass rund ein Drittel der Auszubildenden mindestens 30 Minuten für den Weg zum Ausbildungsbetrieb benötigt, jeder Zehnte sogar mehr als eine Stunde.
Diese Zahlen machen deutlich: Wer die duale Ausbildung nachhaltig stärken will, muss Mobilität ganzheitlich denken. Neben der Erreichbarkeit der Ausbildungsbetriebe durch einen leistungsfähigen und verlässlichen öffentlichen Nahverkehr gewinnt insbesondere bezahlbarer Wohnraum für Auszubildende an Bedeutung. Positive Beispiele aus der Region zeigen, dass bedarfsgerechte Wohnangebote in Kooperation von Kommunen, Unternehmen und weiteren Akteuren realisierbar sind.
Für die IHK Nord Westfalen ist klar: Azubi-Wohnen und gute Verkehrsanbindungen sind keine Randthemen, sondern zentrale Standortfaktoren. Nur wenn Ausbildungsplätze für junge Menschen erreichbar und bezahlbar sind, bleibt die duale Ausbildung attraktiv und wettbewerbsfähig – im Münsterland ebenso wie in der Emscher-Lippe-Region.
Kennzahl Wert
Auszubildende mit Wohnort im Ausbildungs­kreis / in der Ausbildungs­stadt 68 %
Auszubildende mit Pendelweg über Kreis- oder Stadtgrenzen 32 %
Ausbildungsplätze in Münster, besetzt durch Jugendliche aus dem Umland 58 %
Auszubildende mit Pendelzeit ≥ 30 Minuten rund 33 %
Auszubildende in der Emscher-Lippe-Region, die außerhalb der Region ausgebildet werden 51 %

Digitale Prüfungen weiter etabliert

Die bundesweiten digitalen Zwischenprüfungen in 13 Ausbildungsberufen konnten im Jahr 2025 weiter etabliert werden. Die Prüflinge profitieren insbesondere von dem zentral gelegenen Prüfungsort in der IHK sowie von einheitlichen, modernen Prüfungsbedingungen. Insgesamt wurden im Jahr 2025 rund 3.176 digitale Prüfungen in der IHK Nord Westfalen abgenommen.

Prüferseminare

An den IHK-Seminaren zu Fragen rund um die Prüfung haben 125 Prüferinnen und Prüfer in ihrer Freizeit teilgenommen. Prüferinnen und Prüfer schätzten in den Schulungen die prüfungsrechtliche und prüfungspädagogische Unterstützung für ihr Ehrenamt. Die Seminare trugen auch zu fairen, effektiven und rechtssicheren Prüfungen bei.

Entwicklung: Prüferseminare

Jahr Anzahl
2025 125
2024 201
2023 189
2022 412
2021 237
2020 127
Die Prüferseminare im Jahr 2026 finden Sie hier.

Ausbildungsbotschafter und Ausbildungsbotschafterinnen NRW – Unterwegs für „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (AuBots)

Mit dem Ziel, junge Menschen für eine betriebliche Ausbildung zu interessieren und ihnen praxisnahe Einblicke in unterschiedliche Berufsfelder zu geben, haben wir die Präsenz der Ausbildungsbotschafterinnen und -botschafter (AuBots) in Schulen weiter erhöht.

Im Verlauf des Jahres standen 1020 aktive (geschulte) AuBots für Schuleinsätze zur Verfügung. Bei 860 Schuleinsätzen haben sie mehr als 8.400 junge Menschen über ihre eigene Ausbildung, ihren Alltag und den Weg in die Ausbildung informiert. In Schulungen wurden 403 Auszubildende neu auf ihren Schuleinsatz vorbereitet. Die Schulungen (digital, Präsenz, Inhouse) werden mit neuen Trends und Blick auf die GenerationZ weiterentwickelt.

Im Vergleich zum Vorjahr konnten wir eine deutliche Steigerung verzeichnen: Die Zahl der informierten Schüler/innen stieg um knapp 29%; die Zahl der Schuleinsätze um rund 15 Prozent. Im elften Jahr nach Projektstart ist der Besuch der AuBots fest im Berufsorientierungskonzept vieler Schulen in Nord Westfalen verankert. An etwa 60% der rund 260 allgemeinbildenden Schulen im IHK-Bezirk wurden seit Anfang 2015 regelmäßig AuBot Einsätze durchgeführt.

