Blitzumfrage

Die Event- und Veranstaltungs­branche kämpft – und bietet ihr Know-how an

Nach dem dramatischen Umsatzeinbruch 2020 leidet die Event- und Veranstaltungsbranche weiter massiv unter den Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie. 71 Prozent der Teilnehmenden einer aktuellen Handelskammer-Blitzumfrage beurteilen ihre Geschäftslage als schlecht.
Ob Hochzeitsplanerin oder Bühnentechniker, ob Fahrgeschäft, Theater, Musikclub oder Konferenz: Vielen Angeboten und Services hat die Pandemie im Frühjahr 2020 praktisch die Geschäftsgrundlage entzogen. “Selbst mit den jüngsten Lockerungen kommen Unternehmen und Soloselbständige noch längst nicht wieder ins Geschäft”, sagt Dr. Malte Heyne, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Hamburg. “Viele sind nach 15 Monaten Coronakrise immer noch nicht oder nur unter großen Einschränkungen tätig.”
Die kurzfristigen Aussichten sind nicht besser, nach wie vor fehlt die Perspektive. Drei Viertel der Befragten wünschen sich mehr Klarheit über die Voraussetzungen für weitere Öffnungsschritte und über die Auflagen bei Wiederaufnahme des Regelbetriebs. Jede:r zweite fordert den Hamburger Senat sogar auf, das herausragende Know-how der Branche in der Organisation und Durchführung von Publikumsveranstaltungen einzubeziehen, wenn es um die Planung und Gestaltung der nächsten Schritte geht. Ein starkes Angebot, begleitet von Kritik.
Kommunikation finde nicht ausreichend statt, wird von Teilnehmenden der Befragung festgestellt, oder zu spät, für die meisten auf jeden Fall: zu wenig. Aktuelle Rahmenbedingungen erlaubten oft keinen wirtschaftlichen Betrieb im Neustart, etwa die 23-Uhr-Sperrstunde oder die mangelnde Eignung und Verfügbarkeit öffentlicher Flächen für Open-Air-Veranstaltungen. Mehrfach wird kritisiert, dass an der einen Stelle erlaubt ist, was an anderen verboten bleibt.
  1. Klarheit über die Voraussetzungen für weitere Öffnungsschritte schaffen (74 Prozent)
  2. Zeitnah und vorausschauend die Auflagen bei Wiederaufnahme des Regelbetriebs definieren (73 Prozent)
  3. Unternehmerisches Know-how in die Entwicklung von Öffnungsszenarien einbinden (49 Prozent)
  4. Sonstiges (28 Prozent)
Die Branche kämpft gegen die Krise,  mit kreativen Mitteln – und lässt sich eine Menge einfallen: 43% der Befragten geben an, dass sie neue Geschäftsfelder erschlossen haben, um das entgangene Geschäft zumindest teilweise zu kompensieren. Einige haben Testzentren eröffnet. Andere halten mit Hybrid-Veranstaltungen virtuell den Kontakt zum Publikum oder zu ihren Seminarteilnehmer:innen. Messebauunternehmen bauen nicht Messestände, sondern Möbel. Konferenzen werden digital veranstaltet, technisch ausgerichtete Betriebe unterstützen die Installation von Hygieneschutz in der Stadt.
Doch all das kann die Verluste im Kerngeschäft im Regelfall nicht ausgleichen. Deshalb will die Branche bei der Suche nach Wegen zurück in die Normalität helfen – und wünscht sich dabei vom Senat die Haltung, die unseren Standort stark gemacht hat: "Ermöglichungs-Denken".
Nur 13 Prozent der befragten Betriebe sind bisher ohne staatliche Hilfen durch die Krise gekommen. Immerhin 36% zeigen sich mit der Unterstützung durch Stadt und Bund zufrieden oder sehr zufrieden. Doch 30 Prozent haben teils positive, aber auch negative Erfahrungen gemacht. Und es gibt Löcher im Schutzschirm: Jede:r fünfte Befragte gibt an, mit den Hilfen eher nicht oder gar nicht zufrieden zu sein. Wie schon bei der Branchenbefragung im Herbst 2020 wird beispielsweise deutlich, dass rückzahlbare Hilfen wie Darlehen und Kredite oft keine echten Hilfen sind – weil sie Probleme nur verlagern.
Hier können Sie die Ergebnisse der Blitzumfrage (PDF-Datei · 84 KB) herunterladen.
An der Handelskammer-Blitzumfrage vom 12. bis 15. Juli 2021 haben 97 Vertreter:innen der Event- und Veranstaltungsbranche teilgenommen.