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Nr. 6968026
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Drei Fragen an Bundeswehr-Kommandeur Michael Giss
Drei Fragen an | 13.02.2026

Cybersicherheit, Resilienz und die Rolle des KI-Standorts Heilbronn

Kapitän zur See Michael Giss, Kommandeur des Landeskommandos Baden-Württemberg und damit protokollarisch höchster Soldat im Land, war am 11. Februar 2026 zu Gast am Ferdinand-Steinbeis-Institut in Heilbronn. Auf Einladung des FSTI und der IHK Heilbronn-Franken sprach er vor rund 40 Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft über die aktuellen Herausforderungen in der Sicherheitspolitik, über Technologie und Resilienz.
Das Interview führte Prof. Dr. Heiner Lasi und wurde uns zur Verfügung gestellt vom Ferdinand-Steinbeis-Institut.

Herr Kapitän zur See Giss, in Heilbronn entsteht mit dem IPAI und dem Bildungscampus eines der größten KI-Ökosysteme in Europa. Das Ferdinand-Steinbeis-Institut ist ein Teil davon. Welche Rolle können solche zivilen Forschungsstandorte aus Sicht der Bundeswehr spielen?

Eine sehr wichtige Rolle. Zum einen dadurch, dass auch wir so hochqualifizierte Experten für die Bundeswehr gewinnen können. Aber auch bei der Herstellung einer kriegstüchtigen Bundeswehr generell. Wir erleben jetzt seit fast fünf Jahren in der Ukraine, wie ein moderner Krieg geführt wird, und der basiert in großen Teilen auf moderner Technologie. Ablesen kann man das allein schon daran, wieviel KI in den Drohnen steckt. Hier hat die Bundeswehr zugegebenermaßen Nachholbedarf. Wir können die Lücke aus eigener Kraft, mit eigenen Forschungsmitteln, sicher nicht schnell genug schließen und sind quasi im positiven Sinne gezwungen, hier in eine gute Zusammenarbeit zu kommen. Da könnte ich mir auch eine Allianz zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Bundeswehr vorstellen, wie das gemeinsam mit der TUM in München gerade auf den Weg gebracht wurde. Wir sind da aber auf Berlin angewiesen, wie bei so manch anderem Thema auch.

Viele Mittelständler sehen im Bereich Defense neue Geschäftschancen. Gleichzeitig stellt sich die Frage: Ist den Unternehmen ausreichend bewusst, was die veränderte Weltlage für ihre eigene Cybersicherheit bedeutet?

Es muss ihnen klar sein, denn wir erleben seit vielen Jahren – und ich spreche hier nicht nur über die Zeit nach 2022 – wie bestimmte Akteure Deutschland und Westeuropa insgesamt angreifen. Das passiert jeden Tag. Diesen Weckruf muss jedes Unternehmen gehört haben. Und wer nicht weiß, was zu tun ist, soll sich die Expertise ins Haus holen, im Zweifel über externe Beratung. Dabei gilt es, nicht nur die eigenen Systeme fitzumachen gegen Angriffe, sondern auch die Schnittstellen zu den Zulieferern und letztlich die ganze Lieferkette. Man muss sich nur vorstellen: Derzeit werden in der Automobilproduktion kleinste, aber wichtige Teile Just in Sequence über Tausende Kilometer ans Band gebracht. Das würde im Ernstfall nicht mehr funktionieren. Das muss alles lückenlos funktionsfähig sein, gehärtet, und zwar unter allen Bedingungen. Das ist das große Ziel. Es geht um Lieferfähigkeit auch im Spannungs- oder Verteidigungsfall.

Digitale Souveränität ist derzeit ein zentrales Thema, auch hier in Heilbronn. Wo sehen Sie dabei die größten Abhängigkeiten, die uns als Gesellschaft verwundbar machen?

Wenn Russland sich irgendwann mit der NATO anlegen will, und davon müssen wir ausgehen, dann wird es uns im Vorfeld mit hybriden Mitteln schwächen wollen. Dabei spielt das Digitale, der Cyberraum, eine wesentliche Rolle. Es wird Attacken auf unsere Bank- und Sparkassensysteme, auf Tankstellen, auf unseren öffentlichen Nahverkehr geben. Wenn wir da angreifbar sind, dann ist das eine denkbar schlechte Ausgangslage. Unsere IT-Sicherheit wird dann nur eines von vielen drängenden Problemen sein, um die wir uns kümmern müssen. Es ist übrigens gut, wenn jeder bei sich anfängt. Aber der Ansatz von unten allein reicht nicht. Es muss auch von oben etwas passieren, koordiniert und mit der nötigen Geschwindigkeit. Von daher ist die Digitale Souveränität sehr eng mit der Cybersicherheit insgesamt verbunden.
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