Der peer-to-peer-Ansatz stellt sich als zentraler Hebel in der Berufsorientierung heraus. Das Projekt „Ausbildungsbotschafter“ ist bei teilnehmenden Betrieben unterdessen Bestandteil des betrieblichen Azubi-Recruitings. IHK-geschulte Azubis werden von ihren Unternehmen auch z.B. bei Ausbildungsmessen gerne eingesetzt. Es haben in diesem Jahr 160 Ausbildungsbetriebe ihre geschulten AuBots für Schuleinsätze freigestellt.

Die regelmäßigen Einsätze von Auszubildenden in Schulen steigern die Wirksamkeit der Berufsorientierung. Auch Lehrkräfte lernen Ausbildung besser kennen und ihre Wertschätzung für Berufsorientierung auf Augenhöhe steigt.

Das Projekt ergänzt die Berufsorientierungsangebote der NRW-Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA). Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt auch 2026 weiter mit finanziellen Mitteln, was zugleich die Bedeutung betont.

Medial rückt das Thema Berufsorientierung stärker in den Fokus. Der WDR hat das Thema aufgegriffen und für die Sendung „Markt“ einen Beitrag über Ausbildungsbotschafter an einem Gymnasium in Gelsenkirchen gedreht. Markt vom 18. Juni 2025 - Markt - Fernsehen - WDR ab Minute 37:14.

IHK-AuBots tragen dazu bei, betriebliche Ausbildung bei jungen Menschen - und ihren Familien - als anerkannten, erstrebenswerten Einstieg in die berufliche Karriere in den Blick zu rücken. Die IHK Nord Westfalen dankt besonders den Ausbildungsbotschafterinnen und -botschaftern, den teilnehmenden Schulen und unseren Unternehmenspartnern für ihre Unterstützung und ihr Engagement.

Partnerschaft Schule Betrieb

Im Jahr 2025 wurden 24 neue Partnerschaften zwischen Schulen und Unternehmen initiiert. Jede dieser Kooperationsvereinbarungen schafft eine faire und transparente Grundlage, die die Interessen beider Seiten berücksichtigt: Schulen eröffnen ihren Schülerinnen und Schülern praxisnahe Einblicke in die Arbeitswelt, während Unternehmen frühzeitig mit potenziellen Nachwuchskräften in Kontakt kommen und von deren frischen Ideen profitieren.
Das partnerschaftliche Miteinander macht Berufsorientierung greifbar und realistisch. Junge Menschen entdecken berufliche Perspektiven, ihre Ausbildungsbereitschaft wächst und die Frage der Ausbildungsreife gerät frühzeitig in den Blick.
Neben Betriebsbesichtigungen und die Ergänzung von Unterrichtsinhalten ist das Praktikum ein weiteres zentrales Element dieser Kooperationen. Es baut Berührungsängste ab und ermöglicht direkte Einblicke in den Arbeitsalltag. So entstehen aus diesen Begegnungen langfristige Erfolge – in Form von Ausbildungsverträgen.
Der Austausch zwischen Schulen und Betrieben ist der Schlüssel, um Berufsorientierung lebendig zu gestalten, neue Projekte anzustoßen und Brücken in die Arbeitswelt zu bauen. Veranstaltungen wie Kooperationspartnertage und Austauschtreffen mit weiteren Akteuren, wie den regionalen ZDI-Netzwerken setzen zusätzliche Impulse und fördern den Dialog.

Ausbildungsplätze in Betrieben besetzen: Passgenaue Besetzung

Die Passgenaue Besetzung unterstützt Ausbildungsbetriebe jeder Größe ihren zukünftigen Nachwuchs- und Fachkräftebedarf langfristig zu sichern. Zudem berät und begleitet sie junge Menschen (ohne Flüchtlingsstatus) um passende Ausbildungsplätze zu finden.
Im vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) geförderten Projekt haben die drei Beraterinnen und Berater der Passgenauen Besetzung insgesamt knapp 700 Unternehmen unterstützt, ihre mehr als 1800 offenen Ausbildungsstellen zu besetzen. Das hohe Interesse am kostenfreien IHK-Service zeigt sich daran, dass 163 der beratenen Betriebe (23 %) einen Beratungsnachweis ausgestellt haben. Gleichzeitig ist auf die angespannte wirtschaftliche Lage der Unternehmen hinzuweisen, die sich z.B. durch die (kurzfristige) Reduzierung von Ausbildungsplätzen, Zurückhaltung bei der Einstellung von Auszubildenden oder fehlendem Ausbildungspersonal auf das Projekt zunehmend auswirkt.
Bei der Suche nach einem passenden Ausbildungsplatz wurden 403 Bewerberinnen und Bewerber begleitet. Im Unterschied zum vorangegangenen Ausbildungsjahr (2024: 426 ) sinkt die Anzahl um minus sechs Prozent. Die aufgrund des demographischen Wandels geringer werdende Anzahl der verfügbaren Nachwuchskräfte im Bewerberpool als auch das Bewerbungsverhalten der jungen Menschen stellen eine zentrale Herausforderung dar. Ein zunehmender Anteil der Bewerber/innen weist mitunter komplexe Vermittlungshemmnisse auf, was die Arbeit der Passgenauen Besetzung verschiebt: Der Anteil an sozialer Betreuung, Care-Arbeit und psychosozialer Unterstützung nimmt stark zu. Wie in den Vorjahren ist der Kreis der Bewerber/innen stark gemischt: 32 Studienaussteiger/innen (acht %), und 188 Wechslerinnen und Wechsler (46 %), 183 Schulabgängerinnen und -abgänger. Während die Gruppe der Studienaussteigerinnen und -aussteigende stabil bleibt, ist die Zahl der Ausbildungswechslerinnen und -wechsler (d.h. betriebs- oder berufsbedingte Wechsel, Kündigungen in der Probezeit) erneut – um drei Prozent - angestiegen.
Das Team der Passgenauen Besetzung konnte 44 junge Menschen direkt und sechs indirekt in Ausbildung vermitteln. 77 Bewerber/innen (19%) sind im Bewerbungsprozess erfolgreich beraten worden und haben anschließend selbstständig einen Ausbildungsplatz gefunden.
Neben der individuellen Beratung der jungen Menschen und intensiven Betriebsberatung hat die Passgenaue Besetzung bei über 80 eigenen oder kooperierenden Veranstaltungen in Nord Westfalen mitgewirkt, um für das duale Ausbildungssystem zu werben.

Ausbildung nach dem Studienausstieg

Im Jahr 2025 bleibt die duale Ausbildung für viele junge Menschen eine attraktive Perspektive neben dem Studium. Das Interesse der Unternehmen an Studienabbrecherinnen und -abbrecher ist weiterhin hoch. 32 junge Erwachsene, die ihr Studium (vorzeitig) beendet haben, erhielten durch die Passgenaue Besetzung eine Beratung für den Start in die betriebliche Ausbildung. 16 Prozent Studienaussteigenden wurden durch das Team der Passgenauen Besetzung direkt in eine Ausbildung vermittelt. Die Zusammenarbeit innerhalb des Beratungsnetzwerks für Studienaussteigerinnen und -aussteiger hat sich in Nord Westfalen gefestigt. Die Akteure setzen gemeinsame Informationsangebote und Beratungstage wie gehabt um. Zudem wurde das Thema Studienausstieg verstärkt in der Öffentlichkeitsarbeit aufgegriffen: So wurde unter anderem die Website überarbeitet und verschiedene Erfolgsgeschichten für die Presse und andere Medien bereitgestellt.

Mobilitätsberatung - Ab ins Ausland

Mit der IHK-Mobilitätsberatung wurden 164 Auslandsaufenthalte von Auszubildenden aus Nord Westfalen realisiert. Eine Steigerung um 34,4% im Vergleich zum Vorjahr (122). Dabei waren die vier beliebtesten Zielländer: Malta, Dänemark, Portugal und Spanien. Es fanden auch weltweite Auslandsaufenthalte statt in Ländern wie Singapur, Indien, Brasilien, Japan sowie in den USA.
Über das Jahr verteilt fanden 317 Beratungsgespräche mit Auszubildenden und den Zuständigen in den Unternehmen statt. Im Vergleich zu 2024 Eine Steigerung von 23,8 %. Insgesamt haben 139 Unternehmen ihr Interesse bekundet. Mit darunter viele neue Unternehmen, die erstmalig Azubis entsenden möchten.
Rund 700 Unternehmensvertretungen, Nachwuchskräfte und Lehrkräfte wurden bei Veranstaltungen, Messeauftritten, in Schulen, bei nationalen und internationalen Netzwerktreffen vor Ort intensiv beraten. Das digitale interkulturelle Training für Azubis vor Auslandsaufenthalten wurde auch in 2025 umgesetzt und hat vier mal stattgefunden. Für 2026 gab es bereits 66 Anfragen für ein Auslandspraktikum während der Ausbildung. Dreizehn Auslandsaufenthalte sind schon für 2026 fest geplant.
Die aktuellen Zahlen zeigen deutlich: Das Interesse an Auslandsaufenthalten während der Ausbildung wächst stetig. Für die Betriebe hat sich dieses Instrument längst etabliert: Es stärkt die Fachkräftesicherung und wirkt zugleich als wirkungsvolles Mittel im Azubimarketing und Azubirecruiting. Damit positionieren sich Unternehmen als attraktive Ausbildungsbetriebe und gewinnen motivierte Nachwuchskräfte.

INA - Impulse zur Nachwuchsakquise

Das Projekt INA bietet kleinen und mittleren Unternehmen praxisnahe Unterstützung in den Bereichen Ausbildungsmarketing, Azubi-Recruiting sowie Fachkräftegewinnung und -bindung. Die erfahrenen IHK-Mitarbeitenden begleiten Betriebe durch individuelle Beratungen und liefern wertvolle Einblicke in aktuelle Trends und bewährte Methoden. Ergänzt wird das Angebot durch eine regelmäßige Webinar-Reihe, die mit kurzen, praxisorientierten Impulsvorträgen speziell auf die Bedürfnisse von Ausbildungspersonal und Personalverantwortlichen zugeschnitten ist. 2025 wurde über „KI im Ausbildungsmarketing“, „Soziale Nachhaltigkeit als Erfolgsfaktor“, „Versteckte Potentiale – wie Inklusion Ihren Betrieb stärkt“ und „Wenn´s mal schwierig wird - Azubi Gespräche“ informiert. Knapp 600 Unternehmensverantwortliche für Ausbildung und Personal haben die Webinar-Reihe besucht. Diese Impulse helfen Unternehmen, ihr Ausbildungsmarketing zu optimieren, den Zugang zur Zielgruppe zu erleichtern und flexibel auf die dynamischen Entwicklungen des Ausbildungsmarktes zu reagieren. INA steht für praxisorientierte Unterstützung und eine nachhaltige Fachkräftesicherung.

Inklusionsberatung – Einheitliche Ansprechstelle für Arbeitgeber EAA (§185a SGB IX)

Im dritten Jahr informierte der IHK-Inklusionsberater Unternehmen zur Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit Schwerbehinderung oder Gleichstellung sowie zur Sicherung von deren Beschäftigung und ihrer beruflichen Wiedereingliederung. In individuellen Beratungen wurden betriebliche Perspektiven und spezifischen Lösungen für Arbeitgeber, die Menschen mit einer Schwerbehinderung ausbilden, einstellen oder beschäftigen, erarbeitet. Die proaktive Ansprache der Unternehmen wich mehr und mehr der reaktiven Ansprache durch die Unternehmen. So konnten rund 100 Betriebe 2025 zum ersten Mal die Beratung des Inklusionsberaters nutzen. Meist im Rahmen von Betriebsbesuchen wurden die Optionen der Ausbildung und Beschäftigung geprüft. Neben diesen Erstkontakten fanden rund intensive 250 Folge-Beratungen statt, so oft wie möglich vor Ort in den Betrieben.
Bei den Betriebsbesuchen spielte unter anderem die Sensibilisierung für Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten von Menschen mit Behinderung eine große Rolle, ebenso die Beschäftigungssicherung, da viele, vor allem oft langjährige Mitarbeiter, über die Jahre hinweg im Unternehmen Einschränkungen entwickeln.
Die Fachpraktiker-Ausbildung nach §66 BBiG / §42r HwO und die Gründung von Inklusionsbetrieben oder Inklusionsabteilungen wurden verstärkt in den Fokus gerückt und beraten, ebenso wie das betriebliche Eingliederungsmanagement und das Präventionsverfahren.
Der IHK-Inklusionsberater hat außerdem 2025 das Netzwerk mit den vielen Akteuren der beruflichen Rehabilitation: Arbeitsagenturen und Jobcenter, Integrationsfachdienste (IFD) und Deutsche Rentenversicherung, weiter konsolidiert und ausgebaut. Weiterer Schwerpunkt war der Ausbau der Öffentlichkeitsarbeit, um das Thema zu platzieren. Immer mehr Beratungsanfragen kommen demzufolge von den Unternehmen direkt. Die Präsenz in den Medien wurde durch Pressemeldungen, Webinaren und Messeauftritten verstärkt.
Im Jahr 2025 wurden für Menschen mit einer Schwerbehinderung zehn Beschäftigungsverhältnisse gesichert und fünf neu geschaffen. Der EAA und dessen kostenfreie Unterstützung und Beratung im Auftrag des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe (LWL) wird aus der bundesweiten Ausgleichsabgabe (Schwerbehindertenabgabe nach §160 SGB IX) finanziert.

Teilqualifizierung - Chancen der Fachkräftesicherung

Der regionale Ausbildungskonsens Nord Westfalen unter Leitung der IHK treibt das Konzept zur Teilqualifizierung voran. Dabei werden die Inhalte eines anerkannten Ausbildungsberufes in Bausteinen absolviert und Menschen über 25 Jahre ohne Berufsabschluss erfolgreich zum Berufsabschluss geführt. Arbeitsagenturen und Jobcenter übernehmen Profiling und Coaching, die IHK macht Kompetenzfeststellungen und am Ende die Externenprüfung. Im Teilqualifizierungsmodell werden zur Zeit vier IHK-Berufe abgebildet. Der Berufsabschluss kann auch begleitend zur Beschäftigung absolviert werden. Die Finanzierung erfolgt über das Sozialgesetzbuch (SGB). Die IHK hat in diesem Jahr über 60 Kompetenzfeststellungen erfolgreich durchgeführt.

IHK-Willkommenslotsen – Geflüchtete integrieren, Fachkräfteeinwanderung fördern

Die Ausbildung und Beschäftigung von Geflüchteten und die Einwanderung von Auszubildenden und Fachkräften aus dem Ausland sind mittlerweile wichtige Bausteine der Fachkräftesicherung in Nord-Westfalen. Angesichts der damit verbundenen Aufgaben und der Vielzahl an Anfragen von Betrieben unterstützt die IHK ihre Mitgliedsunternehmen mit Rat und Tat: Eine Willkommenslotsin und zwei Willkommenslotsen helfen bei rechtlichen und praktischen Fragen der betrieblichen Integration und bei der Förderung einer Willkommenskultur in den Unternehmen.

2025 wurden etwa 220 Unternehmen und rund 100 angehende Azubis mit ihren individuellen Fragestellungen beraten. Über 60 Menschen wurden in Einstiegsqualifizierung, Ausbildung oder Beschäftigung vermittelt – 40 von ihnen haben eine betriebliche Ausbildung aufgenommen. Dabei war der Anteil an Geflüchteten und Menschen, die über das Fachkräfteeinwanderungsgesetz aus dem Ausland gekommen sind, in etwa gleich groß. Eine große Herausforderung bei der Integration von Geflüchteten war auch 2025 der erhöhte zeitliche, personelle und verwaltungstechnische Aufwand für Unternehmen. Die größte Hürde waren mangelnde Deutschkenntnisse, die für den betrieblichen Alltag, den Berufsschulunterricht und das Bestehen der Prüfungen notwendig sind. Das Willkommenslotsen-Team unterstützt auch in solchen Fällen mit seinem breiten Netzwerk und pragmatischen Lösungen.

Um Unternehmen über die betriebliche Integration von Geflüchteten und das Themenfeld Fachkräfteeinwanderung zu informieren, hat die IHK drei Webinare durchgeführt und war bei drei Berufswahlmessen als Ansprechpartner vor Ort. Das Willkommenslotsen-Team hat sein Beratungsangebot darüber hinaus bei über 20 Netzwerkpartnern, die auch als Multiplikatoren in die Unternehmenswelt agieren, persönlich vorgestellt und platziert (kommunale Wirtschaftsförderungsgesellschaften, Kommunale Integrationszentren der Kreise und kreisfreien Städte, Berufskollegs usw.).

Ein weiterer Schwerpunkt war es, geflüchteten Menschen die Perspektiven einer betrieblichen Ausbildung und einer Beschäftigung aufzuzeigen. Die Willkommenslotsen haben dazu im vergangenen Jahr unter anderem folgende Veranstaltungen durchgeführt: Im Rahmen eines Projekts der Bezirksregierung und des Polizeipräsidiums Münster hat die IHK rund 200 Frauen und junge Männer in der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) Münster informiert. Dadurch sollen Geflüchtete frühzeitig eine zielgruppenspezifische Berufsorientierung erhalten und an Ausbildung und Beschäftigung herangeführt werden.
Bei einer Veranstaltungsreihe des Jobcenters Münster wurden etwa 250 Frauen berufliche Perspektiven vorgestellt. Die IHK hat gemeinsam mit dem Jobcenter Münster eine „Talk-Together-Tour“ in einem großen Familienunternehmen durchgeführt. Dabei haben 17 Geflüchtete die Chancen für eine Berufsausbildung und eine Beschäftigung im Lager sowie im kaufmännischen Bereich kennengelernt.
Das neue IHK-Projekt zur Gewinnung von technischen Azubis aus Honduras wurde erfolgreich fortgesetzt. Kooperationspartner in Honduras ist die technische Berufsschule Centro Técnico Hondureño Alemán (CTHA). Von den acht Schülerinnen und Schülern des CTHA, die im November 2024 ein vierwöchiges Ausbildungspraktikum in Nord-Westfalen absolviert hatten, haben fünf 2025 erfolgreich eine Berufsausbildung in Unternehmen unserer Region begonnen.

Ausländische Qualifikationen: Anerkennungsberatung

Nach dem Berufsqualifikationsfeststellungsgesetzes (BQFG) haben alle, die im Ausland einen Abschluss erworben haben, einen Anspruch auf Prüfung von deren Gleichwertigkeit. Die IHK führt für ihre Berufe eine so genannte Erstberatung durch, bevor ein endgültiger Antrag zentral durch die IHK-Anerkennungsstelle (IHK FOSA) in Nürnberg bearbeitet wird.
Die Anerkennungsberatung ist auch in diesem Jahr weiterhin auf hohem Niveau, so sind weiterhin über 700 Anfragen per Mail oder Telefon eingegangen. Dabei handelt es sich meist um Einzelpersonen; die Anfragen von Unternehmen für eine Beschäftigung ausländischer Fachkräfte nehmen im Vergleich zu den Vorjahren weiter zu. Weiterhin sind viele Verweisberatungen notwendig, da eine große Unsicherheit bei den Anfragenden hinsichtlich dessen besteht, ob die IHK oder eine andere Stelle zuständig ist, auch sind Kosten des Verfahrens häufig umsetzungshindernd.
Es wurden mehr als 70 reguläre Anerkennungsberatungen durchgeführt, an die sich der Antrag bei der IHK FOSA anschloss; deren Anerkennungsrate (volle oder teilweise Anerkennung) betrugen aufgrund der realistischen IHK-Vorberatung annähernd 100%.
Bei Antragsergebnissen mit einer teilweisen Gleichwertigkeit, erstellt die IHK einen Plan zur Anpassungsqualifizierung, mit dem Ziel der vollen Gleichwertigkeit durch Nachqualifizierung. Auch bei der Anpassungsqualifizierung nach einem Gleichwertigkeitsbescheid sind die Nachfragen gestiegen: es wurden rund 40 Anpassungsqualifizierungspläne erstellt. Die intensive und aufwendige Beratung von Unternehmen zur Einstellung ausländischer Fachkräfte nach dem modernisierten Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FEG sei 11/2023) hat im Vergleich zum Vorjahr deutlich abgenommen